Hannovers Sportdirektor Schmadtke im Interview

Der BVB-Gegner

Am kommenden Sonntag trifft Borussia Dortmund auswärts auf Hannover 96. Wie der BVB überraschten die Niedersachsen während der vergangenen Saison die gesamte Szene durch exzellentes Umschaltspiel und frischen Offensivfußball. Mit 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke (47) sprachen wir über sein schwieriges Verhältnis zu Trainer Mirko Slomka, den BVB-Flirt mit Manuel Schmiedebach und das Duell der Emporkömmlinge.

HANNOVER

von Von Dirk Krampe

, 16.09.2011, 06:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Jörg Schmadtke: »Ich denke, wir legen noch ein wenig mehr Wert auf die Defensive als es der BVB tut. Dortmund hat halt unglaubliche Qualität im Spiel nach vorn.«

Jörg Schmadtke: »Ich denke, wir legen noch ein wenig mehr Wert auf die Defensive als es der BVB tut. Dortmund hat halt unglaubliche Qualität im Spiel nach vorn.«

Ach, dieses Spiel. (Schmadtke lacht) Daran will ich mich gar nicht erinnern. Eine Entlassung von Mirko Slomka stand seinerzeit aber nie zur Debatte.

Es ist doch nicht so außergewöhnlich, dass man bei bestimmten Themen mal unterschiedlicher Auffassung ist. Da ist damals etwas hoch gekocht, was für mich ein normaler Vorgang war. Wir müssen uns doch nicht immer in den Armen liegen. Konstruktive Diskussionen beinhalten auch, dass man sich mal streitet. Wichtig ist, dass man eine gemeinsame Grundlage hat und gemeinsam an der Frage arbeitet, Wie bringen wir Hannover 96 nach vorne? Da können Diskussionen und andere Sichtweisen sogar sehr fruchtbar sein.

Einige Teams, die man aufgrund ihres Etats oder Umsatzes weiter oben erwartet hätte, hatten riesige Probleme. Andere wie Mainz, Freiburg, Nürnberg, Dortmund oder auch wir haben das ausgenutzt. Immer Kaviar ist doch auch langweilig. Insofern war die vergangene Saison doch für die Fans extrem spannend.

Seien wir mal ehrlich, niemand erfindet den Fußball komplett neu. Es geht immer nur um Nuancen. Diese Art zu spielen ist eben sehr attraktiv. Wobei wir, denke ich, noch ein wenig mehr Wert auf Defensive legen als es der BVB tut. Dortmund hat halt unglaubliche Qualität im Spiel nach vorn.

Wollen wir mit Sicherheit auch nicht. Wir hoffen, dass wir auf die Fragestellungen, die uns Borussia Dortmund liefert, die richtigen Antworten finden.

Neid ist da nicht bei mir dabei. Welche Garantie habe ich denn, wenn ich 20 Millionen für einen Spieler ausgebe? Wie hoch ist vergleichsweise der Druck, wenn dieser Spieler nicht gleich einschlägt? Hier bei 96 geht es darum, wie wir aus den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten das Beste machen können. Und das ist in der Tat sehr reizvoll.

Das war vom Magazin „11 Freunde“. Es war eine nette Geschichte, mehr aber auch nicht. Spieler zu sichten, ist das eine. Sie zu entwickeln, ist die nächste Herausforderung. Und das gelingt nur im Team, so viel ist sicher. Diese Auszeichnung ist also eine für den gesamten Klub – und keine für mich allein.

Davon habe ich gelesen. Aber ich muss nicht jeden Mist glauben und kommentieren.

Er lässt sich Zeit, und das ist sein gutes Recht. Es gibt einfache Verhandlungen, andere sind halt nicht so einfach. Wir bleiben da gelassen.

Nein. Gucken Sie sich an, wer in den vergangenen Jahren erfolgreich war: Das waren Klubs, die in der Regel einen dreistelligen Millionen-Umsatz hatten. Wir liegen bei etwas über 50 Millionen. Und diese Marke weiter zu steigern, wird sehr schwer.

Das ist ein schönes Zubrot. Finanziell bringt sie uns nicht wesentlich weiter, obwohl wir keine Einnahmen eingeplant hatten. Aber wir stehen im Blickpunkt, die Öffentlichkeit nimmt uns deutlich mehr wahr als früher. Vor allem nach dem Weiterkommen gegen Sevilla. Das hat für einen hohen Stellenwert, wenn beispielsweise im ZDF fast fünf Millionen unser Spiel sehen. Nach der Auslosung hatten uns doch alle schon abgeschrieben.

Das vergangene Jahr war außerordentlich gut und ist ein Stück weit auch Verpflichtung. Planerisch sind es aber noch einige Schritte dahin.

Ich sehe das wirklich nicht so dramatisch, glauben Sie mir. Einem unserer Spieler geht es nicht gut – Punkt. Markus hat in Absprache mit uns die Thematik bewusst öffentlich gemacht und damit die Voraussetzungen geschaffen, um gestärkt zurück zu kommen.

Wenn ich daran denke, dass bei Enkes Trauerfeier ein von einem Boulevard-Blatt gecharterter Hubschrauber über dem Stadion kreiste, könnte man wenig Hoffnung haben. Aber ich denke schon, dass man mit dem Thema heute verständnisvoller umgeht als früher.

Ich meine, da ist unterbewusst immer die Angst, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert. Was passiert, wenn ich in fremden Stadien bin? Wie reagieren da die Fans? Diese Ängste sorgen dafür, dass manche sich mit einem offenen Umgang mit dem Thema schwer tun.

Ich empfinde es als schlimm, dass wir uns in einer fortschrittlichen Welt bewegen und es offensichtlich nicht möglich ist, offen über seine Gefühle zu reden.  

Der RN-BVB-Podcast

Der BVB-Podcast der Ruhr Nachrichten - einmal in der Woche Experten-Talk zum BVB. Jetzt hier, bei Spotify oder bei Apple Podcasts hören.

BVB-Newsletter

Täglich um 18 Uhr berichtet unser Team über die wichtigsten schwarzgelben Neuigkeiten des Tages.

Lesen Sie jetzt