Mehr Tore als in den gesamten drei Spielzeiten davor: Mario Götze darf persönlich mit der abgelaufenen Saison zufrieden sein. Aber es geht noch mehr. Für den BVB und für ihn.

Dortmund

, 09.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Mario Götze geht weite Wege, nicht nur auf dem Fußballfeld, sondern auch zur Entspannung. Nach dem Ende der Saison reiste Götze in die USA. Los Angeles, New York, schöne Orte, an denen ihn wenige Leute (er-)kennen. So gewinnt er Abstand, findet Erholung – und neue Motivation für den nächsten Anlauf.

Mario Götze ist wieder wer beim BVB

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Obwohl er mit seinen Mannschaftskollegen von Borussia Dortmund haarscharf am Deutschen Meistertitel vorbeigeschrammt ist, es wäre sein sechster gewesen, darf er sich rund um seinen 27. Geburtstag über eine Spielzeit freuen, die nach für ihn desaströsem Beginn ein persönlich sehr gutes Ende genommen hat. Mario Götze ist wieder wer. Wer anders.

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Das ist nicht persönlich gemeint, sondern fußballerisch. Aus dem überragenden Spielgestalter seiner ersten, erfolgreicheren Karrierephase ist ein Stürmer geworden, der für die Abwehrreihen schwer zu greifen ist und der in der zweiten Saisonhälfte seinen Torinstinkt wiedergefunden hat. Nur noch sieben Mal bot ihn BVB-Trainer Lucien Favre im Mittelfeld auf, 19 Mal hingegen im Sturmzentrum. Mario Götze habe „seine Rolle gefunden“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Der spanische Torjäger Paco Alcacer, das bestätigte auch Favre, sei „mehr Stürmer“ als sein deutscher Kollege. „Aber Mario kann das auch, er macht das sehr, sehr gut.“

Dieser Typ Mittelstürmer ist Mario Götze

13 seiner 15 Scorerpunkte sammelte Mario Götze ab dem 17. Spieltag. Er suchte und fand seine Rolle in der Angriffsmitte. Als Mittelstürmer, der viel unterwegs ist, der das Kombinationsspiel sucht, der den Ball und die Gegenspieler laufen lässt. Um kleine Lücken zu finden, in die er seine Pässe und seine Mitspieler schicken kann.

„Wenn wir mit viel Bewegung spielen, die Positionen tauschen, abwechselnd in die Tiefe stoßen und viel Druck von außen kommt, dann macht das richtig viel Spaß.“
Mario Götze

„Wenn wir mit viel Bewegung spielen, die Positionen tauschen, abwechselnd in die Tiefe stoßen und viel Druck von außen kommt, dann macht das richtig viel Spaß“, sagte Götze über die Rolle als Neuneinhalb und die Arbeitsteilung mit seinen Teamkollegen. Wer Sancho, Reus oder Guerreiro in seiner Nähe weiß, kann davon ausgehen, dass Gefahr im Anmarsch ist für die gegnerischen Torleute.

Drei Statistiken stechen bei Borussia Dortmunds Zehner hervor. Als erstes seine tadellose Quote im Abschluss: Für seine sieben Saisontore benötigte er lediglich 28 Versuche – jeder vierte Schuss ein Treffer, ein außergewöhnlicher Wert. Außerdem verblüffend: Hinter Dauerrenner Thomas Delaney kommt Mario Götze auf die zweithöchste Marke, was die Laufbereitschaft angeht.

Götze läuft viel, schnell aber nicht wirklich

Mit 12,13 Kilometer, hochgerechnet auf 90 Minuten, mischt er weit vorne mit nicht nur beim BVB, sondern bei allen Offensivspielern. So kann er auch teilweise kompensieren, dass seine Höchstgeschwindigkeit von etwas mehr als 32 km/h deutlich hinter der von Flitzern wie Jadon Sancho oder Achraf Hakimi hinterherhinkt. Speed kann ein entscheidender Faktor sein – Götze muss es anders packen.

Zum Beispiel mit seiner Ballsicherheit. Wenn Mitspieler ihn suchen und finden, ist die Murmel bei Götze in besten Händen bzw. Füßen. Eine Zuspielquote von 83 Prozent erreichen im vordersten, engsten Drittel des Spielfeldes nur wenige Fußballer. 77 Torschussbeteiligungen in 1679 Spielminuten – steht Götze auf dem Rasen, ist er alle 20 Minuten an einem Torschuss beteiligt. Wahrlich keine schlechte Bilanz.

Interessantes Wechselspiel mit Paco Alcacer

Einen anderen Topwert hätte er aber wohl lieber vermieden: Nach seinen 19 Startelf-Berufungen wurde er 13 Mal frühzeitig vom Platz geholt – das Wechselspiel mit Alcacer hatte seinen Reiz, seine Wirkung und seine Nachteile.

Trotzdem gibt es Fragen zu klären. Die erste wäre die nach Götzes Zukunft. Allen Eindrücken der vergangenen sechs Monate folgend, sieht der Spieler seine nächsten Karrierejahre in Dortmund. Und die BVB-Klubführung sieht Götze bei Borussia. Die Parteien werden sich einigen in den nächsten Wochen. Die andere Frage ist die nach Götzes Potenzial: Reicht das Stürmer-Duo Götze/Alcacer, um national gegen den FC Bayern München und international gegen die Top Ten Europas zu bestehen? Götze hat starke Spiele gezeigt, dennoch bleiben Skeptiker bei ihrer Einschätzung, dass seine Leistungen den allerhöchsten Ansprüchen nicht genügen.

Mario Götzes Perspektive für die Saison 2019/20

Körperlich gehört Mario Götze inzwischen wieder zu den fittesten, stärksten Profis von Borussia Dortmund. Er ist gesund und er spielt – das ist (ihm) wichtig. Auch von der vermissten Spritzigkeit ist einiges zurückgekehrt. Das hilft ihm, seine überragenden fußballerischen Fähigkeiten effizienter einzubringen ins Spiel von Borussia Dortmund.

Dort ist Mario Götze zwar kein Unterschiedsspieler mehr. Aber eine sehr gefährliche Waffe, wie er in der Rückrunde bewiesen hat. Sechs Tore im Jahr 2019 sind genauso viele wie in den drei Spielzeiten zuvor in Summe. Daran muss er sich fortan als Stürmer messen lassen. Auf Bundesliga-Niveau dürfte ihm das gelingen.

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