Hausverbot bei Hopp: Diese BVB-Fans sind in Hoffenheim nicht willkommen

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14 BVB-Fans dürfen heute nicht zum Spiel nach Hoffenheim reisen. Das hat TSG-Mäzen Dietmar Hopp erwirkt. Außerdem spielt Borussia „auf Bewährung“ - aber auch gegen 1899 läuft ein Verfahren.

Dortmund

, 20.12.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Konflikt zwischen Fußballfans nicht nur aus Dortmund und Dietmar Hopp, dem von ihnen kritisierten Mehrheitsgesellschafter von 1899 Hoffenheim, hat inzwischen viele Facetten angenommen.

Passend zur Partie zwischen der TSG und dem BVB gibt es den nächsten Akt. Gegen 14 Fans von Borussia Dortmund wurde ein Hausbetretungsverbot für die Prezero-Arena für den 20. Dezember 2019 ausgesprochen. Das bestätigte die TSG dieser Redaktion auf Anfrage.

Beleidigende und diskreditierende Gesänge

Am Mittwochabend wurden die Schreiben, die dieser Redaktion vorliegen, angekündigt. Am Tag vor dem Spiel landeten die Hausverbote in den Briefkästen der Betroffenen. Gegen sie wurde beim letzten Aufeinandertreffen zwischen den Vereinen in Sinsheim am 22. September 2018 ein Strafverfahren wegen Beleidigung eingeleitet.

Gegen 14 Fans von Borussia Dortmund wurde ein Hausbetretungsverbot für die Prezero-Arena ausgesprochen.

Gegen 14 Fans von Borussia Dortmund wurde ein Hausbetretungsverbot für die Prezero-Arena ausgesprochen. © privat

„Aus diesem Grund erteilen wir Ihnen als Hausrechtsinhaber für [...] den 20.12.19 von 0:00 - 24:00 Uhr ein Betretungsverbot für die PreZero-Arena.“ Die Mehrzahl der Verfahren ist - in der Regel gegen Zahlung einer Spende an eine gemeinnützige Organisation - längst eingestellt worden. Daher konnte kein Stadionverbot geltend gemacht werden.

Also hat sich die Hopp-Seite dazu entschieden, Hausverbote auszusprechen. Sprich: Wer aus Sicht des TSG-Mäzens gegen ihn gepöbelt hat, ist nicht mehr willkommen.Als Mehrheitsgesellschafter der Hoffenheimer hat er dies wohl auch gegen interne Bedenken im Klub durchgesetzt. Zuwiderhandlungen gegen das Hausverbot kämen einem Hausfriedensbruch gleich. Der wäre dann unzweifelhaft strafbar.

Bei erneuten Verfehlungen droht eine Sperrung des Gästebereichs

Ohnehin stehen die Dortmunder Fans in Hoffenheim unter Beobachtung. Nach diversen Vergehen in der Vergangenheit mit Gesängen, Plakaten und Bannern (Hopp im Fadenkreuz, „Hurensohn“) hat das DFB-Sportgericht im November 2018 eine Auswärtssperre verhängt und zur Bewährung ausgesetzt.

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Sollten sich sanktionswürdige Vorfälle, wozu schon beleidigende Rufe gezählt werden können, bis einschließlich der Saison 2021/22 wiederholen, könnte diese Bewährung widerrufen werden. Der Gästebereich wäre bei den nächsten Spielen des BVB in Hoffenheim gesperrt. Dortmund müsste die TSG für den finanziellen Ausfall entschädigen.

Zudem ist die Borussia mit 50.000 Euro Geldstrafe belegt worden, und sie muss 50 qualifizierte zusätzliche Ordner bei den Gastspielen im Kraichgau bereithalten. Für die Partien in Hoffenheim gilt darüber hinaus ein Verbot von großen Fahnen sowie von Bannern, größeren Blockfahnen und Doppelhaltern. Außerdem haben BVB und TSG ein gemeinsames Sicherheitskonzept erarbeitet.

„Verdiente Persönlichkeiten des deutschen Fußballs schützen“

Zur Begründung des Urteils erklärte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts: „Es ist die Aufgabe von DFB und DFL, verdiente Persönlichkeiten des deutschen Fußballs vor derartigen Diskriminierungen zu schützen. Dazu sind auch die Vereine in die Pflicht zu nehmen.“

Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, sagt: „Es ist die Aufgabe von DFB und DFL, verdiente Persönlichkeiten des deutschen Fußballs vor derartigen Diskriminierungen zu schützen.“

Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, sagt: „Es ist die Aufgabe von DFB und DFL, verdiente Persönlichkeiten des deutschen Fußballs vor derartigen Diskriminierungen zu schützen.“ © dpa

Ob sich die Dortmunder Fans, ähnlich wie ihre Kollegen aus Köln, Berlin oder anderen Klubs, davon nachhaltig beeindrucken lassen, wird unter anderem am Freitagabend zu erkennen sein. Die Gefahr, dass zukünftig nicht nur 14, sondern jahrelang allen BVB-Fans kein Einlass gewährt wird, ist nicht gering.

Dem Verwaltungsgericht liegt eine entsprechende Klage vor

Im vielschichtigen Rechtsstreit diverser Fanhilfen - unter anderem schlummert noch eine Berufung auf den Schreibtischen des Amtsgerichts Heidelberg -, läuft auch ein Verfahren wegen des im Gästeblock der Sinsheimer Arena installierten Richtmikrofons.

Hierzu haben Juristen auch den Datenschutzbeauftragen des Landes Baden-Württemberg eingeschaltet. Dem Verwaltungsgericht in Karlsruhe liegt eine entsprechende Klage gegen die Installation des Mikrofons und die Auswertung der Daten vor. Das juristische Tauziehen wird die nächsten sportlichen Duelle weit überdauern.

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