Letzte Chance für Favre beim BVB - Zorc sieht „keinen Schritt aus der Krise“

rnBorussia Dortmund

Beim BVB bleibt die Situation extrem angespannt - auch für Trainer Favre, der wohl nur noch eine weitere Chance bekommt. Sportdirektor Zorc sieht „keinen Schritt aus der Krise“.

Barcelona

, 28.11.2019, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc verwies nach dem 1:3 in Barcelona auf die Verantwortung aller, aber der Ausblick auf die kommende Aufgabe gab einen Hinweis auf den Endspiel-Charakter der Partie am Samstag (15.30 Uhr) bei der Hertha in Berlin. „Da“, meinte Zorc, „wollen wir die Wende schaffen.“

Zorc erlebt Favre sehr fokussiert und kämpferisch

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Den Trainer erlebt Zorc in der momentan kritischen Phase „sehr fokussiert und kämpferisch“, in der Tat wirkte es manchmal so, als wolle Favre an der Seitenlinie mitverteidigen, so engagiert dirigierte der Schweizer die Spieler in der Phase, als Barcelona Mitte der ersten Halbzeit den Druck massiv erhöhte und Lionel Messi sich in einen wahren Spielrausch steigerte.

Durch die Niederlage ist das erste Saisonziel der Borussia nun auch ganz offiziell in Gefahr. Das 3:1 Inter Mailands im Parallelspiel war ein zusätzlicher Stimmungs-Killer in der Dortmunder Kabine, dass der BVB nun auf fremde Hilfe angewiesen ist, sei „keine schöne Situation“, wie Zorc zugab.

Offensivgewalt bricht über den BVB hinein

Schon während des Spiels verschlechterte sich das Gefühl bei den Dortmunder Spielern minütlich. Der BVB begann noch ordentlich, nach 65 Sekunden gab es „eine 100-protzentige Chance, die wir nutzen müssen“, wie Zorc feststellte. Doch dann: Eine „Offensivgewalt“ sei da über die Borussia hereingebrochen, gestand Mats Hummels. „Das hat heute den Unterschied ausgemacht, vor allem Messi hat den Unterschied ausgemacht. „Er ist der beste Spieler, den ich in meiner Karriere erlebt habe. Einfach perfekt!“

Letzte Chance für Favre beim BVB - Zorc sieht „keinen Schritt aus der Krise“

Gibt sich fokussiert und kämpferisch: BVB-Trainer Lucien Favre. © dpa

Messis Klasse zeigte sich vor allem in den Situationen, in denen Ballverluste des BVB den Katalanen die Chance zu schnellem Umschaltspiel ermöglichten. Alle drei Gegentore fielen nach diesen Spielsituationen. Es war beeindruckend, wie Messi der Ball wie ein Magnet am Fuß klebte, wie rasend schnell er das Tempo erhöhte und mit welch‘ gutem Auge er die richtige Auslösehandlung nach Ballgewinnen wählte und damit den BVB in totaler Unordnung überraschte. Dagegen fand Borussia Dortmund kein wirksames Verteidigungsmittel.

Der BVB ist auswärts nicht einmal die Hälfte wert

Über gute Ansätze kam der BVB im Camp Nou nicht hinaus. Die Bühne gehörte allein dem Mann der Heimmannschaft mit der Nummer 10 auf dem Rücken. „Wir haben keine Lösungen gefunden, als sie uns hinten reingedrängt haben“, gab Torhüter Roman Bürki zu, „dass sie Powerplay in unserer Hälfte spielen, war nicht der Plan.“ Messi kam wie eine Urgewalt daher, kein Vergleich mehr zu seinem zaghaften Auftritt in Dortmund direkt nach seiner langen Verletzungspause. Es war eine One-Man-Show, der BVB, meinte der Schweizer Torhüter Bürki, habe eigene Chancen nach der in der zweiten Spielminute erst dann wieder gehabt, „als sie ein paar Gänge zurückgeschaltet haben.“

„Wer 1:3 verliert, der hat keinen Schritt aus der Krise gemacht.“
Michael Zorc

Das Katz- und Maus-Spiel des Argentiniers riss die Zuschauer auf den Rängen bisweilen von den Sitzen. Barcelonas Serie von 34 Champions-League-Heimspielen in Serie ohne Niederlage geriet nicht ernsthaft in Gefahr. Auch die Serie hielt, die besagt, dass der BVB auswärts in dieser Saison nicht einmal die Hälfte wert ist. Nur eins der vergangenen acht Pflichtspiele in der Fremde hat Dortmund gewonnen, das war beim 2:0 in Prag Anfang Oktober. Viel zu wenig für ein Team mit den Ambitionen der Borussia.

Eigenwerbung konnte der in seiner Position arg geschwächte Lucien Favre auf der Dienstreise nach Spanien nicht machen. „Wer 1:3 verliert, der hat keinen Schritt aus der Krise gemacht“, stellte Zorc nüchtern fest. Mit der Verbannung von Jadon Sancho auf die Ersatzbank handelte Favre zwar in die eine Richtung konsequent, die Variante mit Nico Schulz auf dem offensiven Flügel aber ging andererseits voll in die Hose. Schulz, dessen Startelf-Berechtigung ohnehin nicht jeder unterschrieben hätte angesichts seiner Leistungen zuletzt, schleppte auch im Camp Nou einen Riesen-Rucksack auf dem Rücken mit sich herum. Favre tat dem Ex-Hoffenheimer keinen Gefallen.

Sancho zeigt nach seiner Einwechslung eine echte Reaktion

Den Fehler korrigierte er zur Pause. Und Sancho, dem Favre den vollen Fokus und die volle Bereitschaft vor dem Anpfiff noch abgesprochen hatte, zeigte immerhin dann eine echte Reaktion. Sein Auftreten, seine Leistung und sein Treffer können als die wenigen Mutmacher herhalten für das Spiel, das über Favres Zukunft als BVB-Trainer entscheiden könnte. Gewinnen der BVB und Favre am Samstag in Berlin nicht, ist die Vereinsführung zum Handeln gezwungen. Fast trotzig meinte Favre nach der Partie: „Es ist eine sehr schwierige Situation. Aber ich bin überzeugt, dass wir das schaffen werden. Ich habe Vertrauen.“ Das der BVB-Bosse ist an einer Grenze angekommen.

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