Doll rastet völlig aus: "Da lach' ich mir den Arsch ab!"

DORTMUND Mittwoch, zwölf Uhr – High Noon in Dortmund. Während der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel des BVB am Freitag in Frankfurt schießt Trainer Thomas Doll plötzlich scharf. Er betreibt Medienschelte. Redet sich in Rage. Fast zehn Minuten lang. Ross und Reiter nennt er nicht. Ob aus Angst vor auflagenstarkem Gegenwind oder ganz unbewusst. Jedenfalls fällt es auf.

von Von Sascha Fligge

, 23.04.2008, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Doll rastet völlig aus: "Da lach' ich mir den Arsch ab!"

Kragen geplatzt: Thomas Doll am Mittwoch während der Pressekonferenz.

Dortmund im Frühjahr 2008. Ein Pulverfass aus Wahrheiten und reiner Fiktion. Da war das 20-Millionen-Angebot von Juventus Turin für Stürmer Mladen Petric; die vermeintliche Einigung mit einem Nachfolger für Doll – je nach Fasson Frank Pagelsdorf (Rostock) oder Jürgen Klopp (Mainz); der kolportierte Transfer eines in Dortmund noch immer unbekannten Torhüters aus der Schweiz; die Veröffentlichung eines inzwischen dementierten Zitats von KGaA-Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke, gefallen angeblich während des Finalbanketts in Berlin („Ich bin der Einzige, auf den die Mannschaft noch hört“); schließlich die durchaus klubintern angefeuerte Trainerdebatte.

Dortmund kommt nicht zur Ruhe. Im Umfeld herrscht ein gefährliches Reizklima aus Dementis, und pauschalierten Schuldzuweisungen.

"Was hier abläuft..."

Auch Doll beließ es gestern bei Allgemeinplätzen. „Dass ich hier permanent an die Wand genagelt werde, ist respektlos“, schimpfte er und schnaubte wütend unrhythmische Sätze in Kameras und Mikrofone: „Was hier abläuft ...jedes Mal werden mir Knüppel reingeworfen. Vor 13 Monaten, als ich kam, war hier am Trainingsgelände alles tot. Wenn da einer gesagt hätte, 2008 qualifizieren wir uns für den UEFA-Cup, wäre das sensationell gewesen. Aber nun wird nicht mal gesagt – UEFA-Cup, das ist eine geile Kiste. Alles wird immer nur schlecht gemacht.“In Anspielung auf Berichte, denen zufolge die Ausmusterung etlicher Profis bereits beschlossene Sache sei, polterte Doll los: „Wir haben nur sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Es geht in der Bundesliga für uns noch um etwas. Aber meine Spieler werden von vorne bis hinten madig gemacht. Wie soll ich in Frankfurt eine Mannschaft auf den Platz schicken, die durchs Feuer geht, wenn angeblich acht Spieler bereits wissen, dass sie in Zukunft nicht mehr bei uns sein werden!? Marc Ziegler (Torhüter, d. Red.) kommt schon zu mir und fragt, ob er noch mittrainieren darf.“

Dampfhammer-Rhetorik

Vermutlich ist es Doll im Verlauf seiner Brandrede nicht vordergründig um Inhalte gegangen. Eher darum, durch Dampfhammer-Rhetorik zu signalisieren, dass er nicht mehr gewillt ist, sich vom Sturm gegen ihn und sein Personal ins Seitenaus blasen zu lassen. Gerade nicht vor dem Spiel in Frankfurt, das seine Kritiker wieder zum Wegweiser der persönlichen Zukunft des BVB-Trainers gemacht haben.

Am Mittwoch, während der Pressekonferenz, hätte er die große Chance nutzen können, mit offenem Visier zu kämpfen. Er tat es nicht. Stattdessen greifen nach Dolls Wutrede wieder die gängigen Stereotypen. Über Journalisten. Aber zweifellos auch über Fußballtrainer.

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