Haaland will BVB-Vertrauen zurückzahlen - und ist begeistert von Moukoko

rnBorussia Dortmund

Erling Haaland will mit dem BVB nach den Sternen greifen und Meister werden. Spekulationen um seine Zukunft lassen ihn kalt. Seinen potenziellen Nachfolger hat er unterdessen schon entdeckt.

Bad Ragaz

, 11.08.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ganz hoch riss er die Arme, in bester Radrennfahrer-Manier überquerte Erling Haaland auf dem schicken Mountainbike jubelnd die imaginäre Ziellinie kurz vor der Einfahrt zum Dortmunder Trainingsplatz „Ri-Au“ außerhalb von Bad Ragaz. Geschlagen fuhr Lukasz Piszczek hinter Haaland ein, und der 35-jährige Routinier dürfte sich, als er wieder zu Atem gekommen war, vielleicht gefragt haben, warum der junge Norweger partout aus allem einen Wettbewerb machen muss, den er dann auch unbedingt noch gewinnen will.

BVB-Torjäger Erling Haaland gibt Vollgas - in allen Lebenslagen

Haaland gibt Vollgas, in allen Lebenslagen. Das ist keine so große Neuigkeit hier in der Ostschweiz, wo sich der 20-jährige Stürmer mit dem BVB auf seine erste volle Saison mit der Borussia vorbereitet. 16 Pflichtspieltore für Dortmund in nur einer Halbserie mit 18 Partien, 44 Treffer insgesamt in der vergangenen Saison in 40 Spielen für den BVB und RB Salzburg - wie ein Wirbelsturm war der lange Blondschopf durch die österreichische Liga gepflügt, nicht minder gewaltig war der Eindruck, den er nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund hinterließ. Da ist einer, der will immer gewinnen, der liebt es, sich mit den Besten zu messen, der lechzt nach dem Adrenalin-Kick, der sich einstellt, wenn sich ihm vor dem gegnerischen Tor eine große Chance bietet.

Jetzt lesen

Sechs Monate wie ein Versprechen. Obwohl andere zu Beginn der Vorbereitung die Schlagzeilen übernommen haben und derzeit beim BVB im Vordergrund stehen, lasten doch einige Erwartungen auf dem mittlerweile auch bulligen Norweger. Einen zweiten Stoßstürmer hat Borussia Dortmund in diesem Sommer nicht verpflichtet, das ist ein großer Vertrauensbeweis. Haaland hat körperlich gearbeitet im Wald in der Pause, daran ließ er seine Follower in den sozialen Netzwerken regelmäßig teilhaben. Ohnehin, erzählte er nun in Bad Ragaz, habe er in seinem noch jungen Profileben schon gelernt, wie wichtig nicht nur Training, sondern eben auch Dinge wie Kräftigung, Regeneration, Schlaf und Ernährung sind. Haaland möchte ein kompletter Profi werden, dafür investiert er auch viel.

Auf Erling Haaland lasten beim BVB große Erwartungen

Er freue sich sehr auf seine erste komplette Saison in Dortmund, gibt Haaland zu Protokoll, als er lässig und mit dem gebührenden Abstand vor den Medien Rede und Antwort steht. Der Wechsel der Trikotnummer ist ein erstes Thema, ab sofort trägt er die „9“, wie es sich für einen echten Stürmer gehört. „Sieht doch gut aus“, meint er zu einem Journalisten, „oder finden Sie nicht?“

Video
BVB-Torjäger Haaland über Moukoko: "Das ist erstaunlich"

Widerspruch gibt es da nicht, auch wenn es schon spannend sein wird zu beobachten, wie sich Haaland dann über eine lange und kräftezehrende Saison schlägt. Dass er müde gewesen sein soll gegen Ende der vergangenen Spielzeit, darüber wolle er mal nachdenken, wieder geht er in den Dialog: „Das ist Ihre Meinung, aber wenn Sie das sagen, überprüfe ich das mal.“ Vor der Herausforderung, die mit der Vielzahl der Spiele auf ihn und die Borussia wartet, hat er aber auf jeden Fall Respekt. Ein enger Zeitplan, viele Spiele in kurzer Zeit, „ich bin immer noch ein junger Spieler, da muss ich schon auf mich aufpassen und auf meinen Körper achten.“

Die nächste Generation steht beim BVB schon in den Startlöchern

Klar ist, dass Haaland auch in der kommenden Saison mit seiner Energie und seinem Willen ein Spieler sein kann, der andere mitreißt, der Spiele drehen und selbst entscheiden kann. Wie er gleich am ersten Trainingstag in Bad Ragaz in einer Spielform den Torabschluss sucht und den Treffer bejubelt, das sagt viel darüber aus, wie der junge Norweger gestrickt ist. „Kein Kommentar“ gibt es von ihm zu fortwährenden Gerüchten über ein Interesse und eine Zukunft bei Real Madrid, schlau genug ist er also auch, um da nicht in ein Fettnäpfchen zu treten.

Jetzt lesen

Wie schnelllebig dieses Fußball-Geschäft geworden ist, dafür ist er selbst das beste Beispiel. Mit 15 spielte er in Norwegens dritter Liga, über Molde und Salzburg ging es nach Dortmund. Im Eiltempo übersprang Erling Haaland beinahe spielerisch die nächsten Hürden. Kaum hier angekommen, zählt er nun schon nicht mehr zu den Jüngsten. Giovanni Reyna stieß mit ihm zu den BVB-Profis, jetzt ist Jude Bellingham da, erst 17 Jahre alt. Andere Talente dürfen hier vorspielen. Dass die nächste Generation schon in den Startlöchern steht, sagt er verschmitzt lächelnd, sei ihm durchaus aufgefallen.

Haaland über Moukoko: „Er ist viel besser als ich damals“

Und falls es ihn mal weiterziehen sollte, kann er seit dieser Vorbereitung seinen potenziellen Nachfolger täglich im Training beobachten. Als er 15 gewesen sei, sagt Erling Haaland, damals in Bryne, da sei er bei weitem nicht so weit gewesen wie Youssoufa Moukoko heute im gleichen Alter schon ist. „Er ist viel besser als ich damals. Ich möchte keinen Druck auf ihn ausüben, aber ich habe noch nie einen so guten 15-Jährigen gesehen.“

Das ist mal eine Ansage und ein Blick in die Zukunft zugleich. Die Gegenwart in Dortmunds Sturm aber wird zunächst einmal weiter Erling Haaland heißen, und der 20-Jährige ist sich den Erwartungen durchaus bewusst. Eine Tore-Marke wolle er sich zwar nicht setzen, „aber ich bin die Nummer 9. Ich bin da, um Tore zu schießen.“ Druck verspüre er deshalb aber nicht, er versuche, „nur von Spiel zu Spiel zu denken und alles leicht zu nehmen.“ Take it easy, sagt er am Ende, das ist sein Motto - und ein wichtiger Baustein seiner herausragenden Entwicklung.

Lesen Sie jetzt