Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kartoffelacker mit Charme ist ein schwieriger BVB-Spagat

rnStadion Rote Erde bereitet Sorgen

Das Stadion Rote Erde ist die Brutstätte des BVB. Heute trägt die zweite Mannschaft ihre Heimspiele im Schatten des Signal Iduna Parks aus. Eigentümer des Stadions ist die Stadt Dortmund. Der BVB wollte es ihr abkaufen - doch der Versuch scheiterte. Dauerreizthema ist der Rasen.

DORTMUND

, 02.03.2018 / Lesedauer: 4 min

Dieser Ort steckt voller Geschichte. Er trieft fast vor Nostalgie. Hier sind Heldengeschichten geschrieben worden, Legenden entstanden, große Europapokalabende bejubelt worden. Hier hat Borussia Dortmund den Grundstein für die drei Deutschen Meisterschaften 1956, 1957 und 1963 sowie den Europapokalsieg der Pokalsieger 1966 gelegt.

Große Vergangenheit

Aki Schmidt hat hier gespielt, Adi Preißler, Hoppy Kurrat auch. Dieser Ort kennt viele bedeutende Gesichter der langen Dortmunder Vereinsgeschichte. Neben der Weißen Wiese und dem Borsigplatz ist er die Brutstätte des BVB.

Wer durch das Stadion Rote Erde schlendert, kann die große Vergangenheit dieses Ortes atmen. Die weitläufigen Stehplatztribünen, die in die Jahre gekommenen Holzbänke auf der Haupttribüne, die urige Kneipe in den Katakomben: Die Zeit ist hier stehen geblieben. Das kleine Stadion im Schatten des mächtigen Signal Iduna Parks wirkt wie ein Museum, das zeigt, wie Fußball früher war, bevor die großen Arenen und die bunten Schuhe entstanden sind. Alles ist kleiner, alles ist einfacher - und vielleicht ist alles auch ein bisschen echter.

Die glanzvollen Tage sind vorbei

Doch die glanzvollen Tage sind lange vorbei. Die sagenumwobenen BVB-Schlachten von einst sind heute Fußballspiele der zweiten Mannschaft in der Regionalliga West. Früher kam Benfica Lissabon, heute kommt der SC Verl. Beziehungsweise hätte er am Sonntag kommen sollen, doch der Platz lässt erneut kein Fußballspiel zu. Sechs Nachholspiele schleppt die U23 der Borussia in dieser Saison nun mit sich herum, drei davon im eigenen Stadion. Der Rasen in der Roten Erde ist eine Problemwiese. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nennt ihn einen „Kartoffelacker“.

Kartoffelacker mit Charme ist ein schwieriger BVB-Spagat

Von oben sieht alles bestens aus. Die Rote Erde am Fuße des Signal Iduna Parks. © Foto: Oskar Neubauer

Zumindest hat Watzke ihn so genannt. Am 26. November des vergangenen Jahres auf der Mitgliederversammlung des BVB. „Wir wollten“, erklärte Watzke damals, „die Rote Erde von der Stadt kaufen - das geht aber nicht wegen der Leichtathleten.“ Mittelfristig komme Borussia Dortmund daher nicht drumherum, ein Amateurstadion zu kaufen oder zu bauen.

Der gescheiterte Kauf der Roten Erde durch den BVB ist nun gut zwei Jahre her. Ende 2015 fanden Klub und Stadt, die noch immer Eigentümer ist, nicht zusammen. Borussia Dortmund wollte sich durch den Kauf ein Alleinnutzungsrecht des Stadions sichern und es für den Spielbetrieb der U23 und der U19 modernisieren. Vor allem ein neues Spielfeld inklusive Rasenheizung sollte her.

Der BVB erdrückt den restlichen Sport in Dortmund

Doch die Stadt stellte die Bedingung, die Leichtathleten aus der Körnighalle nebenan müssten die Rote Erde weiter nutzen dürfen. Auch der Vorwurf, der BVB erdrücke den restlichen Sport in Dortmund, keimte auf. Der BVB verwarf die Kaufidee daraufhin relativ schnell.

Seitdem ist in der Roten Erde wenig passiert. Wie erwähnt, die Zeit steht hier ein bisschen still. Keine Rasenheizung, schlechter Platz: Alles ist beim Alten geblieben. „Das Spielfeld in der Roten Erde hat nicht den Zustand, den wir gerne hätten“, sagt Dr. Christian Hockenjos gegenüber dieser Redaktion. Nicht zuletzt auch deswegen habe es in der Vergangenheit einige Spielabsagen für die zweite Mannschaft gegeben, meint der Direktor Organisation des BVB.

Die Stadt sieht das anders. Der Platz in der Roten Erde sei gut und über Standard im Regionalliga Bereich, heißt es auf Anfrage. Oberbürgermeister Ullrich Sierau sagt: „Wenn der Rasen als schlecht oder als Acker bezeichnet wird, dann liegt das daran, dass dort Fußball gespielt wird und wurde - und der Rasen im Winter nicht nachwächst. Es liegt aber nicht an den Leichtathleten.“ Außerdem sei es möglich, „zusammen mit dem BVB eine neue Spielfläche zu verlegen, die auch für die Leichtathleten nutzbar wäre.“

Rasenheizung fehlt

Daran haben die Entscheidungsträger bei Borussia Dortmund erhebliche Zweifel. Hammer- und Sperrwerfer vertrügen sich nicht besonders gut mit einer Rasenheizung, hört man aus Vereinskreisen. Gleichwohl wolle man auch kein weiteres Öl ins Feuer kippen.

Für den BVB ist es ein schwieriger Spagat. Auf der einen Seite möchte man die Bedingungen für die zweite Mannschaft verbessern, auf der anderen Seite steht die enge emotionale Bindung zur Roten Erde. Eine Lösung in dem unter Denkmalschutz stehenden Stadion wäre die charmanteste, ist derzeit aber nicht in Sicht.

Kartoffelacker mit Charme ist ein schwieriger BVB-Spagat

Beim genaueren Hinsehen wird deutlich: An einigen Stellen ist nicht mehr viel Rasen übrig. © Foto: Florian Groeger

Für den Fall, dass Hans-Joachim Watzke seinen Worten aus dem vergangenen November also Taten folgen lassen möchte, kündigt der Dortmunder Oberbürgermeister Sierau schon einmal an: „Wenn der BVB ein neues Amateur- und Junioren-Stadion bauen will, werden wir bei der Standortsuche behilflich sein.“ Wie Aki Schmidt, Adi Preißler und Hoppy Kurrat das wohl alles fänden?

Lesen Sie jetzt