Julian Weigl erlebt merkwürdige Saison - und steht vor ungewisser Zukunft beim BVB

rnBVB-Saisonrückblick

Julian Weigl hat eine merkwürdige Saison hinter sich. Erst war er auf seiner gewohnten Position ungewohnt unwichtig, dann war er auf einer ungewohnten Position gewohnt wichtig. Aber wie geht es jetzt weiter?

Dortmund

, 12.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Julian Weigl lässt es sich gerade gut gehen. Beim Internet-Fotodienst Instagram kann man das ganz gut verfolgen. Blauer Himmel, keine Wolken, es könnte alles schlechter sein. Und doch lässt sich Weigl nicht nur die Sonne auf den Pelz scheinen, er ist auch fleißig. Workouts zusammen mit Freundin Sarah Richmond und Hund Mason am Pool sowie Tennismatches auf Asche: Der 23 Jahre alte BVB-Profi hält sich fit. Auch im Urlaub.

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Neben aller Fitness wird sich Weigl auch Gedanken machen, wie es nach der Sommerpause für ihn weitergehen soll. Gehen oder bleiben? Es könnte alles einfacher sein. Hinter Weigl liegt eine Saison, die schwer zu greifen ist. Bis zum 17. Spieltag spielte er in der Bundesliga nur 150 Minuten, weil er auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld nicht an Axel Witsel und Thomas Delaney vorbeikam.

Julian Weigl mit dem gleichen Schicksal wie die weißen Gummibärchen

Ab dem 17. Spieltag spielte Weigl 1305 Minuten, weil dem BVB die Innenverteidiger ausgingen. In der Rückrunde spielte er in der Liga 13-mal 90 Minuten durch, elfmal in der Innenverteidigung, zweimal auf der Sechserposition.

Vielleicht lässt sich das alles am besten mit einer Tüte Gummibärchen vergleichen. Die roten sind zuerst weg, die weißen bleiben am längsten liegen. Und erst, wenn die roten, die gelben und sogar die grünen weg sind, wird irgendwann auch nach den weißen gegriffen, weil das ja schließlich immer noch besser ist, als gar keine Gummibärchen zu naschen. Und dann stellt man irgendwie fest, dass die weißen ja eigentlich auch gar nicht so schlecht sind. Weigl musste jedenfalls lange warten, bis BVB-Trainer Lucien Favre auf ihn zurückgriff.

Was will der BVB? Und was will Weigl?

Und nun stellen sich zwei Fragen: Was will der BVB? Und was will Weigl? Die erste lässt sich aktuell klar beantworten. Michael Zorc, BVB-Sportdirektor, hat jüngst in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe gesagt: „Julian hat einen langfristigen Vertrag bei uns – und wir haben überhaupt keine Intention, irgendwas daran zu ändern.“ Weigls Vertrag in Dortmund läuft noch bis 2021.

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Die zweite Frage lässt sich weit weniger klar beantworten. Bereits im vergangenen Winter wollte Weigl den BVB verlassen, Paris Saint-Germain um Ex-Trainer und Förderer Thomas Tuchel tauchte immer wieder als möglicher Interessent auf. Darüber hinaus macht Weigl keinen Hehl daraus, dass ihm die Position vor der Abwehr besser gefällt als die in der Abwehr. Zumal die Konkurrenz eher größer als kleiner werden dürfte.

Zwei Mal große Konkurrenz für Julian Weigl

Abdou Diallo, in der vergangenen Saison über weite Strecken Aushilfs-Linksverteidiger, wird durch die Verpflichtung Nico Schulz‘ ein Konkurrent für die vakante Position in der Innenverteidigung, in der Abwehrchef Manuel Akanji gesetzt ist. Auch Dan-Axel Zagadou und Winter-Neuzugang Leonardo Balerdi mischen im Kampf um den Platz neben Akanji mit. Weigl müsste also mindestens drei gelernte Innenverteidiger hinter sich lassen, um sein dauerhaftes Glück in der BVB-Abwehrzentrale zu finden. Eine rosige Perspektive sieht anders aus.

Das gilt auch fürs Mittelfeld, Weigls Wunschposition. Durch die Neuzugänge Thorgan Hazard und Julian Brandt bekommt Favre mehr Möglichkeiten in der Offensive, mehr Möglichkeiten, um in einem 4-1-4-1 oder seinem favorisierten 4-3-3-System spielen zu lassen. Beide Varianten sehen nur einen Sechser vor der Abwehr vor – und Weigl müsste an Witsel und Delaney vorbei. Eine rosige Perspektive sieht ganz anders aus.

Der BVB wird die Angebote für Weigl genau prüfen

Im vergangenen Winter schlossen die BVB-Verantwortlichen einen Wechsel Weigls kategorisch aus. Ob sich an diesem Standpunkt nichts geändert hat, so wie es Zorcs Aussagen vermuten lassen, darf zumindest bezweifelt werden. Sollte ein Angebot für Weigl ins Haus flattern, wird Borussia Dortmund es genau prüfen. Es winkt eine üppige Rendite, Weigl wechselte 2015 für 2,5 Millionen Euro von 1860 München, ein Verkauf in diesem Sommer würde wohl mindestens das Zehnfache in die Kassen spülen – und Weigls Chancen auf einen Stammplatz könnten woanders deutlich größer sein als in Dortmund. Ausgang offen.

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