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Eine Einordnung des neuen/alten Abwehrsystems beim BVB

Dortmunds Dreierkette

Im Spiel gegen Schalke 04 sprang BVB-Trainer Peter Bosz (54) doch über seinen Schatten. Statt im klassisch-holländischen 4-3-3-System aufzulaufen stellte er auf eine Dreierkette in der Abwehr um. Am Wochenende spielten so zehn der 18 Bundesliga-Mannschaften. Fragen und Antworten dazu.

Dortmund

, 30.11.2017 / Lesedauer: 3 min
Eine Einordnung des neuen/alten Abwehrsystems beim BVB

Überzahl: Sokratis (l.) und Marcel Schmelzer stellen in dieser Szene Schalkes Guido Burgstaller. © dpa

Was sind die Vorteile der Dreierkette?
Drei Innenverteidiger beteiligen sich am Aufbauspiel, damit ist der hinterste Block nicht so leicht mit Pressing unter Druck zu setzen. Es bleibt mehr Zeit für ein konstruktives Passspiel ins Mittelfeld, es gibt mehr Optionen. „Auch die Außenverteidiger können Aufbaupässe spielen und bekommen nicht sofort Pressingdruck“, erklärt Martin Rafelt, Taktikexperte von Spielverlagerung.de. Der weite, hohe Schlag nach vorne kommt seltener als letztes Hilfsmittel zum Einsatz.

Nominelle Überzahl

Ziehen sich die verkappten Außenverteidiger zurück, bildet sich eine Fünferkette, die aufgrund ihrer nominellen Überzahl für jeden Gegner schwer auszuhebeln ist. Außerdem wird die gesamte Breite des Platzes abgedeckt.

Kommt es zu Umschaltsituationen in die Offensive, können die Außen entweder an der Seitenlinie antreiben oder die Zentrale verstärken. Das hilft im Umkehrschluss nach Ballverlusten auch im Gegenpressing. „So ist man weniger anfällig für Konter durch die Mitte“, sagt Rafelt, zumal mindestens ein weiterer Spieler tief steht. Gerade nach Pässen in die Tiefe war der BVB sehr anfällig. Es bietet sich in der Dreierkette auch einem Verteidiger die Chance, zu Zweikämpfen herauszurücken, ohne die Abwehr zu entblößen.


Was sind die Risiken dieser Formation?
Spielt der Gegner neben einem zentralen Angreifer mit zwei klassischen Flügelstürmern, wird es brenzlig, weil die Zuordnung nicht eindeutig ist und viel verschoben werden müsste. Steht der eigene Außenbahnspieler zu hoch im Raum, liegt genau darin eine große Gefahr: Die Dreierkette ist anfällig bei geschickten Spielverlagerungen, weil sich außen ein Loch auftut. Dort müssen die Außenverteidiger taktisch und läuferisch stark sein.


Warum kann die Dreierkette dem BVB weiterhelfen?
Die Spieler auf der Außenbahn müssen auch tief in der Abwehr aushelfen können. Bei Raphael Guerreiro zum Beispiel liegt das in seiner Wesensart als gelernter Linksverteidiger. Auch Marc Bartra als offensiv denkender Innenverteidiger liegt dieses Spiel. Ein Christian Pulisic auf der rechten Seite hat seine Stärken jedoch eher im Vorwärtsgang.

„Grundsätzlich ein gutes Model“

„Das 3-4-3 kann man auch auf das Dortmunder Angriffspressing anpassen“, sagt Taktikexperte Rafelt. Gegnerische Verteidiger können früh attackiert werden, weil es Absicherungen gibt. Offensiv haben die Borussen mehrere Spieler, die sich in Eins-gegen-eins-Situationen durchsetzen können. „Das ist grundsätzlich ein gutes Modell für den BVB und passt zum Kader“, meint Rafelt. Jetzt muss es nur noch umgesetzt werden.

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