Ingolstadt spielt einen ganz eigenen Stiefel

BVB-Gegner im Taktikcheck

Mit dem FC Ingolstadt 04 kommt am Samstag (15.30 Uhr) einer der außergewöhnlichsten Bundesligisten nach Dortmund. Der Aufsteiger spielt einen ganz eigenen Stiefel - und ist dabei sehr defensivstark. Der BVB-Gegner im Teamcheck.

DORTMUND

von Martin Rafelt (spielverlagerung.de)

, 29.01.2016, 18:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ingolstadt spielt einen ganz eigenen Stiefel

Lässt strategisch revolutionär spielen: FCI-Trainer Ralph Hasenhüttl.

Wie agiert Ingolstadt bei eigenem Ballbesitz?

Was Ralph Hasenhüttls Mannschaft macht, wenn sie den Ball in den eigenen Reihen hat, darf man getrost als strategisch revolutionär bezeichnen. Dass die Schanzer auf lange Bälle spielen, ist zwar für einen Außenseiter nicht ungewöhnlich, aber die Konsequenz, mit der diese Herangehensweise durchgedrückt wird, sucht seinesgleichen.

Ohne jede Breite

Das Mittelfeld und die Angriffsreihe der 4-3-3-Formation verhalten sich bei eigenem Ballbesitzes fast wie andere Mannschaften im Defensivspiel. Sie positionieren sich sehr kompakt und verschieben horizontal, um nach langen Bällen das Übergewicht im Kampf um die zweiten Bälle zu haben.  

Häufig bewegen sich die beiden nominellen Außenstürmer in der gleichen Seite des Feldes, während die andere Seite völlig verwaist. Nur vereinzelt rückt dann mal der Außenverteidiger dort auf, meist spielt Ingolstadt aber ohne jede Breite.

Sofort unter Druck setzen

In dieser Kompaktheit können sie dann viele zweite Bälle gewinnen oder zumindest den Gegner sofort unter Druck setzen. Damit erreichen sie, dass viele Spielanteile in der gegnerischen Hälfte stattfinden. Der Gegner bekommt weniger Angriffsmöglichkeiten und wird unter Druck gesetzt.

Rein offensiv betrachtet funktioniert dieser Ansatz nicht besonders gut: Ingolstadt erzielt mit Abstand die wenigsten Tore der Liga. Dafür sind defensiv aber nur die Bayern besser als der Aufsteiger. Die Grenze von Defensive und Offensive verschwimmt bei den Schanzern.

 

Wie agiert Ingolstadt gegen den Ball?

Ähnlich wie bei eigenem Ballbesitz versuchen sie vor allem, das Spiel möglichst weit vom eigenen Tor wegzuhalten. Sie setzen den Gegner aggressiv unter Druck, anstatt kompakt abzuwarten. Häufig setzen sie dafür auf ein Angriffspressing mit losen Mannorientierungen. Zu Beginn der Hinrunde waren die defensiven Strukturen noch etwas durchschaubarer, die Manndeckungen klarer und die Abstände größer, wodurch dem BVB zu Saisonbeginn auch vier Tore gelangen.

Inzwischen werden die Gegenspieler innerhalb des Mittelfelds besser übergeben und trotz der Mannorientierungen schieben die Spieler im Pressing geschickter zum Ball. Dennoch besteht grundsätzlich das Problem, dass die gegnerischen Innenverteidiger Überzahl gegen den Ingolstädter Mittelstürmer haben – und dadurch freie Passwinkel ins Mittelfeld.

 

Wo liegen die Chancen für den BVB?

Entscheidend wird sein, die Überzahl in der Abwehr effektiv auszuspielen. Besonders Hummels kann zum Schlüsselspieler werden, wenn er mit seinen scharfen Vertikalpässen direkt ins offensive Mittelfeld eröffnet. Dort hat der FCI-Sechser viel Raum abzudecken. Zuweilen rücken die Innenverteidiger deswegen heraus, was aber wiederum Löcher in der Abwehr öffnen kann. Ohnehin ist Ingolstadts hohe Linie gegen Aubameyang ein Risiko.

Zudem ist die Frage, wie Ingolstadt auf die asymmetrische Mittelfeld-Staffelung der Borussen reagiert. Welcher der beiden Achter rückt auf Weigl heraus und wie wird das entstehende Loch gestopft? Schon das Hinspiel zeigte, dass die Borussen gegen Ingolstadts Strategie gut aufgestellt sind. Auch die technische Qualität im zentralen Mittelfeld ist eine wichtige Stärke im Kampf um die zweiten Bälle.

Lesen Sie jetzt