Haalands besondere BVB-Premiere gegen Schalke - und ein bizarrer Abschied für Piszczek?

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BVB-Torjäger Erling Haaland steht vor seinem ersten Revierderby - es wird eine ungewollt besondere Premiere. Für Lukasz Piszczek könnte es ein bizarrer Abschied werden.

Dortmund

, 13.03.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erling Haaland hatte gerade seinen Vertrag bei Borussia Dortmund unterschrieben, da verfasste der Norweger auch direkt seinen Wunschzettel für das Jahr 2020. An Position vier tauchte dort - hinter „Deutsch lernen, mehr Tore schießen und die Gelbe Wand genießen“ - der Punkt „Das Derby gewinnen“ auf. Zehn Wochen später ist es soweit: Haaland, der in seinen ersten BVB-Wochen Rekorde pulverisierte und in acht Liga-Spielen beeindruckende neun Treffer erzielte, steht vor seiner Premiere im Revierderby.

Die wird allerdings komplett anders ausfallen, als noch vor einigen Tagen erwartet. Dass das erste Bundesliga-Geisterspiel in der Geschichte von Borussia Dortmund ausgerechnet auf das Revierderby fällt, ist ein bitterer Zufall für alle Seiten. Der Coronavirus beschert BVB und S04 am Samstagnachmittag eine Partie vor leeren Rängen im Signal Iduna Park.

BVB gegen Schalke: Haaland muss auf Derby-Atmosphäre warten

Auf echte Derby-Atmosphäre muss Erling Haaland also noch einige Monate warten, an seiner Zielsetzung dürften die äußern Umstände jedoch nichts ändern. Denn der 19-Jährige hat die Titel-Hoffnung zurück nach Dortmund gebracht. Nach einer Hinrunde, die ein ständiges Auf und Ab bereithielt, hat sich der BVB seit Beginn der Rückrunde mit wenigen Ausnahmen (Bremen, Leverkusen) gefangen und hält den Druck auf Tabellenführer Bayern München hoch.

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Haaland trifft fast nach Belieben - und nimmt ein großes Ziel ins Visier: „Ich will“, verriet er der „L’Équipe“, „Top-Scorer der Bundesliga werden. Aber ich bin niemand, der immer an Rekorde denkt. Das ist nichts für mich. Ich denke an mein Team und helfe ihm, so gut ich kann. Sonst nichts. Ich versuchen, so hart wie möglich zu arbeiten, um der beste Fußballer der Welt zu werden. Ich arbeite sehr viel, so viel wie möglich.“ Trotz seiner herausragenden Quote wird es in der laufenden Saison nicht klappen mit der Torjägerkanone - so realistisch sollte man sein.

BVB-Sportdirektor Zorc lobt Piszczek in den höchsten Tönen

Die Teamkollegen jedenfalls loben Haalands Einstellung in den höchsten Tönen: „Er ist ein ganz cooler Typ. Er weiß, worum es geht, ist sehr professionell. Ich bin immer einer der Ersten im Trainingszentrum - aber er ist immer noch früher da“, sagte Torhüter Roman Bürki im „DAZN“-Interview vor dem Champions-League-Hinspiel gegen Paris. „Er weiß, was wichtig und was gut für ihn ist.“

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Dieser Satz trifft auch auf Routinier Lukasz Piszczek zu. Dortmunds Dauerbrenner befindet sich auf der Zielgerade seiner Karriere. Ende Juni läuft sein Vertrag bei den Schwarzgelben aus, die sportliche Zukunft des 34-Jährigen ist weiterhin offen. „Ich muss mich noch etwas gedulden“, erklärte der Rechtsverteidiger Ende Februar im Gespräch mit dieser Redaktion. Sportdirektor Michael Zorc wollte keine Details zu den Vertragsgesprächen preisgeben, sagte aber: „Lukasz ist ein absolutes Vorbild - auf und außerhalb des Platzes. Durch sein Verhalten ist er beispielhaft. In den letzten Wochen hat er nochmal gezeigt, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Wir sind froh, dass wir ihn haben.“

Piszczek erlebt beim BVB in der Rückrunde seinen vierten Frühling

Piszczek erlebt in der Rückrunde seinen vierten Frühling. Seit dem 5:1-Heimsieg gegen den 1. FC Köln am 24. Januar stand der ehemalige polnische Nationalspieler in sechs von sieben Bundesliga-Spielen jeweils über die volle Distanz auf dem Platz - allesamt gewann der BVB. Dennoch könnte Lukasz Piszczek am Samstag sein letztes Revierderby als Profi von Borussia Dortmund erleben. Und seine persönliche Bilanz ist deutlich ausbaufähig. Von 15 Duellen, an denen er beteiligt war, wurden lediglich vier gewonnen - hinzu gesellen sich sechs Unentschieden und sieben Niederlagen.

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Auch darüber hinaus hat Piszczek schmerzhafte und bleibende Erinnerungen an das Duell gegen die Königslauben. Bei der 1:2-Niederlage im September 2014 zog er sich wenige Sekunden nach dem Anpfiff in einem Zweikampf mit Eric Maxim Choupo-Moting eine Platzwunde an der Augenbraue zu. Es verwundert nicht, dass Piszczek dennoch die kompletten 90 Minuten auf dem Platz stand. Die Statistik weist aber auch einen Derby-Treffer des Allrounders auf: Im April 2012 erzielte er beim 2:1-Sieg in der Schalker Arena per Linksschuss den zwischenzeitlichen Ausgleich nach Vorlage von Shinji Kagawa. „Es hat mich selber gewundert, dass der Ball im Tor gelandet ist. Aber ich bin zufrieden, dass es so gelaufen ist.“

Ob es für Piszczek beim BVB noch ein Jahr weiterläuft, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Ein Geisterspiel-Abschied ist „Piszczu“ wahrlich nicht zu wünschen.

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