Eriko Ogihara-Schuck erlebt japanischen Finaleinzug vorm TV

Asien Cup

Ihre Wangen glühen. „Ist mir heiß“, sagt Eriko Ogihara-Schuck (35), schnauft tief durch und fächelt sich mit beiden Händen Luft zu. Der Grund für derartige Erschöpfungszustände bei der Japanerin? Hinter ihr liegen 120 spannende Minuten und ein Elfmeterschießen.

DORTMUND

von Von Alexandra Neuhaus

, 26.01.2011, 07:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Japanerin Eriko Ogihara-Schuck fieberte beim Asien-Cups mit

Japanerin Eriko Ogihara-Schuck fieberte beim Asien-Cups mit

„Kagawa ist in Japan ein Fußballgott“, sagt die Dunkelhaarige mit der hellen Stimme, und ihre Augen wandern zu dem kleinen schwarzen Fernseher in der Ecke des türkischen Restaurants in Dortmund-Barop. Ein lauter Pfiff – der Schiedsrichter eröffnet in Doha die Partie Japan gegen Südkorea. „Die japanischen Zeitungen vergleichen Kagawa gerne mit Yoshitsune. Das war ein General, der nach seinem Tod zum Gott ernannt wurde.“ Ist der kleine Dribbelkünstler damit also schon zu Lebzeiten göttlich? „Manche Japaner finden schon“, sagt Eriko Ogihara-Schuck und lacht. Kein Sushi, kein japanischer Jasmintee, dafür gibt es Pizza und Wasser zum Fußballspiel – die Dozentin für Amerikanistik an der Uni Dortmund isst international, lebt seit sechs Jahren in Deutschland und ist mit einem Dortmunder verheiratet. „Aber beim Fußball schlägt mein Herz für Japan und Deutschland.“

In der 23. Minute erhöht sich der Takt ihres Herzens erstmals. Elfmeter für Südkorea. Sung Yueng Ki donnert den Ball in den Kasten – 1:0 für Japans Erzrivalen. „Oh“. Mehr sagt Eriko Ogihara-Schuck nicht. Sie schiebt die Unterlippe vor. Dann – „aber mein Onkel aus Osaka hat schon gesagt, dass Südkorea ein schwerer Gegner ist.“ Ihr Onkel ist der größte Fußballfan der Familie Ogihara. Sein Lieblingsspieler? „Kagawa“, sagt die 35-Jährige. Nervös rutscht sie auf der roten Lederbank hin und her, als der 21-jährige Japaner mit den strubbeligen Haaren in Großaufnahme über den Bildschirm flimmert. Demnächst will sie beim BVB-Training ein Foto von dem Superkicker machen – für ihren Onkel. „Der will ein Bild für seinem Sushi-Laden.“

36. Minute. Japans Ryoichi Maeda gleicht aus. „Goal.“ Eriko Ogihara-Schuck jubelt leise, aber die rechte Faust fliegt in die Luft. „Die japanischen Fans sind immer begeistert“, sagt sie, während sie mit einem Lächeln ihre Landsleute auf den Tribünen toben sieht und Kagawa in einer Jubeltraube verschwindet. „Aber so verrückt wie in Dortmund, so habe ich Fans noch nie erlebt.“ In der 98. Minute bringt Hajime Hosogai Japan in Führung. Alles scheint sicher, das Lächeln auf Eriko Ogihara-Schucks Lippen wird immer breiter. Bis zur 120 Minute – Freistoß für Südkorea. Japans Spieler, auch Borussias Kagawa, können im Strafraum nicht klären, Südkoreas Jae Won Hwang gleicht aus. 2:2 – Elfmeterschießen. Eriko Ogihara-Schuck schweigt. Der Kellner bringt einen Apfeltee. „Zur Beruhigung“, sagt er.

Die zierliche Frau ballt die Hände zu Fäusten. Auch wenn sie noch nie ein Spiel vom BVB live gesehen hat, jetzt soll Kagawa ins Finale. Ihre Landsleute geben alles. Während Keisuke Honda, Shinji Okazaki und Yasuyuki Konno für Japan treffen, scheitern die Koreaner bei allen Versuchen. Auf dem Bildschirm ist ein auf und ab hüpfender Kagawa zu sehen. Eriko Ogihara-Schuck hüpft nicht, doch ihre Wangen sind knallrot. „Soviel Spannung – das halte ich kein zweites Mal aus.“ 

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