Lewandowski-Triple krönt das BVB-Double

So triumphierte Schwarzgelb

Um 22:13 Uhr riss Kapitän Sebastian Kehl den deutschen Pokal in die Höhe. Borussia Dortmund hat am Samstagabend mit dem 5:2 (3:1) im Endspiel von Berlin eine herausragende Saison zu einer historischen veredelt. Erstmals in der 103-jährigen Vereinsgeschichte holt der BVB das Double aus Meisterschaft und Pokal.

BERLIN

von Von Dirk Krampe

, 12.05.2012, 22:56 Uhr / Lesedauer: 3 min
Um 22:13 Uhr reckt BVB-Kapitän Sebastian Kehl den DFB-Pokal in die Höhe.

Um 22:13 Uhr reckt BVB-Kapitän Sebastian Kehl den DFB-Pokal in die Höhe.

Bevor die fast schon abgestiegene Hertha in der Zweitliga-Tristesse versinken wird, erlebte die deutsche Hauptstadt am Samstagabend noch einmal die ganze Schönheit des Fußballs. Zelebriert von elf Kickern in Schwarzgelb, die das Spiel auch im deutschen Pokalfinale auf ein neues Niveau hoben.  Und auf den Rängen hätte die Stimmungslage unterschiedlicher nicht sein können. In der Ecke des Marathon-Tors feierten 30.000 Dortmunder eine riesige Party, auf der Gegenseite verharrten die Fans in Rot in Schockstarre. „Den Pott gewinnen wir, die Ruhr könnt Ihr behalten“, hatten die Bayern-Fans in ihrer Kurve auf ein riesiges Transparent geschrieben – Borussia Dortmunds Elf aber brauchte nur drei Minuten, um klar zu machen, dass das nicht ihr Ziel an diesem Abend sein würde.

Schon mit dem ersten Angriff ging der BVB in Front – die frühe Führung verdankte der Deutsche Meister allerdings einem katastrophalen Rückpass von Luis Gustavo. Jakub Blaszczykowski schaltete am schnellsten, legte quer auf den mitgelaufenen Shinj Kagawa, der aus acht Metern mühelos einschieben konnte (3.).

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Pokalfinale 2012: Das Spiel

Borussia Dortmund hat den Traum vom ersten Double der Vereinsgeschichte wahr gemacht und Rekord-Champion Bayern München erneut gedemütigt. Wie im Kampf um die Meisterschaft erwies sich der BVB am Samstag auch im Berliner DFB-Pokalfinale als das bessere Team und gewann durch Tore von Shinji Kagawa (3. Minute), Mats Hummels (41./Foulelfmeter) und Robert Lewandowski (45.+1/58./81.) zum 5:2 (3:1) zum dritten Mal nach 1965 und 1989 den begehrten Pott.
12.05.2012
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Robert Lewandowski und der BVB beginnen die 50. Spielzeit der Fußball-Bundesliga gegen Werder Bremen.© Foto: dpa
Jerome Boateng gegen Sebastian Kehl - in den ersten 60 Minuten war das Pokalfinale ein enges Spiel.© Soeren Stache (dpa)
Der Blitzstart: Kuba legt vor Manuel Neuer quer zu Shinji Kagawa, der in der 3. Minute dsa 1:0 für den BVB erzielte.© Hannibal Hanschke (dpa)
Roman Weidenfeller musste verletzt runter, Mitch Langerak ersetzte ihn.© Hannibal Hanschke (dpa)
Auch von Bastian Schweinsteiger nicht vom Ball zu trennen: BVB-Torjäger Robert Lewandowski.© Soeren Stache (dpa)
Diese Szene führte zum Strafstoß und zum 2:1 für Borussia: Jerome Boateng grätscht Kuba um.© Kay Nietfeld (dpa)
Münchens Torhüter Manuel Neuer gelingt es fast, den Strafstoß von Mats Hummels zu parieren. Fast ...© Hannibal Hanschke (dpa)
Shinji Kagawa bestritt eventuell sein letztes Spiel für Borussia Dortmund.© Thomas Eisenhuth (dpa-Zentralbild)
Shinji Kagawa brachte Bayerns Luiz Gustavo in der ersten Hälfte mehrfach in Verlegenheit.© Soeren Stache (dpa)
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Weil der BVB sich weit zurückzog und Münchens Kroos im Aufbau viele Freiräume ließ, erspielten sich die Bayern danach ein deutliches optisches Übergewicht. Und nach Hummels‘ Fehler in der Ballannahme konterten die Bayern über Robben, der Gomez steil schickte. BVB-Keeper Roman Weidenfeller musste Kopf und Kragen riskieren und nach dem Zusammenprall mit dem FCB-Stürmer minutenlang behandelt werden – ein Zweikampf, der Folgen haben sollte.

