Hummels: "Es ist alles emotional, auch für mich"

Heiß diskutierte BVB-Personalie

Pfiffe, ein Plakat mit einer deutlichen Botschaft und übelste Beleidigungen: Mats Hummels musste im ersten Spiel nach seinem Wechselwunsch zum FC Bayern München einiges über sich ergehen lassen. Für zusätzlichen Zündstoff hatte eine Aussage von Uli Hoeneß gesorgt. Die Replik aus Dortmund folgte prompt nach dem 5:1-Sieg über den VfL Wolfsburg.

DORTMUND

, 30.04.2016, 21:57 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hummels: "Es ist alles emotional, auch für mich"

BVB-Kapitän Mats Hummels erlebte ein emotionales Heimspiel gegen Wolfsburg.

Münchens Ex-Präsident Uli Hoeneß hatte am Freitag ein ordentliches Feuer gelegt, als er am Rande eines PR-Termins erklärt hatte, wenn einer an die Tür klopfe, „dann wird der FC Bayern schlecht beraten sein, die Tür nicht aufzumachen“. Er suggerierte damit, Hummels habe sich selbst dem FC Bayern angeboten, und brachte damit zusätzliche Hitze in die ohnehin heiß diskutierte Personalie.

"Edelfan" des FC Bayern

Hans-Joachim Watzke nahm den Namen von Hoeneß am Samstag nicht in den Mund. Doch wen der BVB-Boss meinte, als er nach dem lockeren Sieg über schwache „Wölfe“ vom „Edelfan“ des FC Bayern sprach, war klar. „Wir lassen uns nicht auseinander dividieren“ erklärte er, „auch nicht von Leuten außerhalb des Vereins. Aber ich möchte dazu nichts weiter sagen, er hat ja keine Funktion mehr, ist mehr oder weniger Edelfan.“

Wenig später äußerte sich auch Hummels zur Hoeneß-Aussage: „Ich habe mich nirgendwo angeboten“, sagte der 27-Jährige, „das ist der größte Humbug, den ich je gehört habe.“ Fast zeitgleich kam auch aus München ein Dementi: Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, stellte klar: „Der Uli hat da etwas falsch verstanden.“ Die Münchner seien auf Hummels zugegangen, nicht umgekehrt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Fans der Borussia ihren Frust allerdings bereits entladen.

"Der Kapitän geht als Erster von Bord"

Wie groß er bei Teilen der Anhängerschaft war, war zuvor nicht zu überhören gewesen. Als Hummels um 15.12 Uhr beim Warmmachen den ersten Schuss aufs Tor vor der Südtribüne abgab, erntete er erste Pfiffe. Und es sollten nicht die letzten bleiben. Selbst während des Spiels pfiff ein Teil der Anhänger den Innenverteidiger bei jeder Aktion aus. Außerdem hielt die Ultra-Gruppierung „The Unity“, mit der Hummels in der Vergangenheit häufiger im Clinch gelegen hatte, ein Banner in die Höhe mit der Aufschrift: „Der Kapitän geht als Erster von Bord. Am besten sofort.“  

Unser #BVB-Reporter @Matthias_aus_Do über @matshummels und das 5:1 gegen den @VfL_Wolfsburg: pic.twitter.com/4cd2sCoaPU

— Ruhr Nachrichten BVB (@RNBVB)

Waren diese Reaktionen noch zu erwarten gewesen, sank das Niveau nach dem Schlusspfiff deutlich unter die Gürtellinie. Als Hummels gemeinsam mit der restlichen Mannschaft vor die Südtribüne ging, um den Sieg zu feiern, skandierten einige Hundert Fans zunächst den Namen von Marcel Schmelzer, der für viele der kommende Kapitän ist. Dann beschimpften sie lautstark Hummels mit diffamierenden Gesängen, die man an dieser Stelle besser nicht zitiert.

