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Hoffenheim: "Lärmgerät" zur Akustik-Attacke auf BVB-Fans

Heikle Nachspielzeit

Die Fußball-Bundesliga ist um einen handfesten Skandal reicher. In der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim wurden gezielt Hochfrequenztöne bei Fangesängen der BVB-Anhänger eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg ermittelt wegen des Vorwurfs der Körperverletzung.

DORTMUND

von Von Sascha Klaverkamp und Oliver Trust

, 15.08.2011, 18:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Bild aus der Vergangenheit: BVB-Fans halten Transparente mit Hasstiraden gegen Hoffenheim-Sponsor Hopp in die Höhe.

Ein Bild aus der Vergangenheit: BVB-Fans halten Transparente mit Hasstiraden gegen Hoffenheim-Sponsor Hopp in die Höhe.

Beim Bundesligaspiel zwischen der TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund am vergangenen Samstag hatten BVB-Anhänger darüber geklagt, dass der Gästeblock mit „schrillen Tönen“ beschallt worden sei.

Anzeige erstattet

Immer dann, wenn Dortmunds Fans Schmähgesänge gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp anstimmten (wir berichteten). Ein Dortmund-Fan aus Pforzheim reichte gestern Strafanzeige ein, da er nach ärztlicher Diagnose einen Hörsturz erlitten habe. Nach zahlreichen Dementis gaben die Hoffenheimer gestern Abend bekannt, dass der Hausmeister von 1899 für die Vorfälle verantwortlich sei. Der Mann habe sich dazu bekannt, eine entsprechende Apparatur „eigenmächtig zum Einsatz gebracht zu haben.“

Ermittlungen laufen

Er habe damit ein Gegenmittel gegen die aus seiner Sicht nicht mehr erträglichen Beleidigungen gegenüber Mäzen Hopp setzen wollen. Die Hoffenheimer gaben an, arbeitsrechtliche und disziplinarische Schritte gegen den Mitarbeiter eingeleitet zu haben. Die Ermittlungen der Behörden laufen indes weiter – sie konzentrieren sich nun darauf , wie das „Lärmgerät“ in den Innenbereich des Stadions gelangen und dort unbehelligt betrieben werden konnte. Dazu steht der Vorwurf weiter im Raum, die Akustikattacke sei zumindest mit Duldung des Vereins oder des Sicherheitsdienstes abgelaufen."Vorwürfe haltlos" „Die Vorwürfe eines vorsätzlichen Handels sind haltlos“, teilte 1899 Hoffenheim mit. Marco Blumberg, Vorsitzender der BVB-Fanabteilung, sieht in dem Vorfall einen „Versuch, Kritiker mundtot zu machen“. „Natürlich gehören sich Beleidigungen aus dem Fanblock gegen Herrn Hopp absolut nicht. Aber durch eine Reaktion mit Hochfrequenztönen wird bewusst gegen eine freie Meinungsäußerung gearbeitet, das können wir nicht hinnehmen“, betonte Blumberg. „So etwas darf es einfach nicht geben.“

Schrille Töne nach Signal

Die Beobachtungen mehrerer BVB-Fans ergeben folgendes Bild: Vor der Partie wurde ein „Lärmgerät“ neben dem Gästeblock im Stadion platziert.

Eine männliche Person mit Zugangsberechtigung zum Stadion-Innenraum habe hinter dem Tor nahe des Dortmund-Blocks immer dann ein Signal gegeben, wenn Schmähgesänge gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp zu hören gewesen seien. Daraufhin sei dann mit „schrillen Tönen“ der Fanblock beschallt worden.

Bereits im Einsatz

Montagnachmittag erreichten unsere Redaktion nicht nur Bilder des „Lärmgeräts“, sondern auch Aufnahmen die belegen, dass das Objekt offenbar schon zum Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Hoffenheim im April 2011 neben dem Gästeblock zum Einsatz kam. Es wäre ein Verstoß gegen DFL-Statuten.

Den Mitarbeiter der TSG Hoffenheim, der Montagabend gestand, die Lärmattacke zum Dortmund-Spiel „eigenmächtig“ ausgeführt zu haben, erwarten nun arbeits- und zivilrechtliche Konsequenzen. Die TSG Hoffenheim sieht sich derweil trotz aller öffentlichen Entschuldigungen für den Vorfall weiter schweren Vorwürfen ausgesetzt.Hopp wehrt sich

Denn: Das beim Dortmund-Spiel eingesetzte Lärmgerät soll sich nur mit einer konstanten Stromzufuhr betreiben lassen. Eine Erklärung, wie das Gerät unentdeckt bleiben konnte oder warum es nicht entfernt wurde lieferten die Hoffenheimer nicht.

Hoffenheims Pressesprecher Markus Sieger konnte sich keinen Reim darauf machen, „wie das Gerät vor den abgesperrten Bereich des Gästeblocks gelangen konnte“. Auch Dietmar Hopp wehrte sich.Strafanzeige eines BVB-Fans „Es wäre ja grotesk, wenn wir versuchen würden, die beleidigenden Gesänge auf diesem Weg zu bekämpfen, weil dadurch nur das Klima noch mehr angeheizt würde“, betonte er.

Auf Unverständnis stieß bei Hopp die Strafanzeige eines Dortmunder Fans. „Wer mich 90 Minuten lang permanent beleidigt, sollte nicht so empfindlich reagieren“, sagte er der Rhein-Neckar-Zeitung. „Wenn BVB-Fans Anzeige erstatten, dann müsste ich 200 Anzeigen wegen Beleidigung erstatten.“  

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