Der neue BVB zwischen Oscar und Himbeere

Fan-Fantasie beflügelt

"Der BVB im Herbst 2016 ist aufregend und angriffslustig, unberechenbar und instabil, energetisch und aufbrausend", beschrieb "Zeit Online" jüngst die Eigenschaften der Schwarzgelben. Sie hätten es auch kürzer machen können, denn es reicht ein Wort, um die im Sommer neu formierte Mannschaft zusammenzufassen: aufregend. Denn man weiß nie so recht, was man zu sehen bekommt.

DORTMUND

, 29.09.2016, 19:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der neue BVB zwischen Oscar und Himbeere

Bilder der Champions-League-Partie zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid.

Wenn man in Spanien einen Hang zur Philosophie und zu blumiger Sprache hat, wird man nicht selten Sportjournalist. Die Berichterstattung über Real Madrid, Barca oder Atletico wird dominiert von sprachlich gewaltigen Bildern, die das im Kern so einfache Fußballspiel dermaßen aufblasen, dass es epische Breite erhält. Nach dem 2:2 des BVB gegen Real am Dienstagabend war das nicht anders. So schrieb die "AS", Dortmunder Spiele seien "wie Abenteuerkino". Und in der Tat ist es so, dass die neue Borussia die Fantasie ihrer Fans dermaßen beflügelt, wie es sonst nur die Traumfabrik Hollywood vermag.

Wie in der Sneak Preview

Wie in einer Sneak Preview, also einer Überraschungsvorstellung im Kino, weiß man bei der Borussia aktuell nicht so recht, was man zu sehen bekommt: Spektakuläre Tore wie das von André Schürrle gegen Real oder grobe Mängel in der Defensive wie beim 1:2 durch Raphael Varane. Der BVB schwankt zwischen offensiver Oscarreife und der Bewerbung für die „Goldene Himbeere“, den unbeliebten Anti-Oscar, in der Defensive. Doch es ist genau diese Dysbalance, die es derzeit so unterhaltsam macht, der Borussia zuzuschauen.

Thomas Tuchel ist der Regisseur dieses durchaus spektakulären Ensembles. „Ein Raketenforscher im Trainingsanzug“ nannte ihn die „SZ“ jüngst treffend, weil er noch herumexperimentiert, was er mit all den Talenten in seinem Kader eigentlich alles anstellen kann. Ganz nebenbei versetzt der 43-Jährige auch noch einige Hauptrollen-erprobte Darsteller wie Nuri Sahin oder zuletzt auch Shinji Kagawa zugunsten hoffnungsvoller Nachwuchskünstler wie Ousmane Dembélé, Raphael Guerreiro, Emre Mor oder Christian Pulisic in die dritte Reihe.

Fans träumen 

Ob all das am Ende der Saison dazu führt, dass der BVB bei der Trophäenvergabe eine noch größere Rolle spielen kann als in den Vorjahren, ist derzeit reine Spekulation. Verlässliche Prognosen darüber lassen sich wohl erst in einigen Wochen anstellen, wenn Alltag eingekehrt ist und sich die positive Spannung der ersten Wochen gelegt hat. Die Fans der Schwarzgelben allerdings träumen spätestens seit dem 2:2 gegen Madrid wieder von großen Triumphen – wie man es aus dem Abenteuerkino eben so kennt. 

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