Im Testspiel des VfL Bochum gegen den FC Utrecht setzte Osterhage Akzente im Mittelfeld. © Stephan Schütze
VfL Bochum

Ex-BVB-Spieler Patrick Osterhage macht den Schritt von der Regionalliga in die Bundesliga

Vier Jahre lang war Patrick Osterhage für die U19 und die U23 des BVB aktiv – mit Erfolg. In der letzten Saison gelang der große Wurf: Aufstieg in die dritte Liga. Für Osterhage ging es sogar noch zwei Etagen höher.

Patrick Osterhages Taten bei den Schwarz-Gelben blieben nicht unbemerkt. Mit der U23 des BVB stieg er in die 3. Liga auf. Nun klopfte mit dem VfL Bochum ein Nachbar an, der ihm den Einstieg ins Profigeschäft verhieß. Und Osterhage entschied sich für die Blau-Weißen zu einem Zeitpunkt, als der Aufstieg in die erste Liga noch gar keine Thema war. Jetzt ist das anders. Die erste Liga ist für den VfL Bochum nicht nur Thema, sondern Realität. Und für den 21-jährigen Osterhage ist der Sprung gerade noch etwas größer geworden. Wie groß, das verrät er im Interview direkt nach dem Vormittagstraining.

Hallo Herr Osterhage, können Sie schon wieder sprechen oder sind Sie noch außer Atem, weil es bei den Profis doch etwas schärfer zur Sache geht?

Nein, das geht schon. Aber das Niveau ist schon anders. Es ist einfach schneller, und es geht auch etwas mehr zur Sache in den Zweikämpfen – schon im Training. Aber ich habe mich schnell dran gewöhnt. Das passt schon.

Sie sind ja erst kurze Zeit beim VfL Bochum – schon etwas eingelebt im neuen Umfeld?

Auf jeden Fall. Das war wirklich super. Als ich hier angekommen bin, haben mich alle schon an den ersten Tagen sehr herzlich aufgenommen. Hinzu kommt, dass ich aus der Nachbarstadt komme. Dadurch ist vieles in meinem Umfeld auch gleichgeblieben. Das hat den Wechsel zusätzlich erleichtert.

Im Team der Neuen beim VfL Bochum: Patrick Osterhage (vordere Reihe, links)
Im Team der Neuen beim VfL Bochum: Patrick Osterhage (vordere Reihe, links) © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Das heißt, die Mannschaft musste sich für eine große Vorstellungsrunde nicht erst Namensschildchen ankleben?

Nein, überhaupt nicht. Es ist ja auch nicht so, dass man sich untereinander nicht schon etwas kennt. Der Fußball verbindet uns alle extrem stark. Da gibt es keinen, mit dem man nicht ganz leicht ins Gespräch kommt. Zudem habe ich mich natürlich zu Beginn jedem aus dem neuen Team einmal richtig vorgestellt.

Ihre Verbindung zum VfL war schon da, als von Aufstieg noch gar nicht die Rede war. Und auf einmal wechselt man nicht in Liga 2 sondern 1. Wie haben Sie das aufgenommen?

Der Wechsel zum VfL Bochum war eine grundsätzliche Entscheidung von mir – unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Aber dass der VfL jetzt noch aufgestiegen ist, empfinde ich als absolut positiv. Das ist keine Aufgabe, vor der ich mich scheue. Das Gegenteil ist der Fall. Ich spüre hier in Bochum die Euphorie, die die Rückkehr in die Bundesliga nach so langer Zeit ausgelöst hat.

Aber der Sprung von Liga 4 in Liga 1 ist schon gewaltig…

Die Mannschaft, für die ich mich entschieden habe, bleibt ja grundsätzlich die gleiche. Nur die Gegner werden stärker. Und letztlich ist es mein Wunsch, mich mit den Besten zu messen.

Nach der U19 und der U23 sind Sie jetzt in einer Mannschaft angekommen, in der Sie mit vielen älteren und sehr etablierten Spielern wie Anthony Losilla, Robert Tesche oder Manuel Riemann zusammenarbeiten – wie profitieren Sie davon. Wie profitieren die von Ihnen?

