Gespräch mit Lucien Favre: Meinungsführer Emre Can tut dem BVB gut

rnBorussia Dortmund

Emre Can hat nicht lange gebraucht, um seinen Wert für den BVB anzudeuten - er geht als Meinungsführer voran. Ein Gespräch mit Lucien Favre könnte als Initialzündung dienen.

Dortmund

, 16.02.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lucien Favre legte die Stirn in Falten, seine Miene verriet echte Besorgnis. Nach dem klaren 4:0 über Eintracht Frankfurt ging der Blick zum kommenden Dienstag, zum seit langem erwarteten Abtausch mit Paris Saint-Germain im Achtelfinale der Champions League. Dass Borussia Dortmund dann auf Emre Can zurückgreifen könne, orakelte Favre, das sei keineswegs sicher.

Schon im Vorfeld der Partie gegen die Hessen habe sich die Winter-Neuerwerbung mit Problemen herumgeschlagen. Näher bezeichnen mochte Favre diese Probleme nicht, aber: „Er musste heute dann runter, es ging nicht mehr. Er hat nur am Freitag einmal trainieren können, ansonsten die ganze Woche nicht.“

Emre Can präsentiert sich beim BVB als kämpferisches Vorbild

Und dann auch noch die Szene in der 22. Minute. Im Mittelfeld gab es diesen Zweikampf mit Timothy Chandler, danach krümmte sich Can vor Schmerzen auf dem Rasen. Favre schwante Böses, doch der 26-Jährige biss auf die Zähne. Umgeknickt sei er, „ein bisschen nur, es ist wirklich nichts Schlimmes“, gab Emre Can dann später zu Protokoll. Von Zweifeln an seiner Einsatzfähigkeit am Dienstag keine Spur.

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Emre Can hat nicht lange gebraucht, um seinen möglichen Wert für den BVB anzudeuten. Auf dem Platz als kämpferisches Vorbild, aber auch als Meinungsführer. „Dreckiger“ müsse der BVB spielen, urteilte er nach dem 3:4 in Leverkusen knallhart, es war eine ehrliche, schonungslose Analyse der aufgetretenen Defizite. Da war er gerade einmal gut eine Woche bei seiner neuen Mannschaft.

BVB verteidigt mit mehr Herz, Entschlossenheit und Konsequenz

Erste Ergebnisse sah man nun schon in der Partie gegen Frankfurt. Dortmund spielte nicht unfair, das steckt nicht in dieser Mannschaft, aber der BVB verteidigte mit mehr Herz, Entschlossenheit und Konsequenz. „Wenn wir als Mannschaft so stabil verteidigen, können wir sehr erfolgreich sein“, meinte Can zufrieden. Der Trainer habe die Elf perfekt eingestellt. „Wir haben gar nicht so viel verändert. Er hat uns vor dem Spiel ganz genau gesagt, wie wir anlaufen und vorne pressen sollen.“

„Wenn wir als Mannschaft so stabil verteidigen, können wir sehr erfolgreich sein.“
Emre Can

Gleich zu Beginn setzte Can mit einer beherzten Grätsche eine erste Duftmarke. Keine bewusste Aktion sei das gewesen, meinte er später schmunzelnd. „Ich wollte einfach die Situation klären.“ Seinen Mitspielern tut die neue Präsenz im defensiven Mittelfeld gut. Can kann als Typ die Nebenleute mitreißen, auch dafür wurde er verpflichtet.

Wie die meisten seiner neuen Mitspieler schaltete Emre Can nach dem unerwartet leichten Sieg gegen die Eintracht schnell in den Vorbereitungsmodus. Dienstag wartet Paris, ein Highlight auch für Emre Can, zumal er in der Hinrunde auf das Erlebnis Champions League verzichten musste, weil sein damaliger Klub Juventus Turin ihn nicht für die Königsklasse meldete - ein Affront, der letztlich zum Zerwürfnis zwischen Juve und Emre Can führte und seinen Wechselwunsch wachsen ließ.

BVB will auch in der Champions League gegen Paris mutig auftreten

Thomas Tuchels Mannschaft sei „eine der besten der Welt“, in Ehrfurcht erstarrt Emre Can deshalb aber bestimmt nicht. „Wir müssen auch gegen sie nach vorne spielen und, falls möglich, weiter hoch pressen“, meinte er. Nur um des Erlebnisses willen solle niemand in diese Partie gehen. „Wir wollen versuchen, das Spiel zu gewinnen!“

Gespräch mit Lucien Favre: Meinungsführer Emre Can tut dem BVB gut

Auch gegen Paris wird Emre Can wohl im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Auch wegen seiner besseren EM-Chancen hatte er eigentlich seine Zukunft in der Innenverteidigung gesehen. Mit Favre habe es darüber ein Gespräch gegeben, verriet Emre Can noch. „Ich habe ihm gesagt, dass ich in der Viererkette, in der Fünferkette und auch im Mittelfeld spielen kann. Kein Problem. Ich fühle mich wohl und will mich für die Mannschaft einsetzen und ihr helfen.“ Auch wenn Emre Can nicht über die spielerische Finesse eines Juian Brandt verfügt: Seine Präsenz tut dem Dortmunder Mittelfeld momentan sehr gut.

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