Ein BVB-Urgestein verabschiedet sich vom Nationalteam: Lukasz Piszczek sagt „Cześć!“

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Sein letzter Einsatz für die Nationalmannschaft gerät zu einem unvergesslichen Abend für Lukasz Piszczek. Er hinterlässt bei Polen eine große Lücke, die noch nicht geschlossen werden konnte.

von Maciej Szmigielski

Warschau

, 20.11.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Höhepunkt des Abends sorgte für viele Emotionen. In der 45. Minute des Länderspiels zwischen Polen und Slowenien bildeten die Spieler der Weiß-Roten ein Spalier, die Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen. Und ein Mann war sichtlich gerührt und kämpfte mit den Tränen.

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Lukasz Piszczek lief am Dienstag ein letztes Mal für die polnische Nationalmannschaft auf. Über ein Jahr nach seinem Rücktritt aus der PZPN folgte Piszczek der Einladung des Verbandes, um sich persönlich von fast 60.000 Fans im Warschauer Nationalstadion zu verabschieden. „Ich mache Schluss mit der Nationalmannschaft, aber nicht mit dem Fußball“, bekräftigte Piszczek vor der Begegnung.

Große Ehrung statt einfach nur Rücktritt

Sein 66. war endgültig auch sein letztes Länderspiel. Die Idee, einen der besten polnischen Fußballer in der Geschichte auf diese tolle Art und Weise zu verabschieden, war Verbandspräsident Zbigniew Boniek gekommen. Der ehemalige Weltklassespieler rief persönlich bei Piszczek an. Der war am Telefon perplex. „Ich schlug ihm vor, er soll in unserem letzten EM-Qualifikationsspiel für uns auflaufen“, sagt Boniek. „Wir wollten ihn dann noch vor der Pause auswechseln, um ihm eine perfekte Bühne zu bereiten.“

Ein BVB-Urgestein verabschiedet sich vom Nationalteam: Lukasz Piszczek sagt „Cześć!“

Lukasz Piszczek war ergriffen beim Abschied aus der Nationalmannschaft. © imago images/ZUMA Press

Piszczek war nach dem WM-Turnier in Russland aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. „Doch ich bin der Meinung, dass so ein Spieler wie Lukasz sich anders verabschieden muss, als nach einem schlechten Turnier einfach seinen Rücktritt zu erklären“, sagt Boniek.

Piszczek bat um einen Tag Bedenkzeit, beriet sich auch mit seiner Frau Ewa und entschied dann, die große Geste anzunehmen und ein letztes Mal bei der „Kadra“ dabei zu sein.

Lukasz Piszczek musste länger spielen, als es geplant war

Und auch bei seinem letzten Einsatz war Piszczek eigentlich unverzichtbar. Aus der geplanten Auswechslung nach 30 Minuten wurde nichts, da Nationaltrainer Jerzy Brzeczek schon in der Anfangsphase Innenverteidiger Kamil Glik verletzungsbedingt vom Platz nehmen musste. Piszczek durfte seinen Abschied noch 15 Minuten länger genießen. „Es ist sehr speziell für mich“, meinte der 34-Jährige nach der bewegenden Zeremonie gerührt. „Es ist ein Moment, den ich nie vergessen werde.“

Sein, wie es sich erst Dienstag herausstellte, vorletztes Spiel für Polen machte Piszczek bei der völlig verkorksten WM 2018 in Russland. Polen war mit großen Erwartungen nach Russland gereist, schied aber, wie fast immer bei WM-Turnieren, schon nach der Gruppenphase aus.

Die Enttäuschung im Land war groß, auch bei den erfahrenen Spielern, und besonders bei Piszczek, der dann entschied, sich in Zukunft nur noch auf den BVB zu konzentrieren.

Polen hat ein Problem auf der rechten Abwehrseite

Für viele polnische Fans war die Anwesenheit des rechten Verteidigers in der Startformation eine große Geste, aber auch eine bezeichnende Aktion. Denn obwohl sich Polen schon im Oktober für die EM-Endrunde qualifizieren konnte, sind die Probleme auf der rechten Abwehrseite sehr groß.

Piszczeks Rücktritt hat eine Lücke hinterlassen, die der Verband noch nicht schließen konnte – was allerdings zu erwarten war, denn so einen Spieler wie Piszczek wird die polnische Nationalmannschaft auf absehbare Zeit nicht mehr haben.

Passend zu seinem Abschiedsspiel trug Lukasz Piszczek ein spezielles Trikot – zur Feier des hundertjährigen Bestehens des polnischen Fußballverbandes. Für den BVB-Spieler wird es ab jetzt eine doppelte Bedeutung haben.

Piszczek ist Teil eines legendären polnischen Trios beim BVB

Mit Piszczek hat sich der erste legendäre Spieler des Polen-Trios von Borussia Dortmund aus der Nationalmannschaft verabschiedet. Jakub Blaszczykowski träumt noch von der EM 2020. Robert Lewandowski will noch mindestens drei Jahre spielen.

Nicht nur für viele Fans war es ein besonderer und auch schmerzlicher Abend, er war es auch für den polnischen Nationaltrainer. „Ich habe versucht, Lukasz noch einmal umzustimmen, aber seine Entscheidung stand fest“, sagte Jerzy Brzeczek mit großer Wehmut. Am Dienstag schickte er Piszczek zum ersten und letzten Mal in ein Spiel.

Danach sagte Piszczek „Czesc!“, also Tschüss, nach drei EM-Turnieren und einer WM-Teilnahme hängt der seit 2010 in Dortmund unter Vertrag stehende Piszczek das Trikot der Nationalmannschaft nun endgültig an den Haken.

„Ich hoffe, dass es jetzt nicht die Zeit für mehrfache Abschiede ist“, meinte er später. „Denn ich will bei Borussia Dortmund erst 2021 aufhören und dann auch richtig Tschüss sagen.“ Wenn die Gesundheit mitspielt, wird Borussia Dortmund sicher gesprächsbereit sein.

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