Das stimmt, das ist eine neue Situation für mich. Aber es ist auch eine Chance, weil man sich von so erfahrenen Spielern sowohl auf als auch neben dem Platz schon viel abgucken kann. Das sind gestandene Profis, die einen auch mal beiseite nehmen und das eine oder andere erklären. Und andererseits bringe ich als junger Spieler vielleicht eine gewisse Frische mit, die auch gut ins Team passt. Ich glaube, die Generationen pushen sich da gegenseitig ganz ordentlich.

Osterhage fühlt sich besonders im zentralen Mittelfeld wohl.
Osterhage fühlt sich besonders im zentralen Mittelfeld wohl. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Eine Hüft-Verletzung hat Sie ja 2019 für lange Zeit schwer zurückgeworfen. Der VfL hat Sie trotzdem immer auf dem Schirm gehabt.

Das ist nicht selbstverständlich, dass der Klub so gehandelt hat. Ich bin dankbar dafür, dass man in Bochum einen so langen Atem gehabt hat. Noch ein Grund mehr, mich für diesen Verein zu entscheiden.

Sie sind im Mittelfeld zuhause – als Sechser oder Achter. Da ist Ihre neue Mannschaft mit Losilla, Tesche, Löwen und Rexhbekaj schon recht üppig besetzt – wo sehen Sie da Ihren Platz?

Am Ende ist es der Trainer, der entscheiden muss, wo mein Platz ist. Was ich tun kann, ist, im Training Vollgas zu geben und mich, so gut es geht, anzubieten. Das tue ich, und wir werden sehen, wo es in Zukunft hinführt.

Wobei man ja sagen muss, dass ihre beiden Auftritte in den Testspielen gegen Arnheim und Utrecht durchaus Eindruck hinterlassen haben. Sind da Ihre Stärken schon so richtig zum Einsatz gekommen?

Das war für mich ganz klar der Ansatz. Ich wollte diese Zeit in den beiden Spielen unbedingt nutzen, um mich weiter anzubieten. Obwohl ich hinterher mit mir selbst gar nicht so zufrieden war. Das ist aber vielleicht auch mein Naturell, dass ich insbesondere direkt nach dem Spiel meine Leistung immer eher kritisch sehe. Allerdings habe ich hinterher schon gedacht, dass beide Spiele mit Blick auf meine lange Verletzungsgeschichte doch ok waren.

Ihr neuer Trainer Thomas Reis ist ja mit seiner relativ frischen Erfahrung als langjähriger Jugendtrainer beim VfL Wolfsburg noch nah an sehr jungen Spielern dran. Macht es das für Sie als junger Spieler leichter?

Was ich gespürt habe in den ersten Wochen ist, dass er sich sehr gut in junge Spieler hineinversetzen kann. Man merkt, dass er lange mit Spielern gearbeitet hat, die kurz vor dem Schritt zu den Profis waren oder ihn gerade gemacht haben. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich mich auf jeden Fall mit seiner Art und seiner Ansprache sehr wohl fühle.

Der Klassenerhalt steht in Bochum unzweifelhaft über allem. Aber was ist Ihr persönliches Ziel für Ihr erstes Jahr beim VfL?

Ich kann es zwar nicht hundertprozentig allein beeinflussen, aber ich würde gerne verletzungsfrei bleiben. Die lange Auszeit, die ich hatte, hat gereicht. Und dann ist natürlich das Ziel, mich über Leistung so gut wie möglich aufzudrängen und Spielminuten zu sammeln.

Großes hat ja auch Ihr altes Team, die U23 des BVB, vor. Das Abenteuer 3. Liga hat schon begonnen. Meinen Sie, Sie schaffen es nochmal als Zuschauer in die Rote Erde?

Davon geh ich schwer aus. Die Termine der U23-Spiele und der VfL-Spiele lassen das zwar nicht oft zu, doch wenn es irgendwie möglich ist, komme ich gerne vorbei.

Sicher in Dortmund sind Sie aber am Wochenende um den 30. April 2022, wenn der VfL nebenan gegen den BVB spielt. Und Sie laufen im Signal Iduna Park auf?

Mal sehen, ob es so kommt. Aber das wäre auf jeden Fall etwas Besonderes, gegen den ehemaligen Verein zu spielen.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang