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Götze steht vor Wiedersehen mit dem FC Bayern

Alte, neue Heimat beim BVB

Nach den Turbulenzen um den Wechsel von Mario Götze im Jahr 2013 von Borussia Dortmund zum FC Bayern München verlief die Rückkehr des 24-Jährigen zum BVB im August dieses Jahres halbwegs geräuschlos. Am Samstag (18.30 Uhr) kommt es für Götze zum Wiedersehen mit dem FCB.

DORTMUND

, 17.11.2016, 20:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Erst BVB, dann München, jetzt wieder Dortmund: Mario Götze.

Erst BVB, dann München, jetzt wieder Dortmund: Mario Götze.

Franziskus in seiner weißen Soutane griff beherzt zu, und wie der Papst seine Hand schüttelte, da lächelte Mario Götze in einer Mischung aus Ehrfurcht und Erleichterung. Das Oberhaupt der Katholiken, gebürtiger Argentinier und leidenschaftlicher Fußballfan, nimmt Deutschlands WM-Siegtorschützen von 2014 seinen Treffer nicht persönlich übel. Vor der Audienz beim Papst hatte Götze schon spekuliert, ob Franziskus ihn schelten würde, im Scherz natürlich. Doch die leise Befürchtung blieb unbegründet.

"Ich bin fit, bin gut drauf"

Die Dinge regeln sich für Borussia Dortmunds Star, es scheint, als fügten sich für ihn persönlich so einige Puzzleteile wieder zusammen. Das letzte fehlende Stück zum Glück muss er nun noch selber ergänzen, mit einem wichtigen Tor in seinem neuen, alten Wohnzimmer, dem Dortmunder Stadion. Die beste Gelegenheit bietet sich am Samstag, im Topspiel der Bundesliga, gegen seinen Ex-Klub Bayern München.

„Ich glaube, es wird auch immer besser. Ich bin fit, bin gut drauf“, sagte der 24-jährige Götze in der kühlen Mixed Zone nach dem 1:0-Sieg im Champions-League-Spiel gegen Sporting. In der Rechten hielt er eine Packung, auf der „Döner“ draufstand, doch keine Sorge. Die Ernährung nach diesem kräftezehrenden Abend, der glücklich mit 1:0 für den BVB endete, war selbstverständlich abgestimmt auf die besonderen Bedürfnisse der schwarzgelben Edelkicker und beinhaltete wichtige Zutaten zur Regeneration. Wenn es obendrein schmeckt, und das tat es, wie das schelmische Grinsen von Götze auf die entsprechende Nachfrage dokumentierte, dann ist doch alles gut. Alles gut für Mario Götze? Fast.

Tor vor heimischer Kulisse

Seiner Rückkehr zu seinem Jugendklub, mit dem er einen atemraubenden Siegeszug durch Deutschland und Europa gefeiert hatte, ist bislang die größte Weihe verweigert geblieben. Ein Tor vor heimischer Kulisse, am besten vor der Südtribüne, das steht weiter oben auf dem Wunschzettel, auch wenn Götze selber daraus keine große Nummer machen will. „Wenn die eine oder andere Situation noch besser ausgespielt wird, und wenn ich noch mehr in diese gefährlichen Räume komme und die entscheidenden Punches setzen kann, dann ist das für mich persönlich noch besser“, sagt der kleine Techniker, bei dem die Bewegungen mit der Kugel am Fuß so geschmeidig aussehen, dass Ball und Bein fast eins zu werden scheinen.

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Wichtiger sei es, das sagt ja jeder Fußballer, dass es bei der Mannschaft laufe. Und allen, die sich um sein Seelenheil sorgen, gibt er mit, dass er „guter Dinge“ und auf einem „guten Weg“ sei. „Das war ich die ganze Zeit über.“ Noch vor wenigen Monaten konnte sich da niemand sicher sein. Nach der für ihn durchwachsen verlaufenen Fußball-Europameisterschaft geriet die Personalie Götze mehr denn je zum öffentlichen Thema, mit teils bizarren Zügen. Kaum ein Ex-Trainer, selbst ernannter Experte oder sonst wie Berufener, der sich nicht in die Diskussion einmischte, was denn nun das Richtige sei für „den Mario“.

