Schalke gegen Borussia Dortmund: 90 Derby-Minuten für die Ewigkeit

Bundesliga

Ausgerechnet Borussia Dortmund könnte im Ruhrpott-Klassiker den Schalker Abstieg aus der Bundesliga einläuten. Dieses Revierderby verspricht eine besondere Brisanz.

Dortmund/Gelsenkirchen

, 20.02.2021, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es geht um drei Punkte? Nein, es geht um mehr. Sehr viel mehr. Schimpf und Schande oder Heldenstatus – 90 Fußballminuten für die Ewigkeit. Das 98. Bundesliga-Derby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund steht am Samstagabend (18.30 Uhr/live bei Sky) an, bedeutungsschwanger wie lange nicht: Sorgt ausgerechnet der BVB im Ruhrpott-Klassiker dafür, dass in Gelsenkirchen der Abstieg eingeläutet wird?

BVB-Trainer Terzic über das Derby: „Wir werden alles raushauen“

Dortmunds Trainer Edin Terzic, ein Schwarzgelber mit Fleisch und Blut, weiß um die Verantwortung: „Es gibt im Leben eines Borussen nichts Schöneres als einen Derby-Sieg und wir werden alles dafür geben, dieses Gefühl zu erleben. Wir versprechen unseren Fans, dass wir für sie alles raushauen werden!“ Zur Sicherheit haben einige BVB-Anhänger am Trainingsgelände mit einem Spruchband an die Ehre der Profis appelliert: „Zeigt wer und was ihr seid – der Sieg im Derby ist der höchste Preis.“ Soll keiner sagen, er hätte nicht gewusst, was auf dem Spiel steht.

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Für Terzic steht in der Veltins-Arena ebenso eine Premiere an wie für seinen Kollegen in Königsblau. In der Schweiz, in Ägypten und sogar in Saudi-Arabien hat Schalkes Trainer Christian Gross mit seinen Mannschaften jede Menge Derby-Schlachten geschlagen. Vor seinem ersten Revier-Derby als Trainer ist ihm daher nicht bange: „Denn die meisten von den Derbys haben meine Mannschaften gewonnen.“

Schalke ist der klare Außenseiter im Revierderby gegen den BVB

Was an Schalkes Außenseiter-Rolle nichts ändert. Auch unter Gross sind die Königsblauen noch nicht richtig von der Stelle gekommen. Das Derby ist sozusagen der nächste Griff nach dem letzten Strohhalm im Kampf um den Klassenerhalt.

Mitleid oder Nachsicht gibt es vom Nachbarn dafür nicht. „Wir haben keine Geschenke zu verteilen“, versichert BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor dem Gastspiel beim Tabellenletzten. Nach nur einem Sieg aus den jüngsten sechs Bundesligaspielen muss Schwarzgelb punkten. Dreifach. „Wir wollen uns wieder an die oberen Tabellenplätze heranrobben“, sagt Zorc, der die verbesserte Intensität seiner Mannschaft lobt. „Das sah in Sevilla richtig gut aus. In der ersten Halbzeit sind wir förmlich explodiert. Wir müssen im Derby 100 Prozent konzentriert sein und eine ähnliche Leistung auf dem Platz bringen.“ Dann könnten die Dortmunder endlich ihre ersehnte Trendwende einläuten und mal eine Siegesserie starten. Die Zuversicht ist seit Mittwochabend jedenfalls spürbar gestiegen.

Schalke-Trainer Gross vor dem Derby: „Verbiete keinem Spieler, ein Tor zu schießen“

Schalkes Christian Gross bezieht seinen Optimismus für Samstag vor allem aus der neu gewonnenen Defensiv-Stabilität und dem erkennbaren Trend, dass seine Mannschaft nun mehr Initiative im Spiel nach vorne zeigt. Mit dem Toreschießen hapert es dennoch, und diese Last will Gross nicht alleine auf dem jungen Matthew Hoppe abladen: „Ich habe noch nie einem Spieler verboten, ein Tor zu schießen.“

Soll heißen: Auch potenziell torgefährliche Mittelfeldspieler wie Amine Harit, Nabil Bentaleb, Suat Serdar oder Neuzugang William sind gefordert. Mark Uth und Matija Nastasic fehlen weiter genau wie Salif Sané, Klaas-Jan Huntelaar, Frederik Rönnow, Steven Skrzybski, Goncalo Paciencia und Kilian Ludewig (alle verletzt oder im Aufbautraining).

Revierderby gegen den BVB: Schalker Fans hängen Trikots auf

Ausdrücklich lobt Gross die Trikotaktion der Schalker Anhänger. Nach einer Idee des Waltroper Fan-Clubs „Blau-Weißes GEsocks“ werden 6500 blau-weiße T-Shirts in der Arena hängen. Dazu wurden 58 Banner verschiedener Fan-Clubs aufgehängt. „Dadurch sind die Fans am Samstag präsent“, sagt Gross. „Wir wissen, dass sie vor dem Fernseher mitfiebern. Die Mannschaft weiß, worum es geht.“

Mit zusätzlichen Motivationstricks will auch Terzic das Maximum an Bereitschaft aus seinen Spielern herauskitzeln. Im Aufgebot steht wieder Thomas Delaney, der in dieser Woche Vater geworden ist. Ob die Rekonvaleszenten Thorgan Hazard und Dan-Axel Zagadou im Kader stehen, entscheidet sich kurzfristig. Nach seinem Mini-Comeback in Sevilla könnte der erfahrene und kopfballstarke Thomas Meunier auf der rechten Seite verteidigen und mit anschieben.

BVB gegen Schalke: Ein Revierderby für eine kleine Fußball-Ewigkeit

Die Aufgabenverteilung in der Mannschaft beschreibt er so: „Nicht jeder kann ein Bastard sein auf dem Platz. Jadon Sancho oder Gio Reyna haben ganz andere Stärken, sie übernehmen andere Aufgaben. Aber mit Emre Can, Thomas Delaney, Mats Hummels, Manuel Akanji und mir steht ein Haufen guter Bastarde auf dem Platz. Wir müssen die Hunde sein, die den anderen vorne den Rücken freihalten. Dann sind wir gemeinsam stark.“

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Stimmt die Einstellung beim BVB, spricht fast alles für einen Dortmunder Sieg und indirekt ab Sommer für eine Bundesliga-Saison ohne das große Revierderby. Das gab es zuletzt vor 30 Jahren, 1990/91 spielte der FC Schalke 04 nur in Liga zwei. Auch deswegen können die nächsten 90 Derby-Minuten für eine kleine Fußball-Ewigkeit stehen.

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