Marco Stiepermann (l.), hier mit dem Ex-Borussen Mario Vrancic, hat sich mit dem Premier-League-Aufstieg aus Norwich verabschiedet. © imago images/Shutterstock
Fußball

Ex-BVB-Spieler Marco Stiepermann verlässt Norwich: „Will nochmal im Signal-Iduna-Park spielen“

Marco Stiepermann hat den englischen Premier-League-Aufsteiger Norwich City nach vier Jahren verlassen. Was folgt nun? Wir haben den Dortmunder Jungen im großen Interview dazu befragt.

Seine Wurzeln hat er im Dortmunder Fußball. Er war jahrelang bei Borussia Dortmund beschäftigt. Zuletzt kickte er für vier Jahre in England bei Norwich City: Gemeint ist natürlich Marco Stiepermann. Der 30-Jährige hat Norwich nun allerdings verlassen, obwohl dem Klub in dieser Saison zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit der Aufstieg in die Premier League geglückt ist. Wie geht es für Stiepermann, der infolge einer Corona-Erkrankung angeschlagen war, nun weiter? Wechselt er zurück nach Deutschland – und ist in Zukunft sogar der Dortmunder Amateurfußball für ihn reizvoll?

Ich hatte hier eigentlich noch ein Jahr lang Vertrag. Doch der Verein und ich haben uns darauf geeinigt, dass es wieder nachhause gehen wird. Der Verein hat mir klargemacht, dass es sportlich schwieriger für mich wird. Zuletzt hatte ich wegen Long-Covid Probleme, hatte die Erkrankung nicht zu 100 Prozent auskuriert und hatte mit Schwindel zu kämpfen. Ich habe aber das Gefühl, dass es so langsam besser wird.

Herr Stiepermann, vier intensive Jahre auf der Insel haben in den vergangenen Tagen ein Ende für Sie gefunden. Sie verlassen Norwich City – wie kam es dazu?

Sie verlassen England als Premier-League-Aufsteiger. Ein passender Abschied für Sie oder hätten Sie gern noch ein Jahr gegen Liverpool, City und Co. gekickt?

Ich bin in den vier Jahren zwei Mal aufgestiegen. Das hätte ich mir niemals erträumen lassen, als ich mich für England entschieden habe. Natürlich hätte ich das letzte Jahr auch noch gerne mitgekriegt, aber wenn es gesundheitlich nicht passt, muss man es so hinnehmen. Aber natürlich: Welcher Fußballer steht nicht gerne an der Anfield Road? Ich bin froh, dass ich das eine Jahr in der Premier League mitgemacht habe.

Sie sprechen es an: Sie haben in Ihrer Zeit bei Norwich zwei Aufstiege und einen Abstieg mitgenommen, viele Höhen und Tiefen erlebt. In einem Satz: Wie würden Sie Ihre Zeit beschreiben?

Ich habe hier auf jeden Fall eine zweite Familie gefunden. Die Leute sind sehr herzlich hier in England. Ich hätte nicht gedacht, dass das so gelingt. Wir Deutschen bei Norwich haben ja sogar ein Lied bekommen: „All the germans“. Wir wurden hier sehr beliebt.

Was war Ihr Höhepunkt?

Ganz klar der erste Aufstieg, einfach, weil er so unerwartet kam. Keiner hat mit uns gerechnet. Außerdem waren das erste Spiel an der Anfield Road und der Sieg zuhause gegen Manchester City Momente, die man nie vergessen wird.

Was nehmen Sie aus der Norwich-Zeit mit?

Auf jeden Fall vier richtig geile Fußballjahre. Ich habe eine Erfahrung gemacht, auf die ich so richtig stolz bin. Der Schritt nach England war richtig. Auch als Mensch bin ich in der Zeit so krass gewachsen. Ich war ja nur mit meiner Frau und unseren zwei Kindern hier. Da wächst man richtig zusammen und wird richtig erwachsen.

Sie haben es gerade schon angesprochen: In Ihre Zeit fiel die Corona-Pandemie mit zig Geisterspielen und aktuell wieder einem Corona-Hotspot in England. Wie haben Sie die Zeit verlebt?

Das war total beängstigend und sehr gruselig. Man kam nicht zurück nach Deutschland und wusste auch einfach nicht, wie es weitergeht. Als es dann wieder mit dem Fußball losging, war es nicht der Fußball, den man möchte. Dass mein Abschied ohne Zuschauer stattfand, hat am meisten geschmerzt. Außerdem war die Anspannung vor Geisterspielen definitiv viel geringer. Sonst war ich immer aufgeregt. So hatte das eher Testspielcharakter.

Derzeit sind Sie auf Vereinssuche. Wollen Sie eigentlich in England bleiben, geht’s zurück nach Deutschland oder wohin wird es Sie verschlagen?

Nach vier Jahren in England haben wir uns als Familie dazu entschlossen, zurück nach Dortmund zu kommen. Hier haben wir unseren Hauptsitz. Ich werde schauen, wo es hingehen wird. Erst einmal möchte ich wieder zu 100 Prozent fit sein. Vorher werde ich nichts machen. Ich will zeigen, wie gut ich mit 100 Prozent bin. Ich bin ja nun ablösefrei und kann zu jeder Zeit bei einem Klub unterschreiben.

Ist die Bundesliga noch einmal Ihr Ziel?

Klar will ich noch mal in der Bundesliga spielen. Wenn es am Ende aber die 2. oder 3. Liga wird, dann ist das so. Die Gesundheit steht über allem und ich will wieder Spaß am Fußball haben – egal in welcher Liga. Klar ist aber für mich, dass ich im Profifußball bleiben möchte. Mein Ziel ist es, noch einmal im Signal Iduna Park zu spielen.

Ihr Bruder Marcel Stiepermann ist Co-Trainer beim Bezirksligisten FC Nordkirchen, Kevin Großkreutz und Baris Özbek haben sich kürzlich dem TuS Bövinghausen – ein Westfalenligist – angeschlossen. Blicken wir einmal ein wenig in die Zukunft: Spielt Marco Stiepermann auch irgendwann im (Dortmunder) Amateurfußball?

Ja, das reizt schon nochmal. Wenn die Knochen noch mitmachen, wäre das auf jeden Fall ein Thema. Als Dortmunder Junge wie Kevin hat man nochmal Bock darauf, weil man auch viele Leute kennt, gegen die man dann spielt.