Bauchgefühl siegt

Nach drei Spielzeiten ohne persönliche Höhepunkte weiter beim FC Bayern München bleiben und versuchen, sich durchzusetzen, auch wenn der neue Trainer Mario Ancelotti wenig Perspektiven verspricht? Ins Ausland wechseln, um nach dem kompletten Tapetenwechsel endlich durchzustarten in die Riege der internationalen Super-Kicker, in die er seinem Talent und in jungen Jahren gezeigten Leistungen zufolge hingehört? Oder doch zum BVB zurückkehren, den er im Rückblick vielleicht etwas voreilig im Sommer 2013 verlassen hatte?  

Götze hörte nicht auf die von Karriereplänen flüsternden Berater, er setzte nicht auf das große Geld, das ihm anderswo überwiesen worden wäre. Er hörte auch nicht auf diejenigen, die ihm einen Rückschritt prophezeiten, wenn er denn wieder in Dortmund ansiedele. Nein, das alles nicht. Mario Götze hörte auf sein Bauchgefühl, er sehnte sich dorthin, wo er sich schlichtweg wohlgefühlt hatte in den ersten Jahren seiner immer noch jungen Laufbahn.

Wohlfühloase oder Komfortzone

Ob man das nun Wohlfühloase oder Komfortzone nennt oder das Zuschreibungen sind, deren Auswirkung auf das Tun auf dem Rasen ein Stück weit übertrieben erscheinen - der verlorene Sohn ist zurück. Und weil der Verein die zurecht befürchtete Entrüstung über die Rückkehr des als Verräter geschmähten Eigengewächses geschickt moderierte, wurde Götze auch mit offenen Armen empfangen, abgesehen von einem kleinen Teil vermeintlicher Hardliner, die der mit Bierbechern beworfene Götze selber als „Haar in der Suppe“ abtat.

Selbstverständlich beäugten Fans wie Fachpublikum jeden Schritt, sie bewerteten jede Spielsequenz. Allmählich, mit etwas Anlauf, machte sich Götze frei von den Altlasten, die doch keiner leugnen konnte. Sein Coach Thomas Tuchel, ansonsten nicht gerade der Kuschelkönig in der Trainergilde, dosierte die Wiedereingliederung seines Spielmachers mit großer Vorsicht, immer unter dem Verweis, dass er „aus einer schweren Verletzung“ und „aus einer schwierigen Phase“ käme. Dass Götzes letzte ernsthafte Verletzung mehr als ein Jahr zurücklag und der Spieler selber stets behauptet, er sei „auch in München glücklich“ gewesen, er habe ja dort „auch gelächelt“ und sei keineswegs depressiv gewesen, steht dem wörtlich konträr entgegen.

Fünf deutsche Meistertitel

Was darf man nun erwarten von Mario Götze? Der verweist unbescheiden auf mehr als 60 Länderspiele, auf fünf deutsche Meistertitel, auf den WM-Sieg, tatsächlich gibt es wohl keinen Spieler, der in jungen Jahren bereits ähnlich erfolgreich war. Aber war es das schon, oder kommt da noch viel mehr? Persönlich, sagt Götze, gebe es „den alten Mario“ nicht mehr. Er sei gereift, er hat ja auch nicht wenig erlebt und erlitten als öffentliche Person sondergleichen. Mit Kurzhaarfrisur und ohne manchen übertriebenen Firlefanz als Werbemarionette tritt er seit dem Sommer in Dortmund auf.

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Bildergalerie

BVB-Training in Brackel am 16. November

Bilder des BVB-Trainings in Brackel am 16. November.
16.11.2016
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Bilder des BVB-Trainings in Brackel am 16. November.© Foto: Kirchner
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Sportlich, fußballerisch, da weckt dieses exquisite Ensemble der Dortmunder Borussia mit ihrem Lehrmeister Thomas Tuchel durchaus die Hoffnung, dass sich weitere Titel einstellen könnten in den kommenden Jahren. Wenn bei Götze erst der Knoten platzt, wird sich die Qualität dieses besonderen Ballkünstlers Bahn brechen, wenn auch anders als in seiner unbekümmerten ersten BVB-Zeit. Den Segen des Papstes hat er ja nun auch.

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