Anzeige


Dortmund auf der Suche nach der Kaltschnäuzigkeit

Geringe Durchschlagskraft

Auch das 1:1 in Berlin zeigt die Abhängigkeit Borussia Dortmunds von Pierre-Emerick Aubameyang. Die Schwarzgelben wachen gegen den Hauptstadtklub zu spät auf. Trainer Peter Stöger muss Lösungen finden - vorerst mit dem Personal, das ihm derzeit zur Verfügung steht.

Dortmund

, 22.01.2018 / Lesedauer: 3 min
Dortmund auf der Suche nach der Kaltschnäuzigkeit

Der BVB ist abhängig von den Toren von Pierre-Emerick Aubameyang. © dpa

André Schürrle ist gegen die Berliner Hertha 11,14 Kilometer gelaufen. Das ist ein beachtlicher Wert, nur Shinji Kagawa (12,21 Kilometer), Julian Weigl (11,72) und Lukasz Piszczek (11,61) spulten ein noch größeres Pensum ab. Es gab aber noch eine andere Statistik, die Schürrles Auftritt in der Hauptstadt auch treffender beschrieb. Der 27-Jährige gab nicht einen Torschuss ab, er gab auch keine Vorarbeit zu einem Tor oder einem Torschuss.

Ordentlicher Eindruck

Nun muss man Schürrle zugute halten, dass er nicht der klassische Mittelstürmer ist. Das zeigte auch das Spiel in Berlin, in dem er nach der Einwechslung von Alexander Isak zurückgezogener spielte, quasi sofort besser ins Spiel eingebunden war, deutlich mehr Szenen hatte und einen ordentlichen Eindruck hinterließ.

Wie schon das 0:0 gegen Wolfsburg zeigte auch die zweite Rückrundenpartie ohne Pierre-Emerick Aubameyang die große Abhängigkeit des BVB von seinem Top-Torjäger. Das beginnt damit, dass Aubameyang allein durch seine Präsenz Gegenspieler bindet, dass er gegnerische Abwehrreihen mit seinen Ausbrüchen auf die Außenpositionen aufreißen kann und endet mit seiner Effektivität vor dem Tor. Aubameyang hat in 143 Bundesliga-Spielen für Borussia Dortmund 98 Tore erzielt und zu 25 weiteren die entscheidende Vorarbeit geleistet. Überragende Statistiken, die ihn für die Borussia unersetzbar machen.

Der letzte Kick fehlt

Auch in der Phase, als der BVB in Berlin endlich aus seiner Lethargie erwachte und mehr Zielstrebigkeit an den Tag legte, fehlte vor dem Tor der letzte Kick. „Wir haben gefällig gespielt“, sagt auch Sportdirektor Michael Zorc, „aber es fehlte lange die letzte Durchschlagskraft und der unbedingte Wille, in eine Abschlusssituation zu kommen.“ Das sei nach dem Wechsel, mit dem schnellen Gegentor als schnellen Weckruf dann „schlagartig besser geworden“, wie Zorc wertete. Stöger gab zu: „Wir haben erst spät die richtigen Räume gefunden.“

Jetzt lesen

40 Treffer hat Borussia Dortmund in dieser Bundesliga-Saison schon erzielt, nur die Bayern und Bayer Leverkusen sind offensiv ähnlich produktiv. Dortmunds Chancenverwertung ist mit 31,5 Prozent immer noch die zweitbeste der Liga. Doch die Zahlen stimmen vor allem wegen Aubameyang. Er ist an 18 dieser 40 Tore beteiligt gewesen (13 Treffer, fünf Vorlagen), in 22 Pflichtspielen in allen drei Wettbewerben hat er 20 Tore erzielt und fünf vorbereitet.

Suche nach einer Alternative

So hängt die Zustimmung zu einem Wechsel Aubameyangs zum FC Arsenal nicht unmaßgelblich auch an der erfolgreichen Suche nach einer adäquaten Alternative. Nicht kommentieren mochte Zorc ein mögliches „Verrechnungsgeschäft“ für Aubameyangs mit Arsenals Angreifer Olivier Giroud. Der ebenfalls ins BVB-Visier gerückte belgische Angreifer Michy Bastshuayi vom FC Chelsea favorisiert nach Informationen dieser Redaktion weiter einen Wechsel zum FC Sevilla.

Möglich also, dass Stöger vorerst mit dem vorhandenen Personal an Alternativen tüfteln muss. Langsam wird die Zeit für den BVB knapp.

Lesen Sie jetzt