Axel Witsel stand in allen zehn Pflichtspielen des BVB auf dem Platz. © imago images/Sven Simon
Borussia Dortmund

In der Ruhe liegt die Kraft: Wieso Rose-Fußball und Axel Witsel doch zusammenpassen

Auf der „Sechs“ beim BVB hatten eigentlich andere die Nase vorn. Doch durch die vielen Ausfälle spielt dort nun wieder Axel Witsel – obwohl er eigentlich nicht zum Rose-Fußball passt. Oder etwa doch?

Rose-Fußball und Ruhe – das passt eigentlich so überhaupt nicht zusammen. Daraus würde sich die logische Schlussfolgerung ergeben, dass Rose-Fußball und BVB-Sechser Axel Witsel nicht zusammenpassen. Doch die letzten Spiele zeigen: das passt sehr wohl.

Statistiken sprechen immer für BVB-Profi Axel Witsel

Gegen Sporting Lissabon zählte der Belgier zu den besten Dortmundern auf dem Platz. Seine Statistiken waren herausragend: Er brachte 97 Prozent seiner Pässe an den Mann, dazu gelangen ihm zwölf Balleroberungen bei nur drei Ballverlusten.

Legt man nur die bloßen Zahlen zugrunde, stimmen die Leistungen von Axel Witsel eigentlich immer.

Der 32-Jährige weiß genau, wie er seinen Körper einzusetzen hat und mit seiner Ruhe und Übersicht am Ball unterlaufen ihm im Spielaufbau so gut wie keine Fehler – was allerdings auch mit seiner oftmals sicherheitsbedachten Art zusammenhängt. Er geht deutlich seltener als andere ins Risiko, wählt lieber den Quer- oder gar Rückpass als den direkten Weg nach vorne.

Axel Witsel musste beim BVB um einen Stammplatz bangen

Dabei ist es ja eigentlich genau das, was Trainer Marco Rose von seinen Spielern sehen will: aktives Gegenpressing, Balleroberung, sofort offensiv denken und gefährlich werden. Nicht verwunderlich also, dass in der Vorbereitung im Kampf um die einzige Position im bevorzugten Rauten-System im defensiven Mittelfeld Spieler wie Mahmoud Dahoud, Jude Bellingham oder Emre Can die Nase vorn hatten.

Doch Witsel blieb geduldig. „Das ist Fußball. Du musst immer hart kämpfen, um in der ersten Elf zu stehen“, sagte er im Trainingslager in Bad Ragaz. Und mit Kämpfen kennt er sich spätestens seit seiner schweren Achillessehnenverletzung im Januar bestens aus. Innerhalb weniger Monate kämpfte er sich zurück. Erst in die Nationalmannschaft, dann beim BVB – mittlerweile sogar in die Startelf.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Witsel persönlich die vielen Ausfälle beim BVB in die Karten gespielt haben.

Witsels Qualitäten beim BVB aktuell wieder gefragt

Erst war er als Aushilfs-Innenverteidiger gefragt, zuletzt dann wieder auf seiner angestammten Position, weil seine Konkurrenten um die Sechs – Dahoud und Bellingham – wegen der Ausfälle von Julian Brandt und Giovanni Reyna auf die Achterpositionen vorrückten. Brandt ist zwar zurück, dafür fehlt nun aber Dahoud. Witsels Qualitäten dürften also auch am Samstag gegen Augsburg gefragt sein.

„Er ist sehr professionell, sehr clever. Jemand, der alles liefern kann, was das Spiel braucht“, sagt Ex-BVB-Profi Paulo Sousa über den Belgier, mit dem er in China bei TJ Quanjian zusammengearbeitet hat. Und Witsel scheint auch unter Marco Rose verinnerlicht zu haben, was das Spiel braucht. In erster Linie einen Sechser, der im Gegenpressing hoch mit vorschiebt, den Gegner früh unter Druck setzt und ihn mit seiner Körperlichkeit immer spüren lässt: Ich bin da. Die zwölf Balleroberungen zeigen: Witsel war da.

Vertrag von Axel Witsel beim BVB läuft im nächsten Sommer aus

Und dann ist da eben noch diese Ruhe, die eigentlich nicht zwingend zum Spiel von Marco Rose passt und doch so wertvoll für Borussia Dortmund sein kann. Denn in einer Mannschaft voller offensiv ausgerichteter Spieler ist ein solcher Ruhepol, der dank seiner Erfahrung in den entscheidenden Momenten auch mal den Fuß vom Gas nimmt, Gold wert. Ein Rückpass ist in der Außenwahrnehmung zwar weniger spektakulär, oftmals zur Abkühlung des Geschehens aber die bessere Entscheidung.

Eine Entscheidung muss auch bis zum nächsten Sommer getroffen werden. Der Vertrag von Axel Witsel beim BVB läuft zum 30. Juni 2022 aus. Spätestens dann werden sich die BVB-Verantwortlichen und Witsel selbst noch einmal die Frage stellen, ob Ruhe und Rose-Fußball gut zusammenpassen – oder eben doch nicht.

Über den Autor
Jahrgang 1991, tritt seitdem er Vier ist selbst gegen den Ball, hat mit 14 das erste Mal darüber berichtet, wenn es andere tun. Wollte seitdem nichts anderes machen und hat nach Studium und ein paar Jahren Lokaljournalismus seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Seit 2021 BVB-Reporter.
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Kevin Pinnow