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Herthas Plattenhardt über Entwicklung und Höhenflug

Der BVB-Gegner

In der vergangenen Saison ist Hertha BSC nur mit viel Glück dem Abstieg entgangen - in der laufenden Saison sind die Berliner als aktuell Dritter die Überraschung der Saison. Über diese Entwicklung hat Marc-André Landsiedel mit Hertha-Linksverteidger Marvin Plattenhardt gesprochen.

DORTMUND

, 05.02.2016 / Lesedauer: 6 min
Herthas Plattenhardt über Entwicklung und Höhenflug

Marvin Plattenhardt spielt mit der Hertha bislang eine herausragende Saison.

Das Wichtigste zuerst: Herzlichen Glückwunsch! Sie sind letzte Woche 24 geworden. Wie ist es um die Gesangsqualitäten der Kollegen bestellt? Danke. Ja, vor dem Training gab es im Kreis ein Geburtstagslied von den Kollegen. Den Gesang kann man noch etwas verbessern, aber es war schon ganz ordentlich (lacht).

Vor der Saison haben Sie als Ziel angegeben, mit Hertha die Klasse halten zu wollen. Dazu darf man doch schon gratulieren, oder? Nein, lieber noch nicht. Es sind ja noch ein paar Spiele. Klar, unser Ziel war der Nicht-Abstieg. Dass wir jetzt da oben stehen, freut uns sehr, ist aber schon unerwartet. Es ist noch ein langer Weg und wir lassen uns überraschen, was am Ende herauskommt.

Letztes Jahr haben Sie bis zum letzten Spieltag im Abstiegskampf gesteckt, nach 20 Spieltagen steht Hertha jetzt auf einem Champions-League-Platz. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung? Ich denke, dass jeder einzelne Spieler sich weiterentwickelt hat. Aber auch als Mannschaft sind wir weiter, unsere Mechanismen greifen viel besser. Jeder weiß, was seine Aufgabe ist und setzt das auf dem Platz um. Aber wir haben noch nichts Großes erreicht und müssen weiter an unser Limit gehen.

Sie haben gesagt, der Blick der Hertha dürfe mittelfristig nach oben gehen. Geht er momentan eher nach unten? Sie haben namhafte Konkurrenz im Nacken... Die Perspektive des Vereins soll in den kommenden Jahren sicher sein, nicht immer gegen den Abstieg zu spielen. Wir wollen uns im Mittelfeld festsetzen und vielleicht auch etwas nach oben schauen. Aber wir sollten den Ball flachhalten. Wir sind nicht Bayern München. Wir schauen von Saison zu Saison. Der Verein hat sicher einiges vor und wir, Trainer und Spieler, wollen alle mitziehen.

Die Hertha spielt konstant über allen Erwartungen. Wie groß ist die Sorge vor dem Absturz? Sorgen haben wir keine. Ich hoffe nicht, dass das passiert. Aber in der Bundesliga kann es immer vorkommen, dass man mal drei, vier Spiele verliert. Die Konkurrenz ist stark, die Bundesliga eine der attraktivsten Ligen der Welt. Große Bedenken habe ich aber nicht.

Welcher Platz müsste es am Ende sein, um die Saison als Erfolg verbuchen zu können? Über konkrete Platzierungen möchte ich lieber nichts sagen. Es freut jeden von uns, dass wir momentan im oberen Drittel mitspielen können anstatt uns am Tabellenende herumzuschlagen und hoffen zu müssen, dass die anderen Mannschaften verlieren.

Wie beurteilen Sie ihre eigene Entwicklung? Sie sind 2014 aus Nürnberg zur Hertha gewechselt und hatten ein schwieriges erstes Halbjahr in Berlin... Es ist immer schwer für einen neuen Spieler sich zu integrieren. Das Umfeld ist neu, die Abläufe sind neu. Dann war ich zu Beginn verletzt, hatte zwischendurch noch einen Autounfall. Aber ich habe den Kopf nicht hängen lassen, Sonderschichten geschoben und mich in den Trainings zurückgekämpft. Ich habe mir immer gesagt: "Du machst das für dich und für’s Team." Und dann habe ich natürlich auch von dem Trainerwechsel profitiert und meine Chance genutzt.

Was ist Trainer Pal Dardai für ein Typ? Er ist ein sehr ehrlicher Typ. Er weiß, wie wir Spieler ticken. Und er geht sehr fair mit uns um, spricht an, was wir verbessern müssen. Ich kann nur Positives über ihn sagen. Ich denke, das spiegelt die Tabelle auch wider.

Sie haben im November ihren Vertrag verlängert und diese Saison jede Minute gespielt. Ist das momentan die beste Phase ihrer Karriere? Ja, natürlich. Ich habe seit dem Trainerwechsel keine Minute verpasst, das muss man sich aber auch selbst erarbeiten. Ich habe in den letzten Monaten ordentliche Leistungen gezeigt. Aber es gibt immer Bereiche, in denen man sich verbessern kann. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich hier noch weitere Jahre spielen darf und das Vertrauen vom Trainer und vom Verein bekomme.  

