Am Samstag trifft Jacob Bruun Larsen mit dem BVB auf den VfB Stuttgart. Den Klub, an den er ausgeliehen war und bei dem er kaum spielte. Und den Klub, der ihn trotzdem kaufen wollte.

Dortmund

, 19.10.2018, 10:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Michael Reschke hat in diesen Tagen nicht den leichtesten Job. Erst sah sich der Manager des VfB Stuttgart vor knapp zwei Wochen gezwungen, seinen Trainer Tayfun Korkut vor die Tür zu setzen, was Reschke vermutlich keinen großen Spaß bereitet hat. Dann rutschte der 61-Jährige schnurstracks in eine Lügendebatte, weil er nach dem 1:3 der Stuttgarter in Hannover am vergangenen Spieltag zunächst behauptet hatte, es gebe keine Trainerdiskussion beim VfB, Korkut einen Tag später dann aber doch hochkant rausschmiss.

Stuttgart ist Tabellenletzter

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Die Fußballwelt war auf dem Dach, sogar Peter Neururer – damit mal jemand die Reichweite der Nummer einordnet – fand Reschkes Verhalten unmöglich. „Eine riesengroße Frechheit“ sei das, meinten die meisten – und lagen damit wahrscheinlich ziemlich richtig. Auch das bereitete Reschke sicherlich keinen großen Spaß. Nebenbei ist der VfB ja auch noch Tabellenletzter in der Liga.

Reschke muss erklären, was schwer zu erklären ist – und spätestens das macht definitiv überhaupt keinen Spaß. Es kommen viele Fragen auf den Tisch. Zum Beispiel auch die, warum Jacob Bruun Larsen, der doch vergangene Rückrunde an den VfB ausgeliehen war, nicht länger an den Verein gebunden wurde?

Der VfB will zwölf Millionen Euro geboten haben

Der junge Däne, der beim BVB gerade für Furore sorgt, spielte zwar nur rund 125 Minuten im Stuttgarter Trikot, aber es sieht ja jetzt jeder, dass der Mann auf dem linken Flügel einiges auf dem Kasten hat.

Also sagte Reschke zum Fall Bruun Larsen gegenüber der „Bild“: „Wir waren bereit, die höchste Ablöse der Vereinsgeschichte für ihn zu zahlen. Wir haben Dortmund zwölf Millionen Euro geboten. Aber Michael Zorc war überhaupt nicht gesprächsbereit, hat einen Verkauf kategorisch ausgeschlossen.“ Das klingt nicht schlecht. Es klingt nach alles gegeben, aber was willst Du machen?!

Zorc widerspricht Reschke im Fall Bruun Larsen

Zumindest in Dortmund erinnern sie sich ein bisschen anders an die Geschichte. Es ändert freilich nichts an ihrem Ausgang, denn der BVB war tatsächlich nicht gesprächsbereit – aber ein Zwölf-Millionen-Euro-Angebot?

Jacob Bruun Larsen vor Duell mit dem Ex-Klub: Super-Ruf und Super-Quote

BVB-Sportdirektor Michael Zorc sagt: „Ich war überrascht, als ich davon gelesen habe. Richtig ist, dass Michael Reschke in der vergangenen Rückrunde nicht nur einmal mit dem Wunsch auf mich zugekommen ist, Jacob zu verpflichten. Ich habe aber direkt die Tür zugemacht und wir haben keine weiteren Gespräche geführt. Insofern ist auch nie über Summen gesprochen worden und es hat auch nie ein Angebot gegeben, weil ich klar gesagt habe, dass wir gar keins haben wollen.“ © dpa

Wie auch immer. Der VfB wollte Bruun Larsen fest verpflichten, aber der BVB wollte Bruun Larsen nicht abgeben. Und mittlerweile darf sich Michael Zorc dafür durchaus auf die Schulter klopfen. Denn das 20 Jahre alte Eigengewächs hat seinen Anteil daran, dass der BVB so erfrischend durch die Liga stürmt.

Bruun Larsen überzeugt schon in der Vorbereitung

Schon in der Vorbereitung spielte sich Bruun Larsen in den Vordergrund bis ihn eine Fußverletzung kurz ausbremste. Doch der Mann aus Lyngby kam schnell zurück. Zwei Tore und zwei Vorlagen gelangen ihm in vier Bundesliga-Spielen, dazu ein Tor und eine Vorlage in der Champions League im Spiel gegen die AS Monaco.

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Larsen über Stuttgart, den BVB und seine Chancen

Für Bruun Larsens ehemaligen Trainer und Förderer Hannes Wolf, der ihn sehr lange in der BVB-Jugend und sehr kurz beim VfB trainierte, kommt die positive Entwicklung des Angreifers nicht sonderlich überraschend. „Jacob hat einfach Qualität“, sagt Wolf. Er habe in Stuttgart zwar nicht viel gespielt, aber trotzdem viel gelernt. „Nach vier Monaten in Stuttgart wusste jeder, dass er ein sehr, sehr guter Spieler ist – und er hat bei den Verantwortlichen einen Super-Ruf.“

Bruun Larsen weiter gut in Form

Am Samstag nun kehrt Bruun Larsen zurück nach Stuttgart. Seinen guten Ruf wird er wahren wollen. Die Form jedenfalls stimmt. Unter der Woche traf er für die dänische U 21 in der EM-Qualifikation beim 3:0 gegen die Färöer. Nicht auszuschließen, dass Michael Reschke am Wochenende wenig Spaß daran haben wird, Bruun Larsen beim Fußballspielen zuzusehen – und danach unangenehme Fragen beantworten muss.

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