Sören Dieckmann spielte einige Jahre für Borussia Dortmund. © imago images/Eduard Bopp
Fußball

Ex-BVB-Profi durfte in der 2. Liga nicht mehr mittrainieren und hat jetzt wieder Spaß am Fußball

Dreieinhalb Jahre stand Sören Dieckmann beim BVB unter Vertrag. Dann ging es für ihn in die 2. Liga. Ein Interview über den Profi-Fußball, Spaß an der Arbeit und über dunkle Gedanken auf der Couch.

Er reiste mit der ersten Mannschaft von Borussia Dortmund zur Saison-Vorbereitung in die USA, war über Jahre einer der Leistungsträger in der Reserve der Schwarzgelben, ehe es in die Zweite Bundesliga zum SV Sandhausen ging.

Dort ist Sören Dieckmann nicht glücklich geworden, war lange verletzt und absolvierte lediglich sieben Zweitliga-Partien.

Jetzt hat er sein Glück beim SC Fortuna Köln in der Regionalliga West gefunden und spielt um den Aufstieg mit. Wir haben mit Sören Dieckmann gesprochen.

Kann ein Wechsel zwei Ligen tiefer im Profifußball ein Fortschritt sein, Herr Dieckmann?

Ja, auf jeden Fall. Vor allem, was den Spaß angeht.

Hatten Sie keinen Spaß mehr am Fußball?

Es waren keine einfachen zweieinhalb Jahre für mich bei Sandhausen. Ich habe wenig gespielt, gerade zum Schluss, als der Verein mich nicht mehr hat mittrainieren lassen. Man hat gemerkt, dass es Profifußball ist und vor allem auch Arbeit. Aber Spaß sollte im Vordergrund stehen, den habe ich jetzt wiedergefunden in der 4. Liga.

Was hat sich in der 4. Liga verändert?

Ich wollte einfach wieder Fußball spielen – auf einem guten Niveau. Die Liga kenne ich, der Verein ist ambitioniert und wir haben als Team ein gemeinsames Ziel. Das hat mir den Spaß am Fußball zurückgebracht.

Im Sommer sind Sie vom SV Sandhausen zum SC Fortuna Köln gewechselt – wie groß war die Umstellung?

Man wird jetzt lachen, aber tatsächlich gar nicht. Teilweise bessere Bedingungen, weil Sandhausen infrastrukturell nicht so gut aufgestellt ist. Fortuna Köln ist eine Drittliga-Mannschaft, wenn man es so sieht. Da steht das Familiäre im Vordergrund. Mit einem schönen Stadion, einer guten Anlage.

Sören Dieckmann (l.) im Duell mit Riyad Mahrez von Manchester City. © imago/Icon SMI © imago/Icon SMI

War der Schritt nach Sandhausen in die 2. Liga in der Nachbetrachtung ein Fehler?

Man macht sich natürlich immer Gedanken darüber, ob es ein Fehler war. Ich kam vom BVB, einer spielstarken Mannschaft, in der das Spiel so ausgerichtet war, dass ich als Außenverteidiger immer offensiv mit eingebunden werde.
Das ist in Sandhausen aufgrund des Spielstils völlig abhandengekommen. Klar, könnte man sagen, es war ein Fehler, dort hinzugehen. Es war aber für mich einfach der nächste Schritt, den ich gehen wollte. Es war ein Traum da zu spielen für mich. Dass es sich im Endeffekt so rausstellt, hätte ja niemand wissen können. Ich habe sieben Spiele in der 2. Bundesliga gemacht, das kann mir erstmal keiner nehmen.

Wie ist es, in der 2. Bundesliga aufzulaufen? Beispielsweise vor mehr als 30.000 Fans im Hamburger Volksparkstadion?

Es war etwas Besonderes, da es mein erstes Pflichtspiel in der 2. Bundesliga war. Es ist etwas anderes als in der Regionalliga vor drei bis viertausend aufzulaufen. Man bekommt das aber gar nicht so sehr auf dem Platz mit. Als ich mit der ersten Mannschaft des BVB in die USA reisen durfte, sind wir auch schon vor 50.000 Fans aufgelaufen, wobei Hamburg schon noch mal ein anderes Erlebnis war als Pflichtspiel.

Auf was konzentriert man sich als Spieler stattdessen?

Gerade in Sandhausen ist der Druck nicht so groß von Außen. Zum Beispiel von den Fans und der Presse. Damit habe ich mich damals kaum auseinandergesetzt. Der Druck kommt dann eher vom Trainer oder man macht ihn sich selbst und ist voll und ganz auf das Spiel konzentriert.

Nimmt man das ansonsten gar nicht wahr?

Sobald das Spiel beginnt, bin ich mit dem Kopf auf dem Rasen. Als ich in Köln rausgekommen bin, hatte ich aber Gänsehaut. Fast 50.000 Fans, Anthony Modeste hat sein Comeback gegeben und gleich zwei Tore erzielt. Das war schon beeindruckend zu sehen, was da los ist. Sobald du auf dem Spielfeld bist und in den Aktionen, blendet man das aber total aus.

Sie sind ein Dortmunder Junge, haben für den BVB gespielt. Welch immense Bedeutung das für die Menschen in Dortmund hat, ein Teil dieses Vereins zu sein, ist ersichtlich, wenn man an einem Spieltag durch die Stadt geht. Wie sieht das mit der Fußball-Leidenschaft in Köln aus?

