Jadon Sancho und Erling Haaland – die doppelte BVB-Lebensversicherung

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Jadon Sancho und Erling Haaland gelten als wertvollste Spieler der Bundesliga. Für Borussia Dortmund sind beide nicht nur eine sportliche Lebensversicherung, sondern auch eine finanzielle.

Dortmund

, 23.04.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wer verstehen möchte, wie groß der Hype um Jadon Sancho in dessen Heimat England derzeit ist, dem sei ein gelegentlicher Blick in den britischen Boulevard empfohlen. Der „Daily Mail“ jedenfalls reichte jüngst ein Schluck Sanchos aus einer handelsüblichen Wasserflasche, um mal wieder einen großen Aufschlag über Borussia Dortmunds Offensivjuwel zu veröffentlichen.

BVB-Juwel Sancho trinkt Wasser – und England rastet aus

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Es war, das gilt es zu betonen, freilich nicht irgendein Schluck aus der Pulle, vielleicht war es ein richtungsweisendes Nippen, ein Wink mit dem Plastikpfahl sozusagen. Denn Sancho war live beim Internet-Fotodienst Instagram zu sehen, er bot seinen fast vier Millionen Fans auf dieser Plattform ein wenig Unterhaltung am Osterwochenende. Vielleicht vertrieb er sich auch einfach nur die Langeweile. Ein Nutzer schrieb: „Sip water if you‘re joining United.“ Frei übersetzt: „Nimm einen Schluck Wasser, falls du zu Manchester United wechselst“.

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Sancho grinste. Dann trank er einen Schluck Wasser. Und in England glühten die Tastaturen der Boulevardmedien. Diese Woche legte „The Sun“ nach. Angeblich sei der Vertrag zwischen Sancho und United längst ausgehandelt. Es fehle nur noch die Einigung beider Vereine bei der Ablösesumme. Nach Informationen dieser Redaktion trifft nichts davon zu.

BVB-Star Sancho bleibt eine der heißesten Aktien

Fest steht indes: Jadon Sancho bleibt, dafür braucht es keine Instagram-Livevideos, auch in der Corona-Krise eine der heißesten Aktien auf dem Transfermarkt, von dem aktuell niemand so genau weiß, wie er sich in den nächsten Monaten entwickeln wird. Hans-Joachim Watzke hat vor ein paar Wochen nicht ohne Grund öffentlichkeitswirksam in der „Bild am Sonntag“ erklärt, dass die Pandemie und ihre Auswirkungen nichts an Sanchos Preisschild änderten. „Wir haben schon vor Corona gesagt, dass es unsere liebste Vorstellung ist, dass Jadon weiter bei uns bleibt“, sagte der BVB-Boss und führte fort: „Klar sagen kann ich, dass selbst die ganz reichen Klubs trotz der existenziellen Krise jetzt nicht glauben müssen, dass sie bei uns auf Schnäppchen-Tour gehen können. Wir müssen niemanden unter Wert verkaufen.“ Soll bloß niemand auf die Idee kommen, Borussia Dortmund müsse seine Kronjuwelen verhökern, um gut durch die Krise zu kommen.

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Davon ist der BVB aktuell tatsächlich sehr weit entfernt. Der Klub hat keine Verbindlichkeiten, ist liquide und wird es – im Vergleich zu anderen Bundesligisten – auch noch lange bleiben. Trotzdem kann es in diesen Tagen nicht schaden, eine Lebensversicherung in der Hinterhand zu haben – und Borussia Dortmund hat in Jadon Sancho und Erling Haaland sogar mindestens zwei.

Borussia Dortmund: Nicht nur Sancho – auch um Haaland ranken sich Transfergerüchte

Denn nicht nur um Sancho ranken sich immer wieder Spekulationen, wie es ab dem Sommer weitergeht, auch Haaland hat es in Windeseile ganz nach oben auf die Speisekarte der internationalen Gerüchteküche geschafft, obwohl er noch nicht einmal seit einem halben Jahr für den BVB stürmt. So berichtete die spanische Boulevardzeitung „Marca“ am Osterwochenende, der Norweger werde dank einer Ausstiegsklausel bereits in diesem Sommer für 75 Millionen Euro zu Real Madrid wechseln.

