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Große Emotionen in M‘gladbach und Brackel: BVB-Fans beweisen feines Gespür

Turbulente Saison

Der FC Bayern ist Meister. Aber der BVB hat die Herzen seiner Fans zurückerobert. Am Ende dieser mitreißenden Saison beweisen die Anhänger ein feines Gespür für die Leistungen der Spieler.

Mönchengladbach

, 19.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Große Emotionen in M‘gladbach und Brackel: BVB-Fans beweisen feines Gespür

Die Fans feiern die BVB-Profis für eine herausragende Saison. © imago

Mehr als 150 Fans waren gekommen. Trotz der riesigen Enttäuschung, dass der Titeltraum gerade geplatzt war, waren sie am Samstagabend in den Dortmunder Stadtteil Brackel gefahren, um einfach Danke zu sagen. Danke für diese Saison mit so vielen grandiosen Erlebnissen mit ihrer Borussia, die den Bayern bis zum Schluss Paroli geboten hatte. Die eine jahrelang langweilige Liga wiederbelebt hatte. Am Trainingsgelände des BVB empfingen sie mit schwarzgelben Fahnen und Applaus die Mannschaft, die in ihrem Bus um 20.18 Uhr von der letzten Dienstfahrt der Saison aus Gladbach zurückkehrte. Borussias Boss Hans-Joachim Watzke reichte jedem einzelnen Fan am Straßenrand die Hand.

Viel Kredit zurückgewonnen

Es war nicht der erste Beweis an diesem Tag dafür, dass in dieser Saison wieder etwas gewachsen ist zwischen dem Klub und seinen Anhängern. Dass die Mannschaft dank ihrer frechen Spielweise und ihres Auftretens viel Kredit zurückgewonnen hat. Kredit, den sie in einer ebenso turbulenten wie sportlich beschämenden Saison 17/18 fahrlässig verspielt hatte.

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Die Fans empfangen das BVB-Team in Brackel

Die Fans sind wieder stolz auf ihre Borussia. Das bekundeten sie eindrucksvoll bereits im Gladbacher Stadion. Kurz nach dem Schlusspfiff empfingen sie das merklich geknickte Team in der Kurve und richteten es wuchtig wieder auf: 5000 Dortmunder standen, klatschten minutenlang und sangen ein BVB-Lied nach dem nächsten. Immer lauter. Eine bewegende Gänsehaut-Atmosphäre. „Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz“ begleitete die Profis auf dem Weg Richtung Kabine. In ihren Gesichtern war abzulesen, wie sehr sie dieser Empfang berührt hatte. Doch Halt, die Krönung fehlte: Die Kurve rief nach Marcel Schmelzer, dem Ex-Kapitän, der in dieser Saison sportlich so gut wie keine Rolle gespielt hatte. Aber die Fans hatten genau hingeschaut, hatten gesehen, wie sehr Schmelzer sich für die Mannschaft eingesetzt hatte. Wie er sie durch die Saison von der Seite aus angefeuert, hatte, wie er beim Spiel in Berlin wütend auf den Rasen gestürmt war, weil Herthas Vedad Ibisevic BVB-Keeper Roman Bürki den Ball an den Kopf geschossen hatte.

Meisterliche Momente - ganz ohne Schale

Wie Schmelzer getröstet hatte nach Niederlagen, wie vorbildlich er seine Ersatzrolle gelebt hatte. Jetzt erntete er. Er allein und die La Ola mit der gelben Kurve. Christian Pulisic, der zum Abschied ebenfalls ein kurzes Solo samt Sprechchören genießen durfte, umarmte Schmelzer. Der Rest der Mannschaft applaudierte. „Dortmunder Jungs“ skandierten die Fans. Meisterliche Momente. Ganz ohne Schale.

Große Emotionen in M‘gladbach und Brackel: BVB-Fans beweisen feines Gespür

Die BVB-Fans in Mönchengladbach feiern Marcel Schmelzer nach dem Schlusspfiff. © imago

Größe bewiesen im Liga-Finale nicht nur die Fans, sondern auch die Bosse des BVB. „Glückwunsch an den FC Bayern. Sie sind verdient Deutscher Meister geworden. Bayern hat eine Top-Rückrunde gespielt“, sagte Hans-Joachim Watzke. Der BVB-Geschäftsführer kündigte zudem an, am Montag den Bayern-Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge persönlich zu gratulieren.

„Wir haben die Meisterschaft nicht heute verloren“

„Wer am Ende die meisten Punkte hat, der hat es auch verdient“, betonte Borussias Sportdirektor Michael Zorc. Und Kapitän Marco Reus gestand: „In den entscheidenden Momenten hatte uns Bayern etwas voraus.“ Borussias Mittelfeld-Motor Axel Witsel (30) brachte es auf den Punkt. „Natürlich sind wir enttäuscht, aber wir haben die Meisterschaft nicht heute verloren.“ Sicher nicht. Es waren eher Aussetzer wie im Revierderby gegen Schalke oder beim 0:5 in München, die den Griff zur Meisterschale am Ende unmöglich machten. „Aber es hat nur wenig gefehlt“, bilanzierte Trainer Lucien Favre. Neue Saison, neue Chance. Mit mehr Erfahrung, mehr Cleverness und vor allem Tausenden treuen Fans im Rücken.

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