Favre findet es „fantastisch“: Dem BVB-Trainer gelingt die Erneuerung von innen heraus

rnBorussia Dortmund

Der Einzug in die K.o.-Runde der Champions League beschert BVB-Trainer Lucien Favre Pluspunkte. Dafür hat der Schweizer in den vergangenen Wochen viel geleistet und sich selbst adaptiert.

Dortmund

, 12.12.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mann in Schwarz und Gelb nahm an der Mittellinie Fahrt auf, riss die Arme hoch und drängte unaufhaltsam in den Strafraum. Dort klammerte er sich an den ersten Spieler, den er einfangen konnte. Dann umhalste er den nächsten, immer weiter. Wer? Kein Flitzer, kein Stürmer: Lucien Favre! Ausgelassen wie nie zuvor in seiner Zeit bei Borussia Dortmund feierte der Trainer am Dienstagabend den Achtelfinaleinzug seiner Mannschaft.

Favre gibt keinen Einblick in sein Gemütsleben

Auf der Südtribüne stimmten die ersten Fans „Lulu, Lulu“-Sprechchöre an in Anlehnung an den Kosenamen des Coaches. Jenen Trainer, den vor 14 Tagen nur noch wenig im Amt hielt, dessen Gesicht als Sinnbild des schwankenden, zaudernden BVB herhalten musste, den haben sie wieder lieb in Dortmund.

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„Für uns alle“, betonte er nachdrücklich, „ist das fantastisch.“ Auch in diesem Moment, der Anlass zur Genugtuung geboten hätte, vermied Favre Außenstehenden einen Blick in sein Gemütsleben, er verzichtete wie gewohnt auf ein Eigenlob. Stattdessen rühmte er den unterlegenen Gegner Slavia Prag über alle Maßen. So sportsmännisch wie dieser Schweizer Übungsleiter der Borussia denken und handeln wenige im Fußballbusiness.

Lucien Favre hat sich beim BVB selber adaptiert

Ein wenig Eigenwerbung hätte dem Trainer an diesem Abend niemand krummgenommen. Borussia Dortmund steht in der K.o.-Runde der Champions League, darf auch im DFB-Pokal weiter vorspielen und in der Bundesliga steht der BVB auf Rang drei - da sah die Lage Ende November trister aus. Es gehört auch zur Wahrheit hinter dieser Entwicklung, dass sich Favre selber adaptiert hat, wie er es bezeichnen würde.

Favre findet es „fantastisch“: Dem BVB-Trainer gelingt die Erneuerung von innen heraus

Lucien Favre (M.) bejubelt den Einzug ins Achtelfinale der Champions League gemeinsam mit seinen Spielern vor der Südtribüne. © dpa

Seine ohnehin maximale Hingabe an seinen Job, sonst sehr nach innen gerichtet, lebt er mehr denn je auch nach außen aus. Das macht ihn greifbarer, für die Fans und womöglich auch für seine Spieler. Der Trainer sei „emotionaler und energischer geworden. Das überträgt sich auch auf uns“, berichtete Mats Hummels. Training, Ansprache, Dynamik - mit dem Rücken zur Wand hat Favre, ohne sich untreu zu werden, die Flucht nach vorne gesucht. „Damit hat er uns absolut auf den richtigen Weg gebracht“, meint Hummels.

BVB-Sportdirektor Zorc wünscht sich konstant guten Fußball

In einem vielköpfigen Kollektiv keimte die Erkenntnis zur Erneuerung. Nicht nur die drei Siege in den drei Partien seit der Systemumstellung, von deren Notwendigkeit sich Favre überzeugen ließ, bestätigen den Trend. Es ist vor allem auch die Art und Weise. Mehr Zug in den Aktionen, mehr Tempo und Frische, auch mehr Zielstrebigkeit. Und selbst wenn, wie am Dienstagabend gegen einen renitenten Gegner, nicht alles gelingt und sogar manches schiefläuft, dann kämpft diese Dortmunder Mannschaft wieder um ihre Punkte.

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Damit ist nicht gesagt, dass der Zettel mit den Aufgabenfeldern leergewischt ist. Mit besserer Chancenverwertung wäre der Dienstagabend sorgenfreier verlaufen, auch das Abwehrverhalten lieferte Ansatzpunkte für die nächsten Gegner. „Konstant guten Fußball“ wünscht sich Sportdirektor Michael Zorc.

Lucien Favre hat Pluspunkte gesammelt

Als erneutes Mitglied von Europas Top 16 - zum zehnten Mal insgesamt überstand der BVB die Vorrunde und zum zweiten Mal hintereinander - kann der Klub beim internationalen Sehen-und-Gesehen-werden weiter mitmischen. Auch Favre hat harte Fakten auf seiner Liste mit den Pluspunkten gesammelt, und er bekommt mehr Zeit, weitere Qualitätsnachweise zu führen.

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