Die Bayern waren nun klar überlegen und kamen schnell zum verdienten Ausgleich: Wieder ging es steil auf Gomez, Hummels hob das Abseits auf, Weidenfeller zögerte einen Moment beim Herauslaufen und kam dann gegen den Nationalstürmer zu spät – Elfmeter für die Bayern. Wie im Liga-Gipfel vor wenigen Wochen trat Arjen Robben an, wieder wählte er die rechte Ecke vom Schützen aus, verlud aber diesmal Weidenfeller und traf zum 1:1 (25.). Mit dem Rückenwind des Ausgleichstreffers legten die Bayern nach – der starke Ribery düpierte links Piszczek, sein Rückpass landete bei Lahm. Dessen Linksschuss rettete Hummels mit letzter Mühe auf der Linie (32.). Zwei Minuten später musste Dortmund wechseln. Weidenfeller, der nach dem Zusammenprall mit Gomez über starke Schmerzen im Oberbauch klagte, ging raus. Mitch Langerak, schon in den Pokalspielen gegen Dresden und Kiel im Tor, ersetzte ihn. Dortmunds Nummer 1 wurde mit dem Notarzt in eine Berliner Klinik gebracht, war aber zur Pokalübergabe rechtzeitig wieder im Stadion.

Als die Bayern endgültig die Spielkontrolle erlangt hatten, ging der BVB wieder in Führung: Boateng ging rüde gegen Blaszczykowski in den Zweikampf, Hummels traf vom Punkt (39.). Und diesen Nackenschlag verdauten die Bayern nicht. Endlich spielte der BVB zielstrebig in die Spitze, Lewandowski legte auf Kagawa ab, der passte mustergültig zurück in den Lauf des Polen – 3:1 (45.). Wie im Meisterschaftsfinale trübten einige Idioten im Dortmunder Fanblock die fröhliche Feierstimmung in der Pause – nachdem im BVB-Block mehrere bengalische Feuer gezündet wurden, vernebelte dichter Rauch die Sicht. Die zweiten 45 Minuten wurden mit vier Minuten Verzögerung angepfiffen, Dortmund wird mit der nächsten fetten Geldstrafe die Quittung für das völlig inakzeptable Verhalten der unbelehrbaren Anhänger erhalten.

Bayerns Coach Jupp Heynckes hatte zur Pause reagiert und Thomas Müller für den schwachen Gustavo gebracht. Kroos rückte neben Schweinsteiger auf die Doppel-Sechs. Mit der noch offensiveren Ausrichtung eröffneten sich für die konterstarken Dortmunder riesige Räume – das 4:1 war die fast logische Konsequenz. Kagawa bediente den mitgelaufenen Großkreutz, der passte quer auf Lewandowski. Das zweite Tor des Polen (58.). Danach spielte der BVB mit den resignierenden Gästen bisweilen Katz und Maus, hatte allerdings auch Glück, als Gomez nach toller Vorarbeit von Ribery per Kopf nur die Latte traf (68.). Der Franzose selbst erzielte immerhin noch das 2:4 (75.), ehe Robert Lewandowski mit seinem dritten Treffer nach schlimmem Fehler von Manuel Neuer endgültig alles klar machte (81.) – 5:2.

Das Pokalfinale zementierte die derzeit herrschende Vormachtstellung der Elf von Jürgen Klopp , die eine berauschende Spielzeit mit dem perfekten Schlusspunkt krönte. Als Schiedsrichter Peter Gagelmann um 21:54 Uhr abpfiff, ging die schwarzgelbe Jubelfeier in die nächste Runde.

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