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Das entsprach zwar nicht der Wahrheit, weil die Ausstiegsklausel in Haalands Vertrag nach Informationen dieser Redaktion frühestens im Sommer 2022 greifen kann, aber es beweist immerhin, dass der Sturmtank, der im Winter für 20 Millionen Euro festgeschriebene Ablöse aus Salzburg zum BVB wechselte, der „Marca“ mittlerweile schon eine Falschmeldung auf der Titelseite wert ist.

Dortmunds Chefetage nimmt Gerüchte um Sancho und Haaland gelassen

In Borussia Dortmunds Chefetage werden all die Schlagzeilen über Sancho und Haaland gelassen zur Kenntnis genommen – und durchaus auch mit ein bisschen Zufriedenheit, weil es auch eine Bestätigung dafür ist, dass es für den BVB auf dem Transfermarkt in den vergangenen Jahren unter dem Strich sehr gut gelaufen ist. Das intensive Scouten, die viele und frühe Überzeugungsarbeit, das Vertrauen in hochveranlagte Talente, das internationale Werben um die „High Potentials“, wie Sportdirektor Michael Zorc die besten jungen Fußballer auf der Welt gerne nennt – es zahlt sich mehr und mehr aus.

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Das Internetportal „transfermarkt.de“ will beispielsweise errechnet haben, dass Borussia Dortmund von den 20 wertvollsten Klubs in Europa in der Corona-Krise den geringsten Marktwert-Verlust zu verzeichnen hat, nämlich nur gut 15 Prozent. Zum Vergleich: Bei Bayern München sollen es knapp 20 Prozent sein. Das liegt vor allem daran, dass Borussia Dortmund viele junge und entwicklungsfähige Spieler unter Vertrag hat, die ihre besten Fußballer-Jahre womöglich noch vor sich haben. Diese Spieler bleiben auch in Krisenzeiten gefragt, wenn das Geld knapper wird. Vielleicht sind sie genau jetzt sogar gefragter denn je.

Marktwerte: Sancho und Haaland sind sehr wertvoll

Sancho und Haaland sind dafür die prominentesten Beispiele im Dortmunder Kader. Sanchos Marktwert wird trotz der Corona-Krise noch immer auf 117 Millionen Euro geschätzt, er ist der mit Abstand wertvollste Spieler der Bundesliga. Erling Haaland folgt mit 72 Millionen Euro auf Platz drei. Nur Leverkusens Kai Havertz (81 Millionen Euro) und Bayern Münchens Serge Gnabry (ebenfalls 72 Millionen Euro) bewegen sich ebenfalls auf diesem Niveau.

Ein gerade 20-Jähriger und ein noch 19-Jähriger sind auf dem Transfermarkt zusammen also fast 200 Millionen Euro wert – und Borussia Dortmunds großer Vorteil ist, dass sie in Schwarz und Gelb spielen und noch lange genug beim BVB unter Vertrag stehen. Sancho bis 2022 ohne Ausstiegsklausel, Haaland mit Ausstiegsklausel (ab 2022) im hohen achtstelligen Bereich bis 2024.

Sancho und Haaland sind die Trumpfkarten des BVB auf dem Transfermarkt

Sportlich steht ihr Wert für Borussia Dortmund ohnehin außer Frage. Sancho kommt in dieser Saison auf 36 Torbeteiligungen in 35 Pflichtspiel-Einsätzen, Haaland traf in elf Spielen für den BVB bereits zwölfmal und legte zwei Tore auf. Die doppelte sportliche Lebensversicherung ist in Corona-Zeiten aber auch eine doppelte finanzielle Lebensversicherung, Sancho und Haaland sind zwei Trumpfkarten auf dem Transfermarkt, falls die Krise den BVB doch härter treffen sollte als bislang angenommen.

Seit diesem Montag, als die Ministerpräsidenten Armin Laschet (NRW, CDU) und Markus Söder (Bayern, CSU) erklärten, dass Geisterspiele in der Bundesliga ab dem 9. Mai denkbar seien, scheint dieses Risiko deutlich kleiner zu sein. Dem Hype um Jadon Sancho und Erling Haaland wird all das gleichwohl ziemlich sicher keinen Abbruch tun. Der nächste Schluck aus der Gerüchte-Pulle kommt bestimmt.

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