Für den BVB und seine Gegenspieler: Jadon Sancho ist kaum zu halten

rnBorussia Dortmund

Jadon Sancho (20) hat sich in seiner zweiten kompletten Saison als Bundesliga-Profi auf hohem Niveau nochmal gesteigert. Die BVB-Bosse sehen in ihm ein „Phänomen“. Andere Klubchefs auch.

Dortmund

, 23.07.2020, 07:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dieses Mal musste er eigensinnig handeln. Es gab zwar die Chance, den Ball quer zu spielen zum mitgelaufenen Thorgan Hazard, doch es bot sich ja eben auch die Gelegenheit, selber abzuschließen. Als Borussia Dortmund am Pfingstwochenende beim SC Paderborn nach furioser zweiter Spielhälfte beim 6:1 einen Kantersieg herausschießt, spielte Jadon Sancho (20) einmal auf eigene Rechnung und traf auch in der Nachspielzeit. Sein drittes Tor des Tages bedeutet für ihn seinen ersten Dreierpack als Fußballprofi, ein innerer Triumph. Das hatte er schon während des Spiels auf dem Schirm. Eine weitere Bestmarke für den nach Meinung der Bundesliga-Kollegen zweitbesten Kicker der Saison. Rund 14 Prozent sahen keinen besseren Spieler als ihn – einzig Robert Lewandowski (42 Prozent) liegt vor ihm und bleibt unangefochten.

BVB-Profi Jadon Sancho verblüfft nicht nur Gegenspieler und Zuschauer

Man muss also schon ins allerhöchste Regal greifen, um das Limit bei Jadon Sancho auszuloten. Der junge Engländer verblüffte nicht nur Gegenspieler und Zuschauer mit Kabinettstückchen auf dem Rasen, er imponierte auch mit einem Kunststück, das nur ganz wenigen Senkrechtstarter gelingt: Im zweiten Jahr nach seinem großen Durchbruch verbesserte er seine Statistiken noch einmal. Nach 34 Torbeteiligungen in den 43 Pflichtspielen 2018/19 legte bei genauso vielen Einsätzen in der abgelaufenen Spielzeit noch vier Scorerpunkte drauf, 38 waren es am Ende. Sancho war oft eine Klasse für sich. Trotz des Drucks, der inzwischen auch auf ihm lastet. Trotz der Gegenspieler, die sich auf ihn einstellen konnten. Trotz der zeitweise wechselhaften Leistungen seiner Mannschaft. Sancho will Grenzen verschieben. Und sich immer weiter verbessern.

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Auf seinen offensiven Freigeist angesprochen, geriet auch der Fußball-Romantiker Lucien Favre ins Schwärmen. „Jadon Sancho ist fantastisch“, sagte der BVB-Trainer, um in seiner ureigenen Art hinzuzufügen, auch der junge Engländer könne und müsse „noch viel, viel lernen“. Wenn man vom Kopfballspiel oder seinem linken Fuß absieht, kann das allerdings nicht so viel sein, was sich am Gesamtpaket Sancho noch optimieren ließe.

BVB-Profi Jadon Sancho ist ein „Phänomen“

Mit 17 Saisontoren in der Bundesliga liegt die Nummer 7 beim BVB auf Platz 1 und ligaweit auf Rang drei. Genauso verhält es sich bei den Scorerpunkten. Elf vorletzte Pässe, als die Einleitung von Toren, sind in der Bundesliga unübertroffen. Sportdirektor Michael Zorc bezeichnete Sancho wahlweise als „Phänomen“ oder dessen Quoten als „Wahnsinn“. Für seine 17 Tore benötigte der übrigens nur 53 Torschüsse, Lewandowski (140 für 34 Tore) und Timo Werner (123 für 28 Tore) arbeiteten weit weniger effizient. Dass Sancho manchmal auch den Rückwärtsgang einlegt und Bälle erobert - 45 Prozent gewonnener Duelle sind für einen Offensivspieler passabel – und neben Achraf Hakimi (36) zu den Spielern zählt, die pro Partie die meisten Sprints anziehen (34), vervollständigt zahlenbasiert die allgemeine Einschätzung eines Spielers, der sich auf dem Sprung zur Weltklasse befindet.

Für den BVB und seine Gegenspieler: Jadon Sancho ist kaum zu halten

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Rein fußballerisch schmälert es den Gesamteindruck unwesentlich, dass Sancho auch ein junger Bursche ist, der gerne die Grenzen des Erlaubten austestet und auch mal – unbedacht - überschreitet. Mehrfach sanktionierte der BVB ihn, mal weil er zu spät von einer Länderspielreise zurückkehrte, dann, weil er mannschaftsinterne Termine verpasste und schließlich, zum Ende der durch die Coronakrise bedingt kuriosen Saisonschlussphase, weil er bei einem Friseurtermin mit einem Star-Coiffeur wie andere Mitspieler die Gesundheits- und Hygienevorschriften missachtete. Sechs Spieler gehörten zu den Geschorenen, doch wegen seiner Vorgeschichten blieb dieser Fehltritt vor allem an Sancho hängen. Die folgende Bestrafung von 10.000 Euro öffentlich unglücklich als „einen Witz“ zu bezeichnen, verfestigte die Vorstellung von einem manchmal aufbrausenden Teenager.

BVB-Profi Jadon Sancho ist kaum aufzuhalten

Sanchos Markt- und Stellenwert bleibt davon unangetastet. Er gehört zu den heißesten und teuersten Aktien im internationalen Fußball. Seinen Wunsch, zeitnah wieder auf die Insel zurückzukehren und in der Premier League zu spielen, könnte bald Manchester United erfüllen, wenn der Klub die vom BVB geforderte Ablöse von 120 Millionen Euro aufbringt. Ab einem unmoralischen Angebot in dieser Höhe nämlich würde für die Borussen das gelten, was auch für die meisten Gegenspieler gilt: Jadon Sancho ist kaum aufzuhalten.

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