Am Boden: Mats Hummels (r.) und Manuel Neuer. © imago / ULMER Pressebildagentur
Europameisterschaft

DFB-Einzelkritik: Auf Hummels ist Verlass – Offensive kaum EM-tauglich

Für das DFB-Team ist bei der EM im Achtelfinale Endstation. Zwei gute Angriffe genügen biederen Engländern zum Sieg. Mats Hummels zeigt seine beste Turnierleistung, die Offensive versagt. Die Einzelkritik.

Fast 45.000 Zuschauer sorgen im Wembley-Stadion von London für Gänsehaut-Atmosphäre beim Klassiker England gegen Deutschland. Obwohl das EM-Achtelfinale lange torlos bleibt, werden die Fans gut unterhalten – am Ende jubeln die Engländer, Joachim Löws Ära ist vorbei. Die DFB-Einzelkritik:

Manuel Neuer: Sterling prüfte ihn aus 20 Metern, kein Problem für den weltbesten Torhüter (16.). Die Dreier-Abwehrkette hielt danach das meiste von ihm fern – leider nur bis zur 75. Minute. Mal wieder machtlos bei den Gegentreffern. Note: 3,5

Mathias Ginter: Hatte zumeist gegen Sterling in der Abwehr den schwersten Job, der nicht einfacher wurde, als er nach einem Textil-Foul an Shaw Gelb (25.) sah. Vorbelastet ging er mit einem beherzten Tackling gegen Sterling volles Risiko (45.+1), das war wichtig. Resolut auch gegen Saka (59.). Den konfusen Eindruck, den die Abwehr in der Endphase hinterließ, konnte auch er nicht wegwischen. Note: 4,0

Mats Hummels: Das bislang beste Spiel des Dortmunders bei dieser EM. Herr der Lage gegen Englands Mittelstürmer Harry Kane, den er in letzter Sekunde mit einer Grätsche stoppte, als ein abgefälschter Ball Richtung deutsches Tor trudelte. Eine fantastische Rettungstat (45.+1). Blieb der solideste der deutschen Abwehrkette, das Unheil konnte er am Ende nicht verhindern. Note: 3,0

Enttäuschender Auftritt gegen England: Antonio Rüdiger (l.). © dpa © dpa

Antonio Rüdiger: Sein dummes Foul gegen Saka (13.) provozierte einen von mehreren gefährlichen Freistoß-Situationen für die Engländer. Spielerisch nicht der sicherste, vor allem mit seinem schwachen linken Fuß. Und nicht zum ersten Mal bei dieser EM mit dem falschen Positionsspiel und Timing im Zweikampf vor dem 0:1. Ließ sich nicht nur da viel zu leicht ausspielen. Note: 5,0

Joshua Kimmich: Per Kopf klärte er einen gefährlichen Freistoß von Trippier (26.), stark seine Flanke mit Zug aufs englische Tor, die Gosens nur knapp verpasste (32.). Über die Außen hätte man sich bis zur Pause aber mehr Druck aufs englische Tor gewünscht. Shaw durfte dann beim 0:1 viel zu unbedrängt flanken (75.), auch das 0:2 fiel über seine Seite. Taktisch agierte er im Rückzugsverhalten sehr schwach, offensiv tauchte er nicht mehr auf. Note: 5,0

Leon Goretzka: Warum er besser zu Toni Kroos passt als der vom Spielertyp ähnliche Ilkay Gündogan zeigte sich schon in der Anfangsphase. Zwei Mal sorgte er mit energischen Läufen in die Tiefe für Gefahr, beim zweiten Antritt nach Traumpass von Thomas Müller von Rice nur auf Kosten einer Gelben Karte zu bremsen (8.). Nach einer guten ersten Hälfte war von ihm dann nicht mehr viel zu sehen. Note: 4,0

Erst auffällig, dann kaum noch zu sehen: Leon Goretzka. © dpa © dpa

Toni Kroos: Wie in der Gruppenphase mit guten Ballgewinnen, seine Versuche, Timo Werner mit halbhohen Bällen in Szene zu setzen, schlugen allerdings fehl. Passquote 95 Prozent, Zweikampfquote starke 67 Prozent, er war dennoch einer der auffälligsten Deutschen in Hälfte eins. Von ihm hätte man dann mehr Leaderqualitäten gebraucht, als Deutschland nach der Pause der Mut zu mehr Offensive fehlte. Note: 3,5

Robin Gosens: Ging durch einen Magen-Darm-Infekt geschwächt ins Spiel. Weil er sich sehr auf die Defensive konzentrierte, blieben offensive Vorstöße Mangelware. Kimmichs Flanke rutschte haarscharf über seinen Kopf (32.). Es blieb ein sehr unauffälliges Spiel des Newcomers. Note: 4,5

Kai Havertz: Die beste deutsche Chance entsprang einem Klasse-Pass des Champions-League-Siegers vom FC Chelsea. Sein Ball auf Werner zischte durch den schmalen Korridor, die Veredlung gelang Werner freilich nicht (32.). Sein toller Linksschuss zwang Pickford zu einer Glanzparade (48.). Auch an der Mega-Ausgleichschance von Müller als Passgeber beteiligt (81.). Gefährlichster Offensivspieler. Note: 2,5

Bester DFB-Offensivspieler gegen England: Kai Havertz (r.). © dpa © dpa

Timo Werner: Lauerte immer nahe an der Abseitslinie, seine Schnelligkeit kam nur einmal zum Tragen, als ihm Havertz den Ball mustergültig in den Lauf legte. Werner scheiterte mit einem flachen Ball an Pickford (32.), das hätte ein Tor sein müssen. Bemüht bis zu seiner Auswechslung, aber wie so viele in der Offensive ohne Zielstrebigkeit und Biss. Note: 5,0

Thomas Müller: Toller Pass auf Goretzka (8.), schlimmer Fehlpass auf Ginter, der zur besten England-Chance der ersten 45 Minuten führte (45.+1). Dazwischen viel Engagement und lautstarke Kommandos, leider aber zu wenig Durchschlagskraft. Dann aus dem Nichts mit der Riesenchance zum Ausgleich, den musste er einfach machen (81.). Note: 5,0

Serge Gnabry (68. für Werner), Leroy Sane (87. für Gosens), Emre Can (87. für Ginter) und Jamal Musiala (90.+2 für Müller) bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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