„Giftzwerg“ Mateu Morey meldet seine Ansprüche beim BVB an

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Das erste BVB-Jahr von Mateu Morey begann verheißungsvoll, dann bremsten ihn Verletzungen. Jetzt soll es besser laufen - Dortmund hält große Stücke auf ihn. Die Konkurrenz aber bleibt groß.

Dortmund

, 22.08.2020, 09:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sollte Morey den liebevollen Kosenamen, den er kürzlich von Michael Zorc erhielt, mittels eines Übersetzungstools ins Spanische transkribiert haben, könnte es zu Irritationen gekommen sein. „Enano venenoso“ meint in Moreys Landessprache auch so etwas wie „Vergifteter Zwerg“, und vielleicht hat sich der 20-Jährige stirnrunzelnd gefragt, was Dortmunds Sportdirektor damit wohl gemeint haben könnte. Sportlersprache ist eben nicht nur blumig, ausländische Spieler werden da auch schon mal auf die falsche Fährte gelockt.

BVB-Sportdirektor Zorc mag den Spielertypen Morey

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Dabei hatte Zorc mit der Bezeichnung Moreys als „Giftzwerg“ natürlich nur Positives im Sinn. Gemeint war dessen unnachgiebige Art in Zweikämpfen, seine unablässige Bereitschaft, Gegner anzulaufen und unter Druck zu setzen. Dazu der Vorwärtsdrang, den er auf der Außenbahn zwar deutlich dosierter einsetzt als es ein Achraf Hakimi gemacht hat, der aber dennoch unverkennbar und auch ein Markenzeichen seines Spiels ist. Zorc mag solche Spielertypen. Und er hielt auch nicht damit hinterm Berg, wie schade er es fand, dass der Spanier in seiner ersten Saison von so viel Verletzungspech verfolgt war und lange keine echte Alternative darstellte.

Morey hat das abgehakt. Er habe, hat er erklärt, auch aus diesem Jahr viel mitnehmen können. Nach seiner Genesung war der 20-Jährige sich nicht zu schade, im Regionalliga-Team an Spielpraxis und Wettkampfhärte zu arbeiten. Und als er nach elf Einsätzen für die U23 schlussendlich im Frühjahr immer dichter ans Dortmunder Profi-Team heranrückte, sah er nach langer Durststrecke wieder Licht am Ende des Tunnels. Dass er sein dreiminütiges Bundesliga-Debüt beim 6:1 in Paderborn Ende Mai gleich mit einem sehr sehenswerten Assist für Marcel Schmelzer krönte, war eine gelungener Schlussstrich unter eine schwierige Zeit und verlieh ihm noch mehr Schwung.

Morey mit guten Chancen auf BVB-Einsatzminuten

Fünf Saisoneinsätze in der Bundesliga waren es am Ende. Nicht die Ausbeute, die sich der auf Spaniens Partyinsel Mallorca geborene Morey vorgestellt hatte, als er sich im vergangenen Sommer für gleich fünf Jahre an den BVB band. Aber doch ein Anfang, auf den sich aufbauen ließ.

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Jetzt geht Mateu Morey mit realistischen Chancen auf Einsatzminuten in den Wettbewerb, der sich für ihn allerdings mindestens so anspruchsvoll gestaltet wie im Vorjahr. Achraf Hakimi ist weg, dafür hat die Borussia in Thomas Meunier einen erfahrenen (und defensiv deutlich stärkeren) Ersatz geholt. Auch Lukasz Piszczek hängt noch ein Jahr dran, vierter potenzieller Rechtsverteidiger wäre Felix Passlack, dessen Verbleib im Kader momentan angesichts fehlender Angebote gar nicht mal so unwahrscheinlich ist. Reichlich Konkurrenz also, der sich der Spanier aber unerschrocken stellen will.

BVB-Trainer Favre muss die Belastungen bestmöglich dosieren

Seine Erfolgsaussichten sollten trotz der unvermindert großen Konkurrenz besser sein als im Vorjahr. Trainer Lucien Favre hat die enge Taktung der Spiele beklagt, er bräuche „zwei richtige Mannschaften“, hat der Schweizer gesagt. Wenn ab Ende September mit dem Spiel um den Supercup der Reigen der Englischen Wochen beginnt, bis Weihnachten nur unterbrochen durch dann noch zwei anstehenden Länderspiel-Perioden, wird Favre genau hinschauen müssen, wie (und mit wem) er die Belastungen bestmöglich dosieren kann.

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Die Muskelverletzung, die sich Neuzugang Thomas Meunier im Testspiel gegen Austria Wien zugezogen hat, kann getrost als Konsequenz aus seiner langen Wettkampfpause gewertet werden. Da sie nach Vereinsangaben zu keinem längeren Ausfall des Belgiers führen wird, verändert sich die Situation für Morey nicht grundsätzlich. Schon beim Kurzturnier am Samstag in Duisburg aber kann der Rechtsverteidiger zeigen, dass sich Favre in weiteren ähnlichen Fällen auf ihn verlassen kann. Der „Giftzwerg“ wird dann wieder das machen, wofür er von Sportdirektor Michael Zorc so geschätzt wird.

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