Klarer Standpunkt

„90 Prozent haben sich positiv bis neutral verhalten, zehn Prozent haben gepfiffen. Das ist in Ordnung, wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland“, erklärte Watzke sichtlich erregt nach der Partie, dann wurde er deutlich: „Wer persönlich beleidigt, der muss sich mal selbst hinterfragen, ob er noch dazugehört. Ich habe da eine persönliche Meinung: Mats ist ein astreiner Bursche, ein großartiger Junge. Wer ihn beleidigt, hat das Recht verspielt, zu uns zu gehören. Das ist nicht Borussia Dortmund.“

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Bundesliga, 32. Spieltag: BVB - VfL Wolfsburg 5:1 (2:0)

Bilder der Bundesliga-Partie zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg.
30.04.2016
/
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Ein Teil der BVB-Fans würde Hummels
lieber heute als morgen wechseln sehen.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Bilder der Partie Dortmund gegen Wolfsburg.© Foto: dpa
Dortmunds Henrikh Mkhitaryan (M) und Maximilian Arnold von Wolfsburg versuchen an den Ball zu kommen. Foto: Bernd Thissen/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa
Fußball: Bundesliga, 32. Spieltag: Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg am 30.04.2016 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Dortmunds Henrikh Mkhitaryan (l) und André Schürrle von Wolfsburg versuchen an den Ball zu kommen. Foto: Bernd Thissen/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa
Fußball: Bundesliga, 32. Spieltag: Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg am 30.04.2016 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Dortmunds Mats Hummels geht zur Pause. Foto: Bernd Thissen/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa
Fußball: Bundesliga, 32. Spieltag: Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg am 30.04.2016 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Der Ball fliegt zum 1:0 ins Tor von Wolfburgs Torhüter Diego Benaglio. Foto: Bernd Thissen/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.)Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa
Fußball: Bundesliga, 32. Spieltag: Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg am 30.04.2016 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Dortmunds Kapitän Mats Hummels läuft mit einem Ballkind an der Hand ins Stadion ein. Foto: Bernd Thissen/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa
Fußball: Bundesliga, 32. Spieltag: Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg am 30.04.2016 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Dortmunds Adrián Ramos erzielt das 2:0. Foto: Bernd Thissen/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa
Fußball: Bundesliga, 32. Spieltag: Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg am 30.04.2016 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Dortmunds Mats Hummels am Ball. Foto: Bernd Thissen/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa

Und auch Trainer Thomas Tuchel hatte einen klaren Standpunkt: „Diese Stimmung im eigenen Stadion gegen den eigenen Kapitän - das war keine schöne Situation. Es gibt einen Unterschied zwischen Pfiffen und Schmähgesängen, deren Inhalt zu weit gehen.“

Äußerlich gelassen

Hummels selbst nahm es zumindest äußerlich gelassen hin. Er spielte eine starke Partie. Fast schien es, als stachelten ihn die Pfiffe zu besonders guten Pässen an. „Ich glaube, ich bin der erste Spieler, der von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, obwohl er noch nicht gewechselt ist“, kommentierte er die Reaktion im Zentrum der Südtribüne süffisant.  

„Ich habe schon zu den Jungs scherzhaft gesagt: Man stelle sich vor, ein Spieler wird hier ausgebildet, wechselt dann zu Mönchengladbach und kommt für 17 Millionen Euro zurück. Ich glaube, den beschimpfen sie nicht. Obwohl man die Situation ähnlich sehen kann.“ Es war eine Anspielung auf den Lebenslauf von Marco Reus, der sich einst ähnlich wie Hummels, der 13 Jahre lang beim FC Bayern gespielt hat, entschieden hatte und zu dem Klub zurückgekehrt war, bei dem er groß geworden war: zu Borussia Dortmund.

"Ich bin schließlich seit 8,5 Jahren hier"

Der Innenverteidiger hatte aber auch registriert, dass es auf den Tribünen Gegenbewegungen zu den Pfiffen und Beschimpfungen von der Südtribüne gegeben hatte. „Das fand ich schön. Ich bin schließlich seit 8,5 Jahren hier“, sagte Hummels, „es ist alles emotional, auch für mich.“

Ob Hummels wirklich zur kommenden Saison zum FC Bayern wechselt, steht schließlich noch nicht fest. Dem BVB schwebt eine Ablösesumme nahe der 40-Millionen-Euro-Grenze für den bisherigen Abwehrchef vor. „Ich habe klare Vorstellungen“, stellte Watzke am Samstag klar, „und es gibt nur zwei Möglichkeiten: Die Vorstellungen realisieren sich zu 100 Prozent oder es gibt keinen Transfer.“ Der Poker zwischen Deutschlands Topklubs läuft - mit offenem Ende. Mit einer Entscheidung ist noch vor dem Pokalfinale am 21. Mai zu rechnen.

Lesen Sie jetzt