Die Sperrung der Südtribüne und ihre Folgen

Fragen und Antworten

Es wäre eine gespenstische Atmosphäre: Ein Bundesliga-Heimspiel von Borussia Dortmund ohne die gewaltige Fankulisse auf der Südtribüne. Aber der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat dies nun beantragt - aufgrund diverser Verstöße von BVB-Anhängern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen in diesem brisanten Fall.

DORTMUND

, 12.02.2017, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Sperrung der Südtribüne und ihre Folgen

Die Südtribüne in Dortmund ohne BVB-Fans - das könnte nun bittere Realität werden, denn der DFB fordert wegen einer Reihe von Fan-Vergehen diese harte Strafe

Warum will der DFB die Südtribüne für ein Bundesligaspiel sperren? Weil Anhänger des BVB im Spiel gegen RB Leipzig diffamierende Plakate zeigten, sich bei vorherigen Auswärtsspielen weitere Beleidigungen leisteten und verbotene Pyrotechnik zündeten. Schon im Sommer 2016 hatte der DFB geurteilt, dass Borussia Dortmund wegen Fan-Vergehen im Pokalfinale die gesamte Saison 2016/17 auf Bewährung spiele und bei den nächsten markanten Vorfällen harte Sanktionen folgen werden.

Was ist mit den Randalierern, die zum Leipzig-Spiel am vergangenen Samstag Gäste-Fans attackierten und mit Steinen und Flaschen bewarfen? Da diese Attacken außerhalb des Stadions stattfanden, fallen sie nicht unter die Sportgerichtsbarkeit des DFB. Polizei und Borussia Dortmund arbeiten hier derzeit eng zusammen, um die Randalierer nachträglich zu identifizieren. Den Tätern drohen strafrechtliche Konsequenzen durch die ermittelnden Behörden sowie Stadionverbote und Vereinsausschlüsse – und gegebenenfalls Regressansprüche durch den BVB und die durch die Attacken verletzten Personen.

Zu welchem Spiel soll die Südtribüne gesperrt werden? Höchst wahrscheinlich wäre das Bundesliga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am 18. Februar betroffen. Denn das endgültige Urteil wird spätestens Mitte der nächsten Woche gesprochen und direkt umgesetzt. Legt der BVB zuvor Einspruch ein, folgt eine mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht in Frankfurt. Akzeptiert der BVB bis Montag den vorliegenden Antrag des Kontrollausschusses, ist das beantragte Urteil sofort rechtskräftig.

Wie reagieren jetzt die Fans? Bei einer Online-Umfrage des Fußball-Fachmagazins "Kicker" hielten rund 60 Prozent der Teilnehmer die beantragte Strafe für gerechtfertigt. Fan-Foren im Internet erhielten zu diesem Thema riesigen Zulauf, der überwiegende Tenor auch hier: eine schmerzhafte, aber nachvollziehbare Entscheidung.

Gibt es auch kritische Stimmen von BVB-Fans? Bei BVB-Fanklubs stößt der Antrag des Kontrollausschusses zum Teil auf Widerstand. Christina Acker vom 2015 gegründeten Fanklub "Stadioncrew": "Wir verurteilen das Verhalten gegen Leipzig aufs Schärfste. Aber man kann 20.000 unschuldige Fans nicht für das Verhalten dieser Ultragruppen verurteilen. In unserem Block 10 gab es nicht ein einziges Transparent - warum sollen wir jetzt mithafte?" Der BVB solle "gezielt gegen diesen verantwortlichen Personenkreis vorgehen. Die wissen doch, wer da genau involviert ist. Außerdem erwarte ich vom BVB, dass die Ordner beleidigende Transparente erst gar nicht auf die Tribüne lassen."

Jetzt lesen

Auch Burkhard Kurz vom christlichen BVB-Fanklub "Totale Offensive" erkennt in der Sanktion eine "Kollektivstrafe": "Auf der Süd steht auch ein normales bürgerliches Publikum. Es auszuschließen, ist absolut unangemessen." "Dass die ganze Süd für das Verhalten einiger Fans büßen soll, wird das Problem nicht lösen", meinte Wolfgang Gurowietz vom Fanklub "Heinrich Czerkus". Die Verantwortlichen müssten für eine längere Zeit aus dem Stadion verbannt werden. Das sei "die schwerste Strafe, die wirklich weh tun würde".

Sollte die Sperre für die Südtribüne kommen: Erhalten Fans das Geld für ihr Ticket dann zurück? Nicht unbedingt. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des BVB zum Ticketverkauf steht, dass es keine Erstattung gibt "bei einer durch einen Fußballverband, insbesondere infolge von Zuschauerfehlverhalten, verhängten Platzsperre und/ oder einem teilweisen oder vollständigen Ausschluss der Öffentlichkeit". Zahlt der BVB also nicht aus Kulanz den Kartenpreis an die Fans zurück, hätten 25.000 ausgesperrte Fans auch noch wirtschaftlichen Schaden durch die Tribünensperre. In einer ersten Reaktion kündigten BVB-Fans deshalb an, den Deutschen Fußball-Bund wegen der Tribünensperre auf Schadenersatz verklagen zu wollen.

Gibt es neue Reaktionen aus Leipzig? Leipzigs Cheftrainer Ralph Hasenhüttl sagte am Freitag: "In Wahrheit müssen wir uns alle darüber Gedanken machen, weil auch die Menschen und Fans, die sich davon distanzieren, angehalten sind, einfach nicht wegzuschauen, sondern bereit zu sein, Zivilcourage zu zeigen. Dieses hohe Gut, das wir in Deutschland mit dem Fußball haben, einfach auch zu schätzen, für das, was es ist: verbindender Sport."

Mit dpa-Material

Lesen Sie jetzt