Zeitspiel

„Heini, fausten!“: Heinrich Kwiatkowski war der erste Weltmeister des BVB

Er war Borussia Dortmunds erster Weltmeister und Meistertorhüter des legendären BVB-Teams von 1956 und 1957. Am heutigen Freitag wäre Heinrich Kwiatkowski 95 Jahre alt geworden. Unser Zeitspiel.
Ein tadelloser Sportmann und echter Publikumsliebling: Heinz Kwiatkowski im Juli 1960. © imago/Horstmüller

„Heini, fausten!“, schallte es in den 1950er-Jahren häufig in lauten Chören von den Rängen des Stadions Rote Erde, wenn Heinrich Kwiatkowski, Borussias Meistertorhüter der Teams von 1956 und 1957, in Aktion trat. Der „Kwiat,“ wie er liebevoll von seinen Fans genannt wurde, war ein klasse Keeper, der sowohl auf der Linie als auch in der Strafraumbeherrschung brillierte.

BVB-Keeper im WM-Kader 1954

Deshalb kann es auch nicht verwundern, dass er 1954 von Sepp Herberger als einer der drei Torhüter für die WM nominiert wurde. „Fußballgott“ Toni Turek war die Nummer eins. Um den Platz dahinter bewarben sich Kwiatkowski und Heinz Kubsch aus Pirmasens. Deutschland startete mit einem sicheren 4:1-Sieg gegen die Türkei in das WM-Turnier.

Anschließend waren am 20. Juni 1954 in Basel die Ungarn der Gegner, die Übermannschaft der frühen 1950er-Jahre. Das „unschlagbare“ Team mit Puskas, Hidegkuti, Kocsic, Czibor und Bozsik, Olympiasieger 1952, sensationeller Bezwinger Englands 1953 in Wembley und seit Jahren unbesiegt. Bundestrainer Sepp Herberger trat zu diesem Match mit einer B-Elf an. Im Tor stand Borussia Dortmunds Heinrich Kwiatkowski.

Acht Gegentore gegen Ungarn

Die Ungarn spielten ganz groß auf und ließen der deutschen Ersatzformation nicht den Hauch einer Chance. 8:3 hieß es am Ende für die Magyaren. Der wackere „Kwiat“ konnte einem nur leid tun. Er hechtete, fing, faustete – alles vergebens. Aber Herbergers Taktik ging auf.

Nach Siegen über die Türkei (Wiederholungsspiel), Jugoslawien und Österreich stand die DFB-Elf am 4. Juli 1954 im Endspiel gegen Ungarn und wurde durch einen legendären 3:2-Sieg Fußball-Weltmeister. Und durch seinen Einsatz gegen die Ungarn avancierte Heinrich Kwiatkowski zum ersten – wenn auch weniger strahlenden – Weltmeister des BVB in dessen Vereinsgeschichte.

BVB-Torwart steckt Rückschläge weg

Vier Jahre später in Schweden ein ähnliches Bild: Nachdem Deutschland gegen die Gastgeber in einem Halbfinale verloren hatte, das sogar diplomatische Verwicklungen nach sich zog, stand Kwiatkowski im Spiel um den dritten und vierten Platz auf dem Feld. Gemeinsam mit Aki Schmidt und Fred Kelbassa, seinen BVB-Kollegen. Diese Partie verlor Deutschland mit 4:6. Vierzehn Tore in zwei WM-Spielen. Das war heftig, das war schmerzhaft. Aber „Kwiat“ hat es verkraftet.

Die BVB-Mannschaft aus der Saison 1964/1965 – mit dabei ist auch Heinz Kwiatkowski (untere Reihe Mitte). © imago sportfotodienst © imago sportfotodienst

Heinrich Kwiatkowski wurde am 16. Juli 1926 in Gelsenkirchen geboren. Seine ersten Schritte als Torwart absolvierte er bei Westfalia Schalke. Danach ging er 1947 zum FC Schalke 04. Der große Ernst Kuzorra hatte ihn empfohlen. Nach einer weiteren Zwischenstation bei Rot-Weiß Essen kam „Kwiat“ 1952 zum BVB.

Beim BVB rasch Publikumsliebling

Hier genoss der neue Zerberus rasch die Sympathien des Publikums und das Vertrauen von Trainer „Bumbas“ Schmidt sowie dessen Nachfolger Helmut Schneider. Unvergesslich ist seine Leistung im Europapokal-Rückspiel 1956 gegen Manchester United, in dem er – im grünen Sweater seines Torwartkollegen Bernd Trautmann von ManCity – mit schier unglaublichen Glanzparaden zum „Helden von Manchester“ wurde.

Nach dem Karriereende von Adi Preißler wurde „Kwiat“ dessen Nachfolger als BVB-Kapitän. Als solcher führte er auch seine Mannen zum Endspiel 1961 auf das Feld, das der BVB unglücklich 0:3 gegen Nürnberg verlor. In der Endrunde 1963 stand er auch noch im Tor seiner Schwarzgelben. Im Finale allerdings musste er Bernhard Wessel, dem Reaktionswunder unter den BVB-Schlussmännern, den Vortritt lassen.

Torwart „Kwiat“ mit der Meisterschale 1963. © imago/Horstmüller © imago/Horstmüller

Heinrich Kwiatkowski, Borussias erster Weltmeister, der in der Hausmannstraße in der südlichen Innenstadt wohnte und bei den Dortmunder Stadtwerken arbeitete, war überall sehr beliebt. Geradezu mit Engelsgeduld ausgestattet, erfüllte er jeden Autogrammwunsch und ist allen, die ihm begegneten, als untadeliger Sportsmann und einer der ganz großen Torhüter der BVB-Historie in bester Erinnerung.