„Eine echte Granate“: BVB-Stürmer Haaland auf Lewandowskis Spuren

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Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München - das ist auch das Duell zweier Ausnahmestürmer. Erling Haaland wandelt dabei längst auf den Pfaden von Robert Lewandowski.

Dortmund

, 07.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kürzlich hat Erling Haaland in einem Podcast der norwegischen Tageszeitung „Verdens Gang“ über seine Entwicklung zu einem Top-Stürmer in Europa gesprochen. Sieben Kollegen, hat der 20-Jährige dabei verraten, sehe er in einem Ranking der besten Angreifer auf dem Kontinent aktuell noch vor sich. Die Namen stammen aus dem obersten Feinschmecker-Regal: Cristiano Ronaldo, Harry Kane, Roberto Firmino, Pierre-Emerick Aubameyang, Sergio Agüero, Timo Werner - und natürlich Bayern Münchens Robert Lewandowski. Heute Abend (18.30 Uhr, live bei Sky) kommt es im Signal Iduna Park zum direkten Aufeinandertreffen.

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BVB gegen die Bayern, das heißt, Tabellenzweiter gegen den Tabellenführer, beste Defensive gegen beste Offensive. Mehr Top-Spiel geht nicht. Und es ist natürlich auch das Duell der Torjäger: Haaland gegen Lewandowski. Gut möglich, dass sich die Mannschaft durchsetzen wird, deren Torgarant den besseren Tag erwischt. Zwischen dem jungen Wilden aus Norwegen und dem eiskalten Polen liegen nicht nur zwölf Jahre Altersunterschied. Haalands 26 Pflichtspieltore für die Dortmunder Borussia muten noch vergleichsweise mickrig an gegen die Werte Lewandowskis, der in Deutschland für den BVB (bis 2014) und die Bayern 361 (!) Mal in Pflichtspielen getroffen hat.

Hitzfeld über BVB-Stürmer Haaland: „Eine echte Granate“

Statistisch trifft der Blondschopf allerdings sogar häufiger (0,92 Tore pro Spiel) als sein Münchner Gegenüber (0,74). „Haaland“, sagt daher Trainerlegende Ottmar Hitzfeld im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten, „ist eine echte Granate. Ich denke, das ist der richtige Ausdruck. Wenn er weiter an sich arbeitet, und das scheint ja der Fall zu sein, wird er ein Weltklasse-Stürmer.“

Lewandowski hat sich dieses Prädikat nach Jahren kontinuierlicher Leistungen schon redlich verdient. Der Pole ist ein Phänomen: kaum verletzt, immer gefährlich, ohne große Formdellen. Auch gegen seinen ehemaligen Klub trifft der 32-Jährige gerne: 18 Mal in bislang 21 Duellen, Zahlen, bei denen man in Dortmund Bauchschmerzen bekommt. Daher wäre es für die Borussia eminent wichtig, Abwehrchef Mats Hummels wieder einplanen zu können.

Haaland und Lewandowski eint die große Gier auf Tore

Hummels hat Lewandowski mal als einen seiner unangenehmsten Gegenspieler bezeichnet, aber für welchen Abwehrspieler ist der Pole das nicht? Es hat dem Dortmunder in seiner eigenen Entwicklung allerdings auch nicht geschadet, in sieben gemeinsamen Jahren (vier in Dortmund, drei in München) täglich im Training von Lewandowski gefordert zu werden. Haalands Energie hat der Borussia schon in einigen Partien auf die Füße geholfen. „Diese Dynamik, diese Kaltschnäuzigkeit“, schwärmt auch Hitzfeld vom schlaksigen Norweger, der seinen Körper aber schon mindestens so gut einsetzt, wie Lewandowski das über die Jahre hinweg perfektioniert hat. Bei allen Unterschieden eint beide die große Gier auf Tore.

