Borussia Dortmund erreicht in der Rückrunde nicht das Niveau und die Ergebnisse der Hinserie. Weniger Treffer, mehr Gegentore, weniger Punkte - so die Bilanz. Gelingt dem BVB die Wende?

Dortmund

, 11.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Elf Tore weniger geschossen, sechs Zähler weniger eingetütet: Mit der im Vergleich zur Hinserie bisher unübersehbar schwächeren Rückrunde verzockt Borussia Dortmund seine vor Wochen noch glänzende Ausgangsposition im Titelrennen. In der Bundesliga-Tabelle seit dem Winter liegt der BVB nur auf Rang fünf – da wäre das Saisonziel Champions League akut gefährdet.

Bilanz der Hinrunde muss wiederholt werden - mindestens

Doch das Polster aus dem Herbst ist dick, die erneute Qualifikation für die Königsklasse (15 Punkte auf Rang fünf) quasi gesichert. Wenn noch mehr herausspringen soll, müssen die Schwarzgelben nicht nur die Kurve kriegen, sondern mindestens die Bilanz der Hinrunde wiederholen.

Da gewann der BVB fünf der letzten sechs Ligaspiele vor der Weihnachtspause. Weniger wird nicht reichen, wenn die Mannschaft von Trainer Lucien Favre tatsächlich noch den Angriff auf die Deutsche Meisterschaft aufrecht halten will.

Herausragende Spielzeit nicht kurz vor Schluss beflecken

Ein halbes Dutzend Mal haben die Borussen bewiesen, dass sie Spiele auch in letzter Minute herumreißen können. Jetzt müssen sie zeigen, dass sie die nach wie vor herausragende Spielzeit nicht kurz vor Schluss mit enttäuschenden Ergebnissen beflecken. Nach dem Niederschlag in München heißt es: aufstehen, Mund abputzen, weitermachen.

Einer, der das sehr hohe Niveau der ersten Saisonhälfte nicht halten kann, ist Axel Witsel. Auch der Routinier ging am Wochenende in München mit unter, dem Vielspieler gelingt es im Frühjahr nicht mehr so spielerisch, den BVB-Stil markant zu prägen.

Gewisse Müdigkeit ist bei Axel Witsel nicht zu verkennen

Eine gewisse Müdigkeit ist nach 3163 (!) Pflichtspielminuten nicht zu verkennen. Außerdem sind die Gegner besser eingestellt. Was hilft? „Wir müssen in den nächsten sechs Spielen wieder kämpfen, hart arbeiten“, betont der Belgier. Nur so könne der BVB nachhaltig wieder in die Erfolgsspur finden, in der er bis zum Februar sicher balancierte.

Ein weiterer Punkt auf der Soforthilfe-Liste: die bessere Verteidigung bei Standardsituationen und Flanken, ein leidiges, sich wiederholendes Thema für Favre und sein Trainerteam.

Ansprachen scheinen bislang wirkungslos

Die bisherigen Ansprachen und Analysen scheinen nicht ausreichend zu wirken. „Wir sind nicht aggressiv genug“, bemängelt Kapitän Marco Reus. „Vor jedem Spiel schauen wir uns die Standards der Gegner an. Wir müssen die Männer aufnehmen und anders auf dem Sprung sein.“ Gewarnt, aber nicht gewappnet: „Der Trainer sagt es uns, aber wir sind einfach zu unaufmerksam“, sagt Reus.

Das gilt in Teilen auch für Abwehrchef Manuel Akanji, der in München bei den Kopfballtoren von Mats Hummels und Serge Gnabry jeweils das Nachsehen hatte. Er stöhnte, „dass jede gegnerische Ecke eine Torchance“ werde. Wer die Gelegenheiten so leicht herschenkt, darf sich nicht beklagen, wenn der Gegner sie nutzt.

München-Debakel abzuschütteln wird nicht einfach

Optimismus spenden kann die Tatsache, dass keiner der kommenden Gegner die Qualitäten des FC Bayern hat, und damit muss das Wundenlecken auch aufhören. Auch wenn es nicht leicht wird, das Debakel aus München aus den Klamotten zu schütteln.

Sie müssten das Beste aus der Situation machen, aus dem, was noch vor der Mannschaft liege, berichtete Akanji von Favres Aufforderung zum Blick nach vorne. „Wir müssen versuchen, das nächste Spiel zu gewinnen.“ Sicherheit und Souveränität bringen nur Erfolgserlebnisse zurück, für Siege gibt es keinen Ersatz. Gelingt die Wende zum Ende?

Nur vier Siege aus den letzten zwölf Spielen

Wer die jüngste Tendenz negativ gestimmt betrachtet, der wird anmerken, dass dem BVB nur vier Dreier in den letzten zwölf Spielen gelungen sind. Gibt es den angepeilten Endspurt mit idealerweise sechs Siegen, wären es neun Dreier im Zehn-Spiele-Finish – damit wäre nicht nur die Hinrundenbilanz bestätigt, dann steigen auch die Chancen auf die Schale.

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