Emre Can spricht die BVB-Probleme klar an - Neuzugang zeigt Entschlossenheit und Gegenwehr

rnBorussia Dortmund

Emre Can erlebt beim BVB ein bitteres Startelfdebüt. Er erzielt ein Traumtor, das zur Randnotiz verkommt. Nach dem 3:4 legt der Neuzugang den Finger in die Wunde.

Leverkusen/Dortmund

, 10.02.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Emre Can ist erst seit zehn Tagen Spieler von Borussia Dortmund, noch lernt er seine neuen Mitspieler kennen. Noch, auch das zeigte sein Startelf-Debüt am Samstag in Leverkusen, fehlt es an Abstimmung und Automatismen. Doch Can hat keine zehn Tage gebraucht, um eine grundlegende Schwäche seiner neuen Mannschaft messerscharf zu analysieren.

Can liefert eine schonungslose Analyse des Dortmunder Ist-Zustands

Borussia Dortmund hat den 26-Jährigen am letzten Tag der Winter-Transferperiode verpflichtet, um genau das Problem zu lösen: Can gilt als wehrhaft auf dem Platz, als einer, der sich nicht einschüchtern lässt, der auch austeilt und sich Respekt verschafft. Und was der robuste Mittelfeldspieler auf dem Platz ausleben soll, lebt er auch vor den Mikrofonen vor. Und so lieferte Emre Can nach dem 3:4 in der BayArena eine schonungslose Analyse des Ist-Zustands in seiner neuen Mannschaft. Sie fiel, das kann man sich denken, nicht allzu positiv aus.

Emre Can spricht die BVB-Probleme klar an - Neuzugang zeigt Entschlossenheit und Gegenwehr

© Deltatre

„Wenn man in Führung geht“, sagte Can, „dann muss man dreckiger sein. Manchmal ein Foul begehen, auf jeden Fall besser gemeinsam verteidigen.“ Das, so der ehemalige Juve-Spieler, „muss die Mannschaft lernen!“ Dass der BVB sowohl das 2:1 nach seinem Traumtor in der 33. Minute als auch später eine 3:2-Führung nicht über die Ziellinie bringen konnte, wurmte den Neuzugang. „Man führt“, meinte er, „spielt schönen Offensivfußball. Aber defensiv müssen wir alle besser stehen.“ Cans einfache Rechnung: Wer drei Tore macht, aber vier bekommt, gewinnt keine Spiele. Und keine Meisterschaften, aber das sagte Emre Can nicht.

Can zieht nach dem BVB-Auftritt in Leverkusen ein gemischtes Fazit

Musste er auch nicht. Es hatte auch so jeder gesehen. Und so musste Can am Ende seines ersten Startelf-Einsatzes ein gemischtes persönliches Fazit ziehen. „Das Tor“, gab er zu, „bringt mir ja auch nichts, wenn wir am Ende verlieren.“ Dass Can von Beginn an spielen würde, war nach den Eindrücken des Pokalspiels in Bremen allgemein erwartet worden. Dass ihn Lucien Favre ins defensive Mittelfeld neben Axel Witsel packte und zudem von Dreier- auf Viererkette umstellte, war eine überraschende Variante, die klar darauf abzielen sollte, mehr Stabilität in die eigenen Reihen zu bekommen.

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Eine nachvollziehbare Idee angesichts der Leverkusener Konterstärke. Nicht nur die individuellen Fehler aber führten in der BayArena zu den Gegentoren. Auch die großen Lücken im Mittelfeld, wo Dortmund zu selten Zugriff auf die ballführenden Leverkusener bekam und so Schnittstellen-Pässe und schnelle Konter erst ermöglichte, halfen der Werkself nach zweimaligem Rückstand zurück in die Spur. Wie so oft spielte der BVB ansehnlich nach vorne, nach hinten aber deutlich zu brav und inkonsequent.

Can muss beim BVB noch Trainingsrückstand aufholen

Wenn Can seinen Praxisrückstand aufgeholt hat, kann er daran mitwirken, diese Probleme zu lösen. Fehlende Spielpraxis nach einer Hinrunde mit nur 272 Einsatzminuten (verteilt auf acht Spiele) aber war Can noch ebenso deutlich anzumerken in der Leverkusener Arena wie ein konditioneller Rückstand. Die kommende Woche wird daher extrem wichtig für den Neuen: Can braucht harte Einheiten, um sich auf den bestmöglichen Stand zu bringen.

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Es gab dennoch viel Positives vom Frankfurter, der in Leverkusen Bundesliga-Spieler wurde, der es zum FC Liverpool schaffte und dort ebenso Stammspieler war wie später auch bei Juventus Turin. Wie Emre Can vor dem 3:3-Ausgleich zur Monster-Grätsche im eigenen Strafraum ansetzte, das war beispielhaft für jenen Einsatz und Willen, den seine Mitspieler zu selten einbringen. Unbedingt hatte er das Tor verhindern wollen, „ich musste da irgendwie hin.“ Pech, dass seine Rettungstat die Kugel vor die Füße von Leon Bailey beförderte.

BVB-Neuzugang Can demonstriert Entschlossenheit und Gegenwehr

Und da war noch eine wichtige Szene, eine, die aber der Allgemeinheit kaum aufgefallen sein dürfte. Nach einem Zweikampf an der Seitenlinie lieferte sich Emre Can mit dem Leverkusener Moussa Diaby ein Wortgefecht, einen kurzen Klaps mit der Hand gab es für den Leverkusener Angreifer obendrein. Die Geste demonstrierte Entschlossenheit und Gegenwehr, Can signalisierte, dass er den Raum auf dem Rasen nicht kampflos preisgeben werde. Vielleicht haben seine neuen Mitspieler ja auch da genau hingeschaut.

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