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Robert Lewandowski (M.): Der polnische Torgarant ist aktuell der einzige aktive Bayern-Profi, der eine Dortmunder Vergangenheit hat. Von 2010 bis 2014 erzielte der heute 32-Jährige in 187 Pflichtspielen 103 Tore für Borussia Dortmund. 2014 wechselte er ablösefrei nach München – und traf in bislang 299 Pflichtspielen für den Rekordmeister 258 Mal.© dpa
Mats Hummels: Der Nationalspieler außer Dienst wechselte schon zweimal die Fronten. 2008 verschlug es den 31-Jährigen erstmals nach Dortmund, 2016 ging es zurück nach München. Seit Sommer 2019 trägt Hummels nun zum zweiten Mal das BVB-Trikot.© dpa
Mario Götze (M.): Der Siegtorschütze des WM-Finals 2014 darf für sich beanspruchen, ob er nun möchte oder nicht, dass er mit seinem Wechsel aus Dortmund nach München so viel Staub aufgewirbelt hat, wie es kein anderer BVB-Profi vor oder nach ihm geschafft hat. 2013 ging es überraschend und für festgeschriebene 37 Millionen Euro zu den Bayern, 2016 dann für 22 Millionen Euro zurück nach Dortmund. Richtig glücklich wurde Götze wohl weder in München noch während seiner zweiten Zeit beim BVB.© dpa
Stefan Reuter: Der Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996 wechselte 1988 vom 1. FC Nürnberg zu den Bayern, bestritt bis 1991 130 Spiele für den deutschen Rekordmeister und wurde zweimal Meister. Von 1992 bis 2004 lief er für den BVB auf (421 Spiele), gewann drei Meisterschaften, den Champions-League-Titel 1997 und den Weltpokal 1997.© dpa
Torsten Frings (l.): 45 Mal für die Bayern, 63 Mal für den BVB: Der „Lutscher“ und 78-fache Nationalspieler hinterließ weder in München (2004 bis 2005) noch in Dortmund (2002 bis 2004) den bleibenden Eindruck, den sich die Fans und die Verantwortlichen erhofft hatten. Seine glorreichste Zeit erlebte Frings bei Werder Bremen (1997 bis 2002).© dpa
Christian Nerlinger (l.): 1992 rückte Nerlinger in den Profikader der Bayern auf, 1998 wechselte er ablösefrei aus München nach Dortmund. Für die Bayern stand er in 207 Pflichtspielen auf dem Rasen, für den BVB in 73 Partien. Titel gewann er nur in München: Zwei Meistertitel, einen DFB-Pokal-Titel und den Uefa-Cup-Sieg 1996 gab‘s zu feiern.© dpa
Thomas Helmer (hinten): Die Überläufer-Statistik von Thomas Helmer ist nahezu ausgeglichen. In der Liga streifte er sich 190 Mal das BVB-Trikot über (1986 bis 1992). Das Bayern-Trikot trug er einmal öfter (1992 bis 1999).© dpa
Jürgen Kohler: Vom FC Bayern (1989 bis 1991) ging es für den „Fußballgott“ über Juventus Turin (1991 bis 1995) zum BVB, wo er bis zu seinem Karriereende eifrig Titel sammelte. Zwei Meisterschaften (1996 und 2002), der Champions-League-Titel 1997 und der Triumph im Weltpokal 1997 lassen den Fußballer des Jahres 1997 in Dortmund unvergessen bleiben.© dpa
Robert Kovac (l.): Zwei Deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege feierte der Kroate zwischen 2001 und 2005 mit dem FC Bayern. Nach einem Halt bei Juventus schnürte er eineinhalb Jahre die Schuhe für den BVB.© dpa
Sebastian Rode: Der heutige Profi von Eintracht Frankfurt kam weder in München (2014 bis 2016) noch in Dortmund (2016 bis 2019) über eine Nebenrolle hinaus. Der große Unterschied allerdings: Die Bayern verpflichteten den Mittelfeldspieler 2014 ablösefrei, der BVB zahlte 2016 zwölf Millionen Euro Ablöse.© dpa

In den beiden letzten Vergleichen war die Borussia nahe dran an den Bayern, eher mit dem Dortmunder Haaland in der Hauptrolle. Beim 0:1 im Mai fälschte Boateng am Boden liegend seinen Schuss mit der Hand ab, Strafstoß gab es damals nicht. Im Supercup vor einigen Wochen traf der 20-Jährige zum 2:2, verpasste aber gegen Manuel Neuer in einer identischen Situation einen zweiten Treffer.

BVB-Trainer Favre: „Werden uns nochmal verbessern müssen“

„Wir werden uns nochmal verbessern müssen“, sagt Lucien Favre in Erinnerung an diese Partien. „Wir haben schon Selbstvertrauen“, sagt Sportdirektor Michael Zorc angesichts der neuen Stabilität im Dortmunder Spiel. Der BVB scheint reif für einen Sieg gegen den ewigen Rivalen, das wäre natürlich noch keine Vorentscheidung. Aber doch zumindest ein deutliches Ausrufezeichen.

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