Sietzo IJzer © Jürgen Koers
Borussia Dortmund

Entdecker von Donyell Malen verrät: So wird es noch was zwischen dem Holländer und dem BVB

Sietzo IJzer ist beim VV Succes eine Vereinslegende und gilt als erster Förderer von Donyell Malen. Wie er ihn entdeckte, was Malen von anderen Kindern unterschied und wie er den Durchbruch beim BVB noch schaffen kann.

Stolz zeigt Sietzo IJzer auf das Schild, das an der Tribüne des VV Succes angebracht ist. Namen von Vereinsmitgliedern und Sponsoren stehen dort, prinzipiell nichts Ungewöhnliches für einen kleinen holländischen Amateurverein. Doch der Finger des 89-Jährigen zeigt auf einen ganz besonderen Namen. Auf einen ehemaligen Spieler des VV Succes, der es bis ganz nach oben geschafft hat – und den IJzer hier in Hippolytushoef entdeckt hat. Donyell Malen. Heute Profi bei Borussia Dortmund. Früher ein Kind mit Holzschuhen, Ball und einem großen Traum.

In Holzschuhen: BVB-Stürmer Malen kickte immer mit seinem Opa

Die Augen von Sietzo IJzer, sie glänzen wenn er über den Moment spricht, als er diesen kleinen Jungen das erste Mal hat spielen sehen. Heute ist es regnerisch und stürmisch, außer IJzer, seiner Nichte Diana und seinem Sohn Christof ist niemand hier auf der großen Sportanlage, die nur einen Steinwurf entfernt vom Wattenmeer liegt. Und trotzdem hat man das Gefühl, dieser Fünfjährige aus dem Nachbardorf Westerland, einem 400-Seelen-Örtchen, würde hier gerade über den nassen Rasen flitzen, wenn man den Erzählungen des Ehrenmitglieds lauscht.

Leicht zu erkennen: Donyell Malen in der F-Jugend beim VV Succes. © Pinnow, Kevin © Pinnow, Kevin

IJzer ist Trainer der F-Jugend des Vereins, als ihm auf dem Nebenplatz dieser kleine schmächtige Junge auffällt. „Er war jeden Tag hier. Fußballschuhe hatte er nicht, er hat immer in Holzschuhen mit seinem Opa gespielt“, sagt der heute 89-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Malen ist damals Fünf, eigentlich noch zu jung für die Mannschaft von IJzer. „Aber man hat sofort gesehen, dass er ein guter Spieler ist. Also habe ich ihm gesagt: Komm zu uns.“

BVB-Profi Donyell Malen war früher schon schnell und dribbelstark

Neben seiner Schnelligkeit und seinem Geschick am Ball, zeichnet Malen ein schon in jungen Jahren vor allem eines aus: die Einstellung. „Die anderen Spieler wollten einfach Spaß haben, aber für Donyell war Fußball extrem wichtig. Er hat gerne trainiert und wollte unbedingt besser werden.“ Auf dem Platz taut der schüchterne und zurückhaltende Junge auf. „Keiner kam hinter ihm her und er war ein toller Dribbler. Er hat alle Tore für uns gemacht.“

Schnell werden auch andere Vereine auf den Sohn eines surinamischen Vaters und einer niederländischen Mutter aufmerksam. „Er war nicht lange bei uns. Donyell ist dann zu VV Hollandia gewechselt“, sagt Diana Ijzer. Sein Opa Joop fährt ihn zu jedem Training in das knapp 50 Kilometer entfernte Horn, auch bei jedem Spiel begleitet er ihn. „Sein Opa war für ihn neben seiner Mutter die wichtigste Person für ihn.“

Über Hollandia, Ajax, Arsenal und PSV zu Borussia Dortmund

Über Hollandia geht es für Malen in die Jugendakademie von Ajax Amsterdam, von dort aus weiter nach London zu Arsenal. „Als er spielfrei hatte, hat er uns hier bei einem Jugendcamp besucht“, erzählt sein alter Trainer. „Alle jungen Spieler aus unserem Verein wollen werden wir er.“ Damals entsteht auch das letzte gemeinsame Foto von Malen und seinem Entdecker. „Obwohl er mich noch einmal zu einem Spiel in Eindhoven eingeladen hat. Da wurde er aber ausgewechselt und war nicht gut drauf“, sagt Sietzo IJzer mit einem Schmunzeln.

Vor einigen Jahren haben sich Sietzo IJzer und Donyell Malen wiedergesehen. © Pinnow, Kevin © Pinnow, Kevin

Mittlerweile spielt Donyell Malen bekanntlich in Dortmund, für 30 Millionen Euro verpflichtete der BVB den niederländischen Nationalspieler von der PSV Eindhoven. Doch bislang will es noch nicht so ganz klappen mit dem 22-Jährigen und Borussia Dortmund. Wettbewerbsübergreifend gelang ihm erst ein Tor und eine Vorlage in 13 Spielen. Nicht eines stand er über die vollen 90 Minuten auf dem Rasen – auch, weil er mit mächtig Fitnessrückstand aus dem Urlaub kam.

Malen-Entdecker hat Tipps für den BVB-Profi und Marco Rose

Trotz guter Ansätze wirkt er oftmals wie ein Fremdkörper im Dortmunder Offensivspiel. „Die Position ist vielleicht nicht ganz die richtige für ihn und er kennt die Abläufe noch nicht.“ Trotzdem ist Sietzo IJzer der festen Überzeugung: „Der Schritt war der richtige für ihn.“ Und auch für Borussia Dortmund.

Aber was muss denn passieren, damit der Knoten endlich platzt beim BVB-Neuzugang? „Die Mentalität spielt eine Rolle. Er muss mehr Vertrauen in sich und das Spiel haben“, rät ihm sein Jugendtrainer. Malen sei immer jemand gewesen, der viel Zuspruch gebraucht habe, jemanden, der viel mit ihm rede und ihn zur Seite nehme.

So wie Sietzo IJzer es damals getan hat, als der kleine Junge mit den Holzschuhen und dem Ball am Fuß den Traum von der großen Karriere hatte.

Über den Autor
Jahrgang 1991, tritt seitdem er Vier ist selbst gegen den Ball, hat mit 14 das erste Mal darüber berichtet, wenn es andere tun. Wollte seitdem nichts anderes machen und hat nach Studium und ein paar Jahren Lokaljournalismus seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Seit 2021 BVB-Reporter.
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Kevin Pinnow