Fähnchen im Wind: Marco Reus ist jetzt wieder Hoffnungsträger beim BVB

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Vor seiner Verletzungspause war Marco Reus erst Sorgenkind und dann „Titel-Blockierer“. Nun ist er wieder Hoffnungsträger. Über den besonderen Umgang mit einem besonderen BVB-Spieler.

Dortmund

, 01.09.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marco Reus gratulierte seinem Nachfolger und ehemaligen Mitspieler, wie es sich für einen guten Sportsmann gehört. „Robert Lewandowski ist ein würdiger Sieger der Wahl Fußballer des Jahres“, teilte Reus dem „Kicker“ mit. „Lewi war vergangene Saison ohne Zweifel der prägende Angreifer auf dem Kontinent. Bei ihm stimmt das Gesamtpaket aus Torgefährlichkeit, Tempo, Technik, Spielintelligenz und Gier.“ Da sprach der Fußballer der Jahre 2019 und 2012 über den Fußballer des Jahres 2020, es waren nette Worte des BVB-Kapitäns über den Torgaranten des FC Bayern München. Wer wisse, sagte Reus weiter, wie hart Lewandowski schon „sein ganz Leben lang“ dafür arbeite, „der beste Spieler zu werden, der er sein kann“, der müsse vor den Leistungen des Polen „den Hut ziehen“ und ihm „diesen Erfolg einfach gönnen“.

Die Leidenszeit von BVB-Kapitän Marco Reus hat ein Ende

Auch Reus hat im vergangenen halben Jahr wie immer hart gearbeitet, allerdings hat die Öffentlichkeit davon kaum etwas mitbekommen. Seit sieben Monaten hat der Nationalspieler kein Fußballspiel mehr bestritten, seit dem 4. Februar dieses Jahres, als Borussia Dortmund im DFB-Pokal-Achtelfinale wie schon im Vorjahr an Werder Bremen scheiterte, war der 31-jährige Offensivspieler zum Zuschauen verdammt. Ursprünglich war seine Ausfallzeit auf vier Wochen prognostiziert worden, aber eine entzündete Sehne im Adduktorenbereich ließ die Verletzungspause länger und länger werden. Ein erster Comeback-Versuch im Juni kam zu früh, der zweite folgte erst Mitte August. Nun hat die Leidenszeit, es war beileibe nicht die erste in Reus‘ Karriere, augenscheinlich erst einmal ein Ende - oder mal wieder, vielleicht trifft es das besser.

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Am kommenden Montag wird der Nationalspieler, wenn die Kollegen aus der deutschen Nationalmannschaft ihre beiden Partien in der Nations League gegen Spanien und die Schweiz gerade hinter sich gebracht haben, nach dann 216 Tagen wieder in einem Fußballspiel auf dem Platz stehen. Im BVB-Test gegen Sparta Rotterdam soll er Spielpraxis sammeln, und wenn alles gut geht, ist Reus vielleicht sogar schon im Pokalspiel gegen den MSV Duisburg am 14. September wieder eine Kader-Option für Trainer Lucien Favre.

Marco Reus: Vom „Titel-Blockierer“ zum BVB-Hoffnungsträger

Er sei froh, hat Reus am vergangenen Freitag bei der BVB-Saisoneröffnung gesagt, wieder auf dem Rasen dabei zu sein. „Ich fühle mich gut.“ Er wolle nun wieder auf ein Niveau kommen, mit dem er arbeiten könne. Es sei jetzt wichtig, erklärte Reus, viele Trainingseinheiten zu bekommen. „Ich muss weiter Kraft aufbauen, Gas geben und werde nach und nach an das Team herangeführt.“ Der genaue Termin für sein Pflichtspiel-Comeback spiele dabei nach siebenmonatiger Zwangspause „nicht so eine große Rolle“.

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Doch auch Reus wird registriert haben, wie schnell in den vergangenen Tagen und nach drei schwachen BVB-Testspielen gegen Feyenoord Rotterdam (1:3), den SC Paderborn (1:1) und den VfL Bochum (1:3) aus dem Sorgenkind Reus, das der Boulevard in der vergangenen Saison noch zu den „Titel-Blockierern“ bei Borussia Dortmund zählte, der neue und alte BVB-Hoffnungsträger Reus geworden ist - auch oder erst recht im Boulevard. Favre jedenfalls, so schrieb es die „Bild-Zeitung“ am Montag, setze nun auf den „Reus-Effekt“.

Drittbester BVB-Scorer der vergangenen Bundesliga-Spielzeit

So schnell kann es gehen im Schwarz-Weiß-Geschäft Profifußball, auch ohne eine einzige Spielminute seit dem 4. Februar. Mal sei man der Hund, mal der Baum, so hat es „WM-Held“ Mario Götze im Jahr 2016 mal formuliert - und Reus wird sicherlich wissen, wie Götze diesen Spruch gemeint hat.

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Reus sprüht vor BVB-Spielfreude - Reinier steigt voll ein

Denn in der vergangenen Saison, als Reus‘ Leistungen gewiss nicht immer berauschend, aber freilich auch nicht immer katastrophal schlecht waren, war der gebürtige Dortmunder häufiger mal der Baum, um im Bild zu bleiben. Nach einer überragenden und gefeierten Spielzeit 2018/2019, als Reus in 36 Pflichtspielen 34 Torbeteiligungen (21 Tore, 13 Torvorlagen) sammelte, reichten in der vergangenen Saison 19 Torbeteiligungen (zwölf Tore, sieben Torvorlagen) nicht aus, um den Eindruck einer eher schwachen Spielzeit des BVB-Spielführers und eine Diskussion über seine Kapitänstauglichkeit wegzuwischen. Dann kamen die Verletzung und das vorzeitige Saisonaus, der bestenfalls durchwachsene Eindruck blieb - und am Ende wurde Reus dann eben als „Titel-Blockierer“ bewertet, obwohl er trotz seiner langen Ausfallzeit nach 34 Spieltagen noch immer der drittbeste BVB-Scorer der vergangenen Bundesliga-Spielzeit war.

Marco Reus: „Wenn mich das nicht antreibt, was dann?“

In der neuen Saison will Reus bei und mit Borussia Dortmund wieder angreifen. „Mein großes Ziel ist es immer noch, mit dem BVB Deutscher Meister zu werden“, sagt der gebürtige Dortmunder, „wenn mich das nicht antreibt, was dann?“ Dabei wird die Konkurrenz, das gehört zur Wahrheit dazu, nicht schwächer, intern wie extern. In Giovanni Reyna scharrt beim BVB der designierte Reus-Nachfolger unüberhörbar mit den Hufen, Reus scheint nicht mehr so unersetzlich wie früher zu sein. Und in der Bundesliga kommt der FC Bayern München nach dem Gewinn des Triples aus Meisterschaft, Pokal und Champions League noch übermächtiger daher als in den vergangenen Jahren ohnehin schon.

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Reus und der BVB werden von Anfang bis Ende eine außergewöhnlich erfolgreiche Spielzeit anbieten müssen, um unter dem Strich nicht wieder nur zu den Gratulanten für Robert Lewandowski und Co. zu gehören. Der Spieler selbst hofft auf „eine perfekte Saison“. Alles andere wird vermutlich nicht reichen, weder für Borussia Dortmund noch für Reus. Zumindest für den Kapitän des BVB dürfte sich das eigentlich allerdings schon fast nach Gewohnheit anfühlen.

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