Kurskorrektur muss her: Hummels fehlt beim DFB an allen Ecken und Enden

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Das DFB-Debakel in Spanien wirkt nach. BVB-Abwehrchef Mats Hummels fehlt an allen Ecken und Enden. Es ist Zeit für eine gravierende Kurskorrektur. Dirk Krampe kommentiert.

Dortmund

, 18.11.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Früher war alles besser, sagt der Volksmund. Diese These hält nun nicht jeder Überprüfung stand, für die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft allerdings würde man für diese Einschätzung reichlich Zustimmung ernten. Erst recht nach diesem 0:6 in Spanien. Wen es überhaupt noch interessierte, was Deutschlands einstige Vorzeigemannschaft da in Sevilla bot oder vielmehr nicht, den schüttelte es während dieser 90 Minuten immer wieder kräftig durch.

Löws Zeit als Bundestrainer wird spätestens im Sommer enden

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Inmitten der vernichtenden Kritik nach einem Debakel, das sich in dieser Dimension so nicht abgezeichnet hatte, steht der Bundestrainer ganz besonders am Pranger. Das ist ein normaler Vorgang, sollte er zumindest sein im Profisport, wo vordergründig Ergebnisse zählen und der Trainer gut dafür bezahlt wird, eine Mannschaft aufzustellen, die diese Ergebnisse auch erzielen kann. Bei Joachim Löw tat man sich allerdings lange schwer damit, was natürlich mit 2014 zu tun hat, mit dem Triumph von Rio - auch wenn Löw schon damals ähnlich verzweifelt um Sympathiewerte kämpfte wie die deutsche Elf am Dienstag gegen einen erkennbar übermächtigen Gegner.

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Rio ist nun lange her, Löws Zeit als Bundestrainer wird spätestens im Sommer enden, womöglich ja auch schon früher. Zum Verhängnis könnte ihm werden, dass er mit einem ehernen Grundsatz gebrochen hat. Früher galt: Die Besten sollen Deutschland repräsentieren. Löw ist davon abgewichen, als er im Nachgang der großen Enttäuschung bei der Weltmeisterschaft 2018 gleich drei Weltmeister von Rio aussortierte. Es künftig ohne Jerome Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels versuchen zu wollen, entpuppte sich eher als überzogene Panikreaktion denn als wohl durchdachte und in die Zukunft ausgerichtete Kaderplanung.

Kroos und Gündogan sind mit ihrer Rolle überfordert

Rückblickend lässt sich sagen: Der Statik des Teams haben diese Entscheidungen nicht gutgetan. Es war ein großer Trugschluss, die geballte Erfahrung dieses Trios in so kurzer Zeit gleichwertig ersetzen zu können. Nichts anderes war das Ziel, denn von den großen Ambitionen wollte auch der Trainer nicht abrücken. Hummels und Müller aber fehlen sportlich und auch als Führungsspieler an allen Ecken und Enden. Ein solcher wird Toni Kroos nie werden, auch ein Ilkay Gündogan ist mit dieser Rolle überfordert, er selbst stuft sich ja noch nicht einmal als Stammspieler ein.

Joachim Löws Zeit als Bundestrainer wird spätestens im Sommer enden.

Joachim Löws Zeit als Bundestrainer wird spätestens im Sommer enden. © imago / ZUMA Wire

Dazu gesellt sich in der Defensive fehlende fußballerische Qualität. Dort mussten unerfahrene Kräfte wie ein Robin Koch viel zu schnell Verantwortung übernehmen und waren damit überfordert. Wie auch andere, die in ihren Vereinsmannschaften nicht einmal Stammspieler sind, dann aber die deutsche Abwehr stabilisieren sollten.

Ausgedehnte Schlechtwetterfront über der DFB-Zentrale

Schon früh wurden die Rufe nach einer Rückkehr von Hummels laut. Der zeigte nach seiner Ausbootung im März 2019 in seinem letzten Halbjahr in München eine starke Trotzreaktion und wies auch nach seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund nach, auf seiner Position immer noch zu den Top-Spielern in Europa zu gehören. Wer Löw kennt, konnte allerdings erahnen, dass er in dieser Frage nicht einknicken würde. Zur bekannten Sturheit in Personalfragen gesellte sich auch noch ein zunehmend eigenbrötlerisches Handeln, durch das sich Löw in eine Ecke manövrierte, in der er der nun geballten Kritik ziemlich schutzlos ausgeliefert ist.

„Dunkle Wolken“ hatte Teammanager Oliver Bierhoff über der DFB-Elf ausgemacht, dies aber vor allem auf das schwindende Standing der Nationalelf bei den deutschen Fußballfans bezogen. Jetzt, so scheint es, hängt eine ausgedehnte Schlechtwetterfront über der DFB-Zentrale in Frankfurt fest. Stimmung mies, Ergebnisse mies, Weiterentwicklung längst nicht so erkennbar wie gewünscht - noch wäre Zeit für eine gravierende Kurskorrektur.

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