Kollektivstrafe für die "Süd": BVB kann nur verlieren

Der Kommentar

Der DFB-Kontrollausschuss fordert eine Sperrung der Südtribüne und 100.000 Euro Geldstrafe für Borussia Dortmund nach den Vorkommnissen beim Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig am vergangenen Samstag. Es ist eine erwartet harte Forderung. Die Begründung des DFB-Kontrollausschusses birgt jedoch Merkwürdigkeiten. BVB-Reporter Matthias Dersch kommentiert.

DORTMUND

, 10.02.2017, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kollektivstrafe für die "Süd": BVB kann nur verlieren

Die Südtribüne soll bei einem Liga-Spiel leer bleiben.

Es war allgemein erwartet worden, dass der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach den hässlichen Szenen beim Bundesliga-Spiel gegen Leipzig harte Strafe für Borussia Dortmund fordern würde. Und so ist es jetzt auch gekommen. Eine Komplettsperrung der legendären Südtribüne würde den Klub - und viele unschuldige Fans - schmerzhaft treffen.

Mit dem Rücken zur Wand

Doch der BVB steht mit dem Rücken zur Wand. Alles andere, als die Annahme der Forderung nach der angekündigten Prüfung bis zum kommenden Montag, käme überraschend. Zu groß wäre sonst wohl der Aufschrei einiger Empörter, die dem Klub unterstellen würden, sich nicht energisch genug von den Chaoten in den eigenen Reihen zu distanzieren.

Die Begründung des DFB-Kontrollausschusses enthält allerdings einige Merkwürdigkeiten, die es dem BVB neben der angedrohten Kollektivbestrafung, mit der Tausende unschuldige Anhänger getroffen würden, zusätzlich schwer machen dürften, den Forderungen so ohne weiteres zuzustimmen.

Weitreichende Folgen

Sie bezieht sich nämlich nicht allein auf die teils beleidigenden und gewaltverherrlichenden Banner, die auf der Südtribüne vor der Partie am vergangenen Samstag gezeigt wurden, auf das Werfen von Bierbechern und die Benutzung von Laserpointern, um die Leipziger Spieler zu blenden. Stattdessen werden auch beleidigende Banner im Hinspiel in Leipzig, das Abbrennen von Pyrotechnik in Mainz und nicht näher benannte Schmähgesänge beim Spiel in Hoffenheim aufgeführt.

Während die ersten beiden Punkte noch nachvollziehbar sind, da der BVB ohnehin unter Bewährung steht, könnte der letzte Punkt weitreichende Folgen haben, sofern die Schwarzgelben ihn akzeptieren - und zwar nicht nur für den BVB, sondern auch für alle anderen Klubs der Liga.

Weltfremde Forderung

Denn Schmähgesänge auf den Tribünen gibt es in nahezu jedem Spiel. Nicht nur in Dortmund. Jeden einzelnen zu sanktionieren, würde für den Kontrollausschuss und das Sportgericht des DFB viel Arbeit bedeuten. Und für die Klubs könnte es regelmäßig teuer werden. Es ist eine völlig (Fußball-)weltfremde Forderung. Das zeigen allein die Tweets mit dem Hashtag #faireGesaenge, mit denen derzeit auf Twitter der DFB-Kontrollausschuss auf die Schippe genommen wird.

#faireGesaenge-Tweets

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