Englischer Journalist versteht bei PK kein Wort

Ben Bloom

Als Hans-Joachim Watzke am Mittwoch die ersten Worte seiner bislang wohl emotionalsten Pressekonferenz spricht, bekommt ein englischer Journalist schwitzige Hände. Ben Bloom soll eigentlich für den Telegraph über das Ende von Jürgen Klopp beim BVB berichten. Das Problem: Er versteht kein Wort. Und das hat Folgen.

Dortmund

, 16.04.2015, 09:32 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Pressekonferenz mit Jürgen Klopp, Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc.

BVB-Pressekonferenz mit Jürgen Klopp, Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc.

Während sich das schwarz-gelbe Fußballland seit Mittwochnachmittag so fühlt, als sei es von seiner großen Liebe verlassen worden, ist man in England so aufgeregt wie ein 15-Jähriger vor seinem ersten Mal. Denn: So einen Trainer wie Jürgen Klopp, den hätten sie in der Premier League gerne. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass unter den rund 200 Journalisten auf der Pressekonferenz am Mittwoch viele aus dem Ausland waren.

Ziel Manchester City?

Auch Ben Bloom vom Telegraph soll berichten. Seinen Liveblog hatte Bloom schon am frühen Vormittag gestartet, als die ersten Meldungen über das Ende der Klopp-Ära in Dortmund über den Ticker gingen. In seinem ersten Eintrag macht er den englischen Fans dann auch gleich Hoffnungen: Klopp sei zuletzt mehrfach mit Arsenal London und dem FC Liverpool in Verbindung gebracht worden, wahrscheinlicher sei aber das Ziel Manchester City, weil der Trainerstuhl dort aktuell deutlich wackliger sei, als bei den anderen beiden Klubs.

Es folgen sehr launige Beiträge darüber, die zeigen, was Klopp für ein emotionaler Mensch und Trainer ist, bevor er um 10.50 Uhr erstmals erwähnt, dass um 12.30 Uhr eine Pressekonferenz stattfinde, "von der ich euch alle News und Reaktionen durchgeben werde." Eine - wie sich wenig später herausstellen sollte - mutige Ansage.

Wer ist Watzke?

Um 12.34 Uhr lässt Bloom seine Leser (kurz nach der Bestätigung des Vereins, dass die Gerüchte wahr sind) wissen, dass Klopp sich hingesetzt habe. Was dann folgt, ist ein Lehrbeispiel an Transparenz und dies "gewann das Internet für sich", wie es der Telegraph aktuell auf seiner Website anteasert. Denn Bloom versteht weder etwas davon, was Pressesprecher Sascha Fligge sagt, noch die anschließenden ersten emotionalen Worte von Hans-Joachim Watzke. Peinlich: Er scheint noch nicht einmal zu wissen, wer Watzke ist.

Sympathisch und tausendfach im Netz geteilt ist dagegen seine Reaktion darauf, die er seinen Lesern ohne Umschweife mitteilt: "Ok, wir haben hier ein kleines Problem...sie sprechen deutsch und mein Realschul-Deutsch hilft mir nicht so richtig weiter. Was ich ableiten kann, ist, dass der Kerl, der gerade spricht (ich gehe davon aus, dass es des BVB-Chef ist), so klingt, als sei jemand gestorben. Er wirkt als würde er gewürgt. Oh, er hat gerade "fantastisch" gesagt, ich vermute, dass er damit nicht Klopps Entscheidung beschreiben wollte, den Verein zu verlassen."

"Ich kann absolut nichts verstehen"

Das geht dann über Minuten so weiter. Blooms Einträge sind für informationssuchende Engländer natürlich ärgerlich, doch sie lesen sich vor allem im Nachhinein wie ein großes Comedy-Stück: "Ich würde Ihnen gerne sagen, was Klopp sagt. Er sagt eine Menge. Aber ich kann wirklich absolut nichts davon verstehen. Also zeige ich Ihnen stattdessen ein Foto von ihm, wie er Wasser in einen Becher gießt."

Am Ende, als die Pressekonferenz lange vorbei ist, findet Bloom noch jemanden, der ein paar Informationen bereits übersetz hatte. "Ich hoffe, es merkt keiner, dass ich die hier als meine eigenen schreibe." Er entschuldigt sich danach mehrfach. Und um 14 Uhr schließt er seinen Liveblog mit den Worten: "Und damit verabschiede ich mich von Ihnen und entschuldige mich nochmals für meine hoffnungslos mangelnden Deutschkenntnisse. Man könnte meinen, dass sie eine Voraussetzung dafür sind, eine BVB-Pressekonferenz live zu bloggen. Aber vielleicht auch nicht. Wir werden sehen, ob derjenige, der mich angetwittert und vorausgesagt hat, dass ich morgen entlassen sein werde, recht hat."

"Deutsch-Kurse"

Knapp eineinhalb Stunden später meldete sich ein Editor des Telegraph noch einmal im Liveblog zu Wort. "Leider ist Ben Bloom nun nach Hause gegangen, um seine Deutsch-Kurse zu beginnen. Aber irgendwie scheint er zu einer Internet-Sensation geworden zu sein, deshalb bieten wir Ihnen hier noch ein paar der lustigsten Tweets über seine alberne Berichterstattung.

P.S. "Wir haben ihn nicht gefeuert. Noch nicht."

Zum kompletten englischen Liveblog beim Telegraph geht es HIER.

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