Borussia Dortmund

Ende der BVB-Dramen: Auswärtstorregel verabschiedet sich gegen Glasgow

Wenn Borussia Dortmund heute Abend in der Europa League die Glasgow Rangers empfängt, verabschiedet sich für den BVB die Auswärtstorregel. Wir erinnern an drei historische Spielverläufe.
Die BVB-Profis bejubeln den Treffer zum 3:1 durch Lars Ricken gegen Deportivo La Coruna. © imago / WEREK

Sie hat Taktiken geprägt, Jubelstürme und Heulkrämpfe ausgelöst – doch nun ist sie Geschichte. Erstmals seit 1965 wird die Auswärtstorregel in K.o.-Spielen des Europacups nicht mehr zum Einsatz kommen. Ab dem Achtelfinale der Champions League, den Zwischenrunden der Conference League sowie in der Europa League muss ein Team nun also zwingend ein Tor mehr schießen als der Gegner. Sollte das nicht der Fall sein – besteht also Torgleichheit nach Hin- und Rückspiel -, geht es in die Verlängerung und eventuell ins Elfmeterschießen.

In den vergangenen Jahren hat die Auswärtstorregel für historische Spielverläufe, Dramen und Tränen auf der einen, für Jubel und Ekstase auf der anderen Seite gesorgt. Auch der BVB war involviert – wir blicken auf drei besondere Dortmunder Spiele zurück:


01.) Als der Stern von Lars Ricken im Westfalenstadion aufging

BVB – Deportivo La Coruna (3:1): Bis heute fest verankert im Gedächtnis vieler Borussen ist der 6. Dezember 1994, der Tag an dem der Stern von Lars Ricken endgültig aufging. Im Achtelfinal-Hinspiel des UEFA-Cups hatte der BVB mit 0:1 bei Deportivo La Coruna verloren, die Spanier waren damals einer der aufstrebendsten Klubs in ganz Europa. Im Rückspiel in Dortmund rettete sich die Borussia unter Trainer Ottmar Hitzfeld durch einen Treffer des heutigen Sportdirektors Michael Zorc in die Verlängerung. Diese ging dem Ende des ersten Durchgangs entgegen, als Alfredo Santaelena für die Spanier ausglich.

Matthias Sammer, Bodo Schmidt und Stefan Klos bejubeln einen ganz besonderen BVB-Sieg. © imago / Sven Simon

Die Auswärtstorregel setzte die Borussia mächtig unter Druck. Gut 20 Minuten waren noch zu absolvieren und zwei Tore mussten her, um doch noch die Runde der letzten Acht zu erreichen. Als Karl-Heinz Riedle in der 116. Minute zum 2:1 traf, brachen schon fast alle Dämme. Und als Lars Ricken drei Minuten später das entscheidende Tor markierte, gab es kein Halten mehr. Im Westfalenstadion lagen sich die Menschen in den Armen, es war ein für die Mannschaft und den Verein ganz besonderer Moment.



02.) BVB gegen Malaga – ein Spiel für die Ewigkeit

BVB – FC Malaga (3:2): Ein absoluter Klassiker ist bis heute das Rückspiel im Viertelfinale der Champions League aus dem Jahr 2013. Beim FC Malaga schoss der BVB kein Tor, die Spanier aber auch nicht. Im Rückspiel traf zunächst Joaquin für die Andalusier, vor der Pause glich Robert Lewandowski aus. Als dann Eliseu aus Abseitsposition auf 1:2 stellte (82.), verließen die ersten Fans bereits das Stadion.

Die BVB-Profis bejubeln das Wunder gegen Malaga. © dpa

Die Borussen benötigten jetzt zwei Tore – in gut zehn Minuten. Aufgrund besagter Auswärtstorregel wäre ein Unentschieden zu wenig gewesen. Das erschien vielen Anhängern unmöglich. Was aber folgte, war die verrückteste Nachspielzeit der BVB-Historie. Erst Marco Reus (90.+1.) und dann Felipe Santana (90.+2.), der sich ebenfalls im Abseits befand, sorgten für ein Tollhaus und den Sprung ins Halbfinale. Am Ende der Königsklassen-Saison stand sogar das Finale, das der BVB in Wembley jedoch mit 1:2 gegen den FC Bayern München verlor.


03.) Als Jürgen Klopp den BVB aus der Europa League warf

FC Liverpool – BVB (4:3): Nicht minder einprägsam war das Duell mit dem FC Liverpool 2016 im Viertelfinale der Europa League. Es war das Wiedersehen mit Ex-Coach Jürgen Klopp, dem Liebling der Massen. In Dortmund trennte man sich 1:1. Es war eine zähe Begegnung, die dem Hype und der Erwartung nicht im Ansatz gerecht wurde. Das Rückspiel in Liverpool jedoch war eines für die Geschichtsbücher. Für den BVB – unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel – ging es richtig gut los, denn Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang hatten bereits nach neun Minuten für eine 2:0-Führung gesorgt.

Dejan Lovren (l.) köpft Liverpool zum Sieg gegen den BVB. © dpa

Bei den Reds keimte wieder etwas Hoffnung auf, als Divock Origi kurz nach dem Seitenwechsel den Anschlusstreffer markierte. Doch als wenig später Reus das 3:1 aus Sicht der Schwarzgelben gelang, schien die Messe gelesen – eigentlich. Denn es wurde aus englischer Sicht noch eine magische Nacht an der Anfield Road, denn nach Toren von Philippe Coutinho (66.) und Mamadou Sakho (78.) blieb genügend Zeit, um die Partie komplett zu drehen.

Das war nötig, denn die Auswärtstorregel zwang Liverpool, alles auf eine Karte zu setzen – bei einem Remis wären die Engländer ausgeschieden, die Borussia hätte im Halbfinale gestanden. Dann landete der wuchtige Kopfball von Dejan Lovren in den ersten Sekunden der Nachspielzeit nach einem Eckball im Tor. Die Tribünen im Stadion bebten – und Dortmund war ausgeschieden.

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