Legt den Finger in die Wunde: BVB-Trainer Marco Rose. © imago / MIS
Meinung

Eine Frage der Körpersprache: Rose muss mit dem BVB andere Reflexe erarbeiten

Ajax Amsterdam verpasst dem BVB eine fußballerische Lehrstunde. Dortmunds Mängel bei Körpersprache und Widerstandsfähigkeit sind eine neue Erfahrung für Marco Rose. Der Trainer muss zeitnah Lösungen finden.

Borussia Dortmund hat von Ajax Amsterdam beim denkwürdigen 0:4 nicht nur fußballerisch Grenzen aufgezeigt bekommen. Auch bei seiner Selbst- und Außendarstellung hat der BVB nach der Rückreise aus den Niederlanden eine Menge Aufgaben im Gepäck. Körpersprache, Zweikampfschärfe, Widerstandsfähigkeit – wenn Plan A nicht aufgeht, wenn es schwierig wird im sportlichen Wettstreit, muss diese Mannschaft andere Reflexe als sinkende Köpfe erarbeiten.

BVB-Trainer Marco Rose legt den Finger erneut in die Wunde

Trainer Marco Rose legte im Moment der schmerzlichsten Niederlage seiner noch jungen Amtszeit den Finger in die Wunde. Er hätte sich eine andere Ausstrahlung seiner Spieler gewünscht und auch, dass sich auf dem Platz manche mal die Meinung geigen, um die nötige Reibung zu erzeugen. Oder dass die Spieler an ihre Stärken glauben, sich Sicherheit holen und „das Ding ans Laufen bringen“.

Am Dienstagabend wurde Rose ebenso enttäuscht wie die BVB-Fans. Den nötigen Antrieb konnte man den Borussen anfangs nicht absprechen, eine andere Reaktion auf Rückschläge in Spielen darf und muss man allerdings erwarten. Das hat die Mannschaft auch schon besser gezeigt in dieser Saison (Hoffenheim, Union Berlin). Da geht es nicht um plumpe Fingerzeige auf Führungsspieler. Jeder Einzelne trägt Verantwortung fürs Ganze.

Der BVB erlebt in Amsterdam eine sportliche Lehrstunde

Die Zweifel, was den unbedingten schwarzgelben Siegeswillen gerade in den Knackpunktspielen betrifft, erlebt Rose neu. Für viele Borussen kehren diese bohrenden Fragen immer wieder. Vielleicht kann der neue Trainer bei der Suche nach Lösungen helfen. Eben dann, wenn aus der Abreibung in Amsterdam neben der sportlichen Lehrstunde auch eine Analyse der Schwächen im Kopf erfolgt. Auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft fehlt dem neuen BVB spielerisch nachvollziehbarerweise noch etwas Schmierstoff im Getriebe – und unverständlicherweise die unbedingte Geilheit aufs Gewinnen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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Jürgen Koers