Immer wieder verletzt: Wenn BVB-Profi Zagadou nur beständig fit wäre

rnSaisonbilanz

Außen vor, gesetzt, verletzt: Auf diese drei Stichpunkte lässt sich die Saison von Dan-Axel Zagadou herunterbrechen. Sein wuchtiger Körper ist für den jungen Franzosen Fluch und Segen.

Dortmund

, 21.07.2020, 07:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf die Nummer eins der schwarzgelben Hitliste hat es Dan-Axel Zagadou bereits gebracht. Bei den Top-5-Franzosen im BVB-Trikot liegt „Daxo“ vorne, vor dem in Ungnade gefallenen Ousmane Dembélé oder dem Kurzzeit-Gastarbeiter Abdou Diallo. Zagadou mögen sie in Dortmund gerne, auf dem Platz wegen seiner Coolness und außerhalb wegen seiner entspannten Freundlichkeit. Doch so richtig glücklich ist der 21-jährige gebürtige Pariser auch nach der dritten Saison beim BVB nicht in den Urlaub gefahren. Immer, so scheint es, fährt ihm eine Verletzung in die Parade, wenn es gerade gut läuft.

BVB-Saisonbilanz: Zagadou als Bollwerk mit Absicherung

Anzeige


Nur in 15 der 44 Pflichtspiele von Borussia Dortmund suchte Dan-Axel Zagadou seine Position auf, als die Partien angepfiffen wurden. Zehnmal, vor allem zu Saisonbeginn, bestand das Arbeitsprogramm für ihn aus Aufwärmen, wieder hinsetzen und Feierabend. In der Bundesliga tauchte er erst am 30. November zum ersten Mal in der Startelf auf. Das war der Tag des BVB-Spiels bei Hertha BSC, Trainer Lucien Favre stand schwer in der Kritik und entschied sich, sein Glück mit einer Dreierkette zu versuchen. Als linke Säule dieser Riege stand Dan-Axel Zagadou fortan wie ein Fixpunkt in der ersten Elf. Obwohl er diese Rolle noch nie vorher gespielt hatte („Ich wurde nur mit Viererkette ausgebildet“), schien sie ihm wie auf den hünenhaften Leib geschneidert. Zagadou als Bollwerk mit Absicherung.

Jetzt lesen

„Gesund bleiben“ nannte er noch im Januar seinen persönlichen Wunsch für die nächsten Monate. Alles andere werde sich auf dem Platz zeigen. Doch einmal mehr nahm ihn eine Blessur aus dem Spiel, als er sich gerade fest etabliert hatte. Während der Corona-Zwangspause erlitt Zagadou einen Außenbandanriss im Knie. Mit einem Muskelbündelriss im Frühjahr 2018 und einer Mittelfußprellung zum Jahreswechsel 2018/19 macht das schon drei Verletzungen, die ihn jeweils zu mindestens zwei Monaten Pause verdonnerten. Dazwischen gab es kleinere Blessuren, manchmal Rückschläge bei der Wiedereingliederung. Sein massiger Körper mit mehr als 90 Kilogramm bei 1,96 Länge beschert ihm Vor- und Nachteile. Eine gewisse Anfälligkeit gehört definitiv zu den Nachteilen.

BVB-Verteidiger Dan-Axel Zagadou ist ein Zweikämpfer

Bei den Vorteilen hingegen weiß Zagadou seine Fans zu entzücken. Mit stoischer Gelassenheit geht er in die Zweikämpfe und beweist dabei trotz seiner langen Hebel eine erstaunliche Geschicklichkeit und Geschmeidigkeit. An Effizienz mangelt es wahrlich nicht: Bei der Zweikampfquote liegt er mit 65 Prozent gewonnener Duelle unter den Stammspielern auf dem Feld vorne in der Statistik, in der Luft (70 Prozent) ist er noch stärker als am Boden (62 Prozent).

Ein Kerl wie Zagadou in der Hintermannschaft stärkt Borussia Dortmunds Physis - und die Ballsicherheit. Denn der in der Jugend von Paris Saint-Germain ausgebildete Innenverteidiger beherrscht nicht nur den Sicherheitsquerpass, sondern beweist auch immer wieder Mut mit diagonalen Pässen in die Tiefe. Ein Qualitätsmerkmal, auf das Trainer Favre, der ihn lange unberücksichtigt ließ, viel Wert legt. So landen nicht nur 93 Prozent seiner Zuspiele beim Mitspieler, auch fast jeder zweite lange Ball findet sein Ziel. Für einen Defensivakteur ein mehr als passabler Wert. Dass es bis zum Topniveau noch einen oder zwei Schritte zu gehen gilt, zeigten ausgerechnet die beiden Champions-League-Partien gegen seinen Stammverein. Im Hinspiel bot er eine bärenstarke Leistung, ehe er unversehens ausrutschte und PSG so den Weg zum Tor ebnete. Und im Rückspiel hatte Zagadou, wie viele Teamkollegen, nicht seinen besten Tag. Danach war schon fast Schluss für ihn mit der Spielzeit 2019/20.

Zagadoud sicherte sich noch Minuten im BVB-Saisonendspurt

Aber nur fast: Denn auch wenn es zwei Kurzeinsätze waren, freute sich Zagadou über die beiden Einwechslungen im Saisonendspurt. Noch vor der Pause hatte er sich wieder herangekämpft, psychologisch wichtig, und konnte einigermaßen entspannt den Sommer und die Freizeit genießen. Im Urlaub gehe doch alles etwas langsamer zu, schrieb er genussvoll. Auf Hochtouren wird es bald wieder kommen. Anders als im Vorjahr möchte sich Zagadou nicht mehr hinten anstellen und wochenlang auf seine Chance warten, wenn die neue Saison beginnt.

Sein Stellenwert hängt auch maßgeblich von seiner Gesundheit ab. Ist er fit, bekommt er viele Spielanteile – und damit Sicherheit – und die Chance, sich zu verbessern. Es wäre verwunderlich, wenn der Name Zagadou bei Sportdirektor Michael Zorc nicht weit oben auf der Liste stünde: 2017 erhielt er einen für einen Nachwuchsspieler angemessenen Vertrag, der bis 2022 gültig ist. Doch längst hat sich „Daxo“ einen neu bemessenen Kontrakt verdient.

Lesen Sie jetzt