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Kriegsende 1945: Wie der BVB seinen Namen verlor

Borussia Dortmund

Nach dem Kriegsende 1945 hat der BVB seinen Namen verloren. Eine Handvoll Ur-Borussen sorgten dafür, dass Borussia Dortmund heute wieder so heißt.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 19.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Max Michallek, hier 1949 im Zweikampf mit Ottmar Walter, wollte nach dem „Namensverlust“ den BVB 1945 verlassen.

Max Michallek, hier 1949 im Zweikampf mit Ottmar Walter, wollte nach dem „Namensverlust“ den BVB 1945 verlassen. © Kolbe

Dortmund liegt 1945 in Trümmern, die Innenstadt ist zu 93 Prozent zerstört. Der BVB - wie alle anderen Vereine auch - hört auf zu existieren. Die Alliierten haben den Sport, der von den Nazis als Kriegsvorbereitung missbraucht worden war, zunächst kategorisch unterbunden, dann aber nach kurzer Zeit diese Anweisung etwas gelockert. Erst nach und nach kehren die Spieler aus der Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück. Nicht Jedem jedoch ist diese Rückkehr vergönnt. Viele große Talente des BVB bezahlten Hitlers Wahnsinn mit dem Leben.

Kapitulation und BVB-Vereinssitzung

Schon wenige Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 treffen sich August Busse, Franz Jacobi, Heinrich Unger, Heinrich Karsten, Egon Pentrup, Fritz Weller und einige andere Getreue in der Gaststätte von Willi Schneider am Borsigplatz zur ersten BVB-Vereinssitzung nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Die Bestandsaufnahme ist trostlos. Alle Unterlagen des BVB sind vernichtet, eine Brandbombe hat die Geschäftsstelle in der Oesterholzstraße 60 völlig zerstört. Dort war der BVB am 19. Dezember 1909 einmal gegründet worden. Hinzu kommt: Jede Benutzung eines Sportplatzes ist von der Genehmigung der britischen Militärregierung abhängig, das erste provisorische „Training“ der Rumpfmannschaft findet auf der Kegelbahn der Gaststätte „Haus Herzog“ am Borsigplatz statt.

Richtungsweisende Besprechung in der BVB-Geschäftsstelle

Kurze Zeit später findet in der „kriegsversehrten“ BVB-Geschäftsstelle eine richtungweisende Besprechung statt: In Anwesenheit des einflussreichen späteren Sportdezernenten Fritz Kauermann sprechen die Verantwortlichen über die Wiedergeburt des Sports in unserer Stadt. Kauermann vom früheren Arbeiter-, Turn- und Sportverband hat das Sagen in dieser Runde. Mit dem Arbeitersportkartell hatte er am 13. Juni 1926 schon als Staffelläufer an der Eröffnung der Kampfbahn „Rote Erde“ teilgenommen und unter dem Verbot des Arbeitersports durch die Nazis auch persönlich sehr gelitten.

Borussia Dortmund Westdeutscher Meister 1953. Fritz Kauermann, der mächtige Dortmunder Sportfunktionär, zweiter von links in der hinteren Reihe.

Borussia Dortmund Westdeutscher Meister 1953. Fritz Kauermann, der mächtige Dortmunder Sportfunktionär, zweiter von links in der hinteren Reihe. © Kolbe

Kauermann hat schon gegen Ende April 1945 Kontakte zu den Alliierten aufgenommen, um den Sport in Dortmund „demokratisch“ neu zu strukturieren. Unmittelbar nach der Kapitulation wurde er Stadtsportbeauftragter der britischen Militärregierung und des Regierungspräsidenten in Arnsberg. Später gründete er den Kreissportverband Dortmund – heute Stadtsportbund – und war dessen langjähriger Vorsitzender. Für den Wiederaufbau des gesamten hiesigen Sports nach 1945 wurde er über mehr als zwei Jahrzehnte die herausragende Persönlichkeit.

Fritz Kauermann verdeutlicht Auflagen der Briten

Kauermann verdeutlicht in der Besprechung mit den Borussen die Auflage der Briten, nur politisch einwandfreie Vereinsfunktionäre zu akzeptieren und örtliche Großvereinen zu bilden. Gemeinsame Vorstellung sei es, so Kauermann weiter, auch den BVB aufzulösen und per Fusion in den Arbeitersport zu integrieren.

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Selbst den künftigen Namen hat er schon parat: „Freie Sportgemeinschaft Borussia von 1898“. Unter diesem Namen wird der BVB für einige wenige Wochen bei der Militärregierung geführt. Die „Sportgemeinschaft Borussia“ entsprang einer Fusion mit dem „Freien Sportverein 1898“ und der Werksportgemeinschaft der Hoesch AG. Aus letzterer stammten übrigens so erfolgreiche BVB-Akteure wie Heinrich Ruhmhofer und Fritz Ibel, die mit den Borussen 1949 Deutscher Vizemeister wurden.

Ur-Borussen widersetzen sich: BVB heißt wieder Borussia Dortmund

Aber die Borussen widersetzen sich einmal mehr in ihrer Vereinsgeschichte - schon am 15. Juli 1945 gilt wieder der „alte“, traditionsreiche Name. Das war auch gut so, denn die BVB-Akteure sahen sich ihrer Identität beraubt. Der große Max Michallek, Borussias liebstes und talentiertestes Eigengewächs, liebäugelte sogar mit einem Wechsel nach Holzwickede. Die Vereinsvertreter führten den Alliierten gegenüber erfolgreich ihre drei Widerstandskämpfer gegen Hitler argumentativ ins Feld, von denen zwei (Heinrich Czerkus und Franz Hippler) von den Nazis ermordet worden waren, Hinzu kam, dass sich der frühere Präsident Egon Pentrup 1933/34 den damaligen Machthabern nicht gebeugt hatte. Er war nicht, wie gefordert, in die NSDAP eingetreten, sondern hatte stattdessen sein Amt als Präsident zur Verfügung gestellt. Als „graue Eminenz“ im Hintergrund bestimmte er aber weiterhin bis 1945 die Vereinsgeschicke mit. Diese Argumente waren hieb- und stichfest und überzeugten!

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In der Jubiläumspublikation zum 60. Bestehen beschreibt der BVB die damalige Situation wie folgt: „Der Name BVB Borussia 09 war uns aberkannt worden. Man wollte uns mit anderen Sportvereinen verschmelzen. Aber Dank unserer Initiativen wurden wir später unter Beibehaltung früherer Rechte doch wieder der alte BVB. Das war die Wiedergeburt unseres Vereins. Am 15. Juli 1945 bestätigte die Militärregierung des kommissarischen Vorstand mit Willi Bietzek als Vorsitzenden und Schriftführer sowie Franz Jacobi als Stellvertreter.“

Erstes Freundschaftsspiel nach dem Zweiten Weltkrieg

Das erste Freundschaftsspiel nach dem Zweiten Weltkrieg macht der BVB im Hoeschpark – das Stadion Rote Erde war im März 1945 weitgehend durch Bombenangriffe zerstört worden und die Nutzung oblag ausschließlich den Briten – gegen Unna 07/08. Die Partie endet vor 20.000 Besuchern 4:4 – und Borussia Dortmund heißt wieder Borussia Dortmund.

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