Köln ist etwas dreigeteilt. Es gibt drei große Fußballvereine mit Viktoria, Fortuna und dem 1. FC. Es gibt absolut fußballverrückte Leute. Wenn man im Stadion ist und ein Spiel gewinnt, dann wird da auch schon ordentlich gefeiert. Da sind auch ein paar positiv Bekloppte dabei. Dortmund ist, was das angeht, komplett verrückt und da kommt wenig ran. Fortuna Köln ist da aber echt ein cooler Verein und dort wird viel dafür getan, dass da eine Nähe zu den Fans ist. Man klatscht nach den Spielen an der Tribüne ab, quatscht, da ist schon ganz gute Stimmung.

Was ist Ihr persönliches Ziel mit Fortuna Köln?

Ich will eine sehr gute Saison spielen, will um den Aufstieg spielen. Wir wollen uns oben festsetzen, mit der Ambition bin ich zur Fortuna gewechselt. Bis zum achten Platz ist alles oben dran, es ist super eng und spannend oben. Außerdem war es selten einfacher als jetzt aufzusteigen, da der erste direkt in die 3. Liga kommt und nicht in die Relegation muss. Wenn die Spieler diese Mentalität und diese Einstellung nicht vorleben, kann es nicht funktionieren.


Die Konkurrenz ist groß. Essen, Oberhausen und Preußen Münster sind alles Teams mit Ambitionen.

Wir haben erst ein Spiel verloren. Das Duell gegen Essen war sehr knapp, da haben wir erst geführt und sehr spät den Siegtreffer kassiert. Wir sind Essen aber auf den Fersen.

Sören Dieckmann (r.) im Trikot des SC Fortuna Köln. © imago images/Nordphoto © imago images/Nordphoto


Während der Coronavirus-Pandemie haben Sie einen eigenen Podcast gestartet.

„(F)INA – Fußball ist nicht alles“. Dort haben Sie mit Fußballern über viele private Dinge gesprochen und Einblicke gegeben, die man sonst nicht so leicht bekommt.

Es war klar, dass ich irgendwann nicht mehr so viel Zeit habe für den Podcast, wie am Anfang. Da ich bei Sandhausen nicht mehr mittrainieren durfte, hatte ich damals sehr viel Zeit dafür. Das ist etwas, was ich weiterführen möchte, sobald ich die Zeit dafür habe.

Zuletzt gab es eine Folge über Fortunas Betreuer Wolfgang Weiss.

Ohne ihn würde vieles nicht funktionieren, weshalb ich einen Spendenaufruf gestartet habe mit der Podcast-Folge, um ihm und seinem Sohn einen Urlaub zu ermöglichen. Da sind bereits mehr als 800 Euro zusammengekommen.

Der lebt Fortuna und Fußball absolut. Der macht alles für den Verein, der tut alles für das Team. Der wäscht von Spielern die Wäsche mit, die aktuell keine Waschmaschine haben. Wolfgang steht morgens um 5 Uhr auf, macht die Wäsche, bereitet alles vor. Der fährt dafür mit drei Bahnen zum Training, spielt selber Fußball in der Kreisliga. Er hat es einfach verdient gehabt, da was erzählen zu dürfen. Fehlt uns irgendwas im Team oder im Verein, kümmert er sich drum. Als wir vor kurzem in der Kabine Fußball-Tennis gespielt haben, hat er direkt ein Netz für uns organisiert.

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Ist das jemand, der den Verein SC Fortuna Köln gut wiedergibt?

Der arbeitet so viel, hat so viel Spaß und Leidenschaft. Der spiegelt den Verein wider. Er tut alles dafür, dass es hinter den Kulissen gut läuft.

In Köln scheint Sören Dieckmann den Spaß am Fußball wiedergefunden zu haben. Was ist der langfristige Plan von Ihnen?

Der Plan ist hoch Fußball zu spielen. Im besten Fall so hoch wie nur möglich. Das war auch einer der Gründe, warum ich mich für Fortuna entschieden habe. Das zeigt auch die Ambitionen des Vereins, es soll wieder nach oben gehen. Und wenn es nicht klappt, auch auf eigenem Wege. Mit dem Fußball habe ich noch nicht abgeschlossen.

Gab es da Gedanken darüber?

Es ist nicht so, dass ich mit Fußball aufhören wollte, aber wenn man nicht mit der Mannschaft trainieren darf, man verletzt ist und es nicht läuft, macht man sich dann auch mal Gedanken, wenn man auf der Couch liegt. Da liegt man einfach zu Hause und hat kein Bock mehr auf Training, wenn man keine Anerkennung findet. Diese Gedanken habe ich aber schnell zur Seite geschoben. Ich habe das Ziel, Profifußball zu spielen. Dafür bin ich jeden Tag zwei Stunden vor dem Training da und bleibe nach dem Training noch mal zwei Stunden, um an mir zu arbeiten. Ich möchte es schon noch mal gerne in der 2. Bundesliga versuchen. Es ist gut, Leute um sich zu haben, die ähnlich motiviert sind, einen unterstützen und auch daran arbeiten.

Wie ist Ihre aktuelle Verbindung nach Dortmund?

Ich wohne in Köln, genieße das total hier. Wir haben eine coole Mannschaft, machen privat auch echt viel, gehen auch mal raus, um zusammen einen Kaffee zu trinken. Ich bin aber auch gerne in Dortmund, bei meiner Familie und bei meinen Freunden. Dass ich Dortmunds Mannschaft weiterverfolge, ist auch klar, auch weil man da selber spielen durfte. Genau so den BVB II, weil es da gut läuft und die auf Tuchfühlung zur 2. Liga sind, auch wenn sie nicht aufsteigen dürfen. Ich habe auch viele Freunde, die in der 3. Liga spielen. Sei es ein Felix Götze in Kaiserslautern oder ein Jasper Verlaat in Mannheim. Da geht der Blick überall hin.

Über den Autor
Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
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David Nicolas Döring