Champions League

Enormer BVB-Aufwand bleibt unbelohnt – und plötzlich droht die Europa League

Borussia Dortmund wehrt sich in Unterzahl aufopferungsvoll gegen Ajax Amsterdam. Umso größer ist der Frust nach dem 1:3. Nun drohen dem BVB in der Champions League zwei Endspiele.
Enttäuschte BVB-Profis nach dem 1:3 gegen Amsterdam. © dpa

Marco Rose hatte eine Vorahnung. Fußball sei ein Zweikampfsport, sagte Borussia Dortmunds Cheftrainer im Vorfeld des Heimspiels gegen Ajax Amsterdam. Der Anspruch seiner Elf solle es sein, Bälle sauber zu gewinnen. Allerdings schränkte Rose auch ein: „Du weißt, was auf dich zurollt. Möglicherweise musst du den einen oder anderen Angriff mit einem Foul stoppen.“

Tigges steht in der Champions League erstmals in der BVB-Startelf

Dass die 90 Minuten zwischen dem BVB und Ajax auch das hochintensive Duell zweier Mannschaften waren, die Zweikampfführung als oberste Priorität auffassten, sollte Rose in seiner Einschätzung bestätigen. Denn im ersten Durchgang waren es vor allem zwei Szenen, in denen ein sauberer Ballgewinn nicht möglich war, weshalb der jeweilige Übeltäter sich mit einem Foul behelfen musste. Und das hatte in beiden Fällen Konsequenzen. Mats Hummels sah nach 28 Minuten nach einem Foul an Antony auf Höhe der Mittellinie Rot. Eine Stunde in Unterzahl gegen dieses wilde Ajax – eine riesengroße Hypothek für den BVB.

Auf der Gegenseite hatte Noussair Mazraoui Jude Bellingham im Strafraum zu Fall gebracht – Elfmeter für die Dortmunder, den Marco Reus zur 1:0-Führung (37.) nutzte. Es waren die zwei aufregendsten Szenen einer an dramatischen Momenten nicht gerade armen ersten Hälfte. Gegenüber dem 2:0-Sieg gegen den 1. FC Köln hatte Marco Rose nur eine Änderung vorgenommen. Anstelle von Marin Pongracic brachte er überraschend Steffen Tigges in der Startelf. Tigges, beflügelt durch seinen ersten Bundesliga-Treffer gegen Köln, sollte es als Speerspitze und Vertreter von Erling Haaland in vorderster Front richten.

Jude Bellingham vergibt per Kopf die große Chance zur BVB-Führung

Die Borussia startete gut in die Begegnung. Anders als noch beim 0:4 vor zwei Wochen kam sie mit den hochstehenden Außenverteidigern der Niederländer gut zurecht. Zudem gelang es ihr zunächst sehr konsequent, die tiefen Läufe, mit denen Amsterdam bevorzugt Räume schafft, zu unterbinden. Der BVB hatte zunächst ein klares Chancenplus – setzte durch einen Kopfball von Jude Bellingham (7.) das erste Statement. Ajax-Innenverteidiger Lisandro Martinez war zuvor bei einem langen Ball von Hummels auf Thorgan Hazard ausgerutscht, woraufhin der Belgier die Kugel in die Mitte bugsierte. Doch Bellingham köpfte neben das Tor.

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Den Schwarzgelben aber war schon in den ersten Minuten deutlich anzumerken, dass sie ein anderes, freundlicheres Gesicht zeigen wollten – im Vergleich zur erstaunten Miene in der Johann-Cruyff-Arena. Ab Mitte der ersten Hälfte fand auch Ajax offensiv häufiger statt. Ein Reus-Fehlpass eröffnete Ryan Gravenberch (23.) einen strammen Schuss, den Gregor Kobel jedoch souverän parierte.

BVB in Unterzahl: Marin Pongracic ersetzt Thorgan Hazard

Nun trat die Partie in eine Phase vermehrten Zweikampfsports ein. Erst fällte Hummels den sich geschickt eindrehenden Antony und sah Rot. Dann foulte Mazraoui den agilen Bellingham. Die 1:0-Führung per Strafstoß durch Reus war für den BVB zu diesem Zeitpunkt zwar verdienter Lohn für eine engagierte Vorstellung, rief nun aber noch stärker die Gäste auf den Plan. Marco Rose hatte zwischenzeitlich Thorgan Hazard vom Platz genommen, dafür Marin Pongracic gebracht.

Sein Team sah sich in den Minuten bis zur Halbzeit einigem Druck ausgesetzt. Doch weder Lisandro Martinez (43.) noch Sebastien Haller (44.) mit einem Kopfball an die Latte oder Steven Berghuis (45.+1), der heranstürmend am coolen Gregor Kobel scheiterte, konnten den Pausenrückstand verhindern.

Nun droht auch BVB-Allrounder Marius Wolf auszufallen

Auch nach Wiederanpfiff war direkt Feuer im Spiel. Ein mögliches 2:0 vergab der BVB, als er in der 56. Minute einen Konter über Julian Brandt und Axel Witsel zu schlampig ausspielte. Im direkten Anschluss brachte Rose Felix Passlack für den angeschlagenen Marius Wolf als Linksverteidiger. Der BVB war in der Folge um Kompaktheit bemüht.

Fotostrecke

Champions League, 4. Spieltag: BVB – Ajax Amsterdam 1:3 (1:0)

Hätte er gekonnt, Rose hätte die einzelnen Mannschaftsteile von außen eigenhändig verschweißt. Gestikulierend schob der BVB-Trainer ebenso wie Jude Bellingham die Hände zusammen. Doch das sollte nur bedingt helfen. In der 72. Minute kam Ajax zum Ausgleich. Antonys unbedrängte Flanke lenkte Pongracic unglücklich per Kopf weiter, so dass Dusan Tadic am zweiten Pfosten lauernd die Fußspitze hinhielt – 1:1. Marco Rose reagierte, brachte nun in Ansgar Knauff und Donyell Malen frische Kräfte für Reus und Tigges.

Haller und Klaassen entreißen dem BVB den wichtigen Punkt

Vergebens, weil Knauff in der 84. Minute Antony frei flanken ließ und Akanji im Kopfballduell gegen Haller den Kürzeren zog, hieß es nun 1:2. Mit dem finalen 1:3 (90.) durch Davy Klaassen war der BVB letztlich unter Wert geschlagen – und muss nun um den Einzug ins Achtelfinale bangen. Die beiden noch ausstehenden Spiele in der Gruppenphase in Lissabon (24. November) und zuhause gegen Besiktas (7. Dezember) werden nun harte Prüfungen für die Borussia.

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