Sie sind linker Verteidiger, traditionell die Problemstelle der Nationalmannschaft. Wann ruft Joachim Löw an? (lacht) Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich weiter an mir und meinen Schwächen arbeite. Ich habe die Juniorenteams durchlaufen und dort einiges mitbekommen. Aber natürlich wäre es ein Traum, zur Nationalmannschaft eingeladen zu werden.

Beim 3:3 gegen Bremen haben sie sehenswert per Freistoß getroffen. Konnten Sie sich über das Tor freuen? Es war ja das Tor zum 2:0. In dem Moment habe ich mich natürlich gefreut, auch weil man sieht, dass sich die Sonderschichten und das Freistoßtraining lohnen. Am Ende war es dann mit dem 3:3 ein bitterer Spieltag für uns und die Freude war getrübt. Aber wir ziehen das Positive aus der Partie.

Ein bitteres Ergebnis, dazu die Rangelei im Mannschaftsbus auf der Rückfahrt - Änis Ben-Hatira hat den Verein verlassen. Guckt man auf die Tabelle, müsste die Stimmung doch exzellent sein... Zu dem Vorfall kann ich nichts sagen, ich musste nach der Partie zur Dopingprobe und bin mit dem Auto nach Hause gefahren. Was ich sagen kann: Die Stimmung im Team ist nach wie vor toll!

Sie hören gerne die Musik von Bushido. Daher die Vorliebe für Tattoos und Vollbärte? (lacht) Die Frage mit Bushido kommt immer wieder. Damals mit meinen Kumpels hatte ich eine Phase, in der ich sehr viel von ihm gehört habe. Heute hör ich Bushido immer noch zwischendurch, bin aber sehr flexibel. Ich höre HipHop, House und einfach alles, was mir gefällt. Und ja, ich bin ein Fan von Tattoos. Viele Motive haben mit meiner Familie und meinem Glauben zu tun.

Wie wirken sich Glaube und Familie auf ihr Leben als Profi-Fußballer aus? Die Familie ist sehr wichtig für mich. Meine Eltern haben mich von Beginn an immer unterstützt. Auch meine Freunde waren und sind für mich da, kommen mich oft besuchen, wir haben fast täglich Kontakt. Und ich telefoniere nach fast jedem Spiel mit meinem Vater. Der gibt mir Tipps, was ich noch besser machen kann.  

Ist Ihr Vater der größte Kritiker? Manchmal schon. Kritik gehört einfach dazu. Man sollte nicht nur von jeder Seite gelobt werden, das wäre falsch. Man muss da schon ehrlich sein. Und das sind meine Eltern, die sagen immer was Sache ist. So bin ich groß geworden, das hat mich geprägt und auch weitergebracht.  

Sie engagieren sich gegen Rassismus. Fremdenfeindlichkeit ist leider im Moment ein großes Thema. Was kann die Gesellschaft in dieser Beziehung vom Fußball lernen? Gute Frage. Was können wir lernen? Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren. Fußball ist eine Mannschaftssportart, man muss gut miteinander auskommen. Wenn man im Fußball ein Dickkopf ist und für sich alleine spielen will, funktioniert das nicht. Das Gleiche gilt auch für unsere Gesellschaft.

Zurück zum Fußball: Der BVB ist ein besonderer Gegner für Sie, richtig? Ja, natürlich. Der BVB hat eine super Mannschaft und eine tolle Offensive. Und auch Mittelfeld und Abwehr stehen ganz ordentlich. Außerdem habe ich gegen Dortmund im Dezember 2010 mein Bundesligadebüt gegeben. Leider haben wir damals in Nürnberg 0:2 verloren.

Es ist das Topspiel, Zweiter gegen Dritter, ausverkauftes Haus. Geht man nochmal anders in solch eine Partie? Viele Zuschauer sind natürlich ein Extra-Ansporn. Gegen so eine große Mannschaft können wir mal schauen, wo die Messlatte liegt. Aber die gesamte Liga ist stark, da muss man jede Minute kämpfen und auch genießen. Wir wollen einen guten Fußball spielen und nach Möglichkeit punkten.  

Haben sie schon mit Julian Schieber gesprochen, wie man den BVB knacken kann? Noch haben wir nicht gesprochen, aber das werden wir vor dem Spiel im Hotel noch tun. Er hat ein paar Jahre in Dortmund gespielt und kennt die Spieler sehr gut. Es wird ein harter Kampf am Wochenende.

Und wie lautet der Endstand? (lacht) Das Ergebnis werde ich jetzt nicht sagen. Aber ich hoffe, dass wir die drei Punkte in Berlin behalten.

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