Löwe wartet auf nächste Chance

Extreme Gefühlswelten

Beim Saisonauftakt gegen den Hamburger SV (3:1) und eine Woche später in Hoffenheim (0:1) durfte Chris Löwe (22) über zwei Mal 90 Minuten süße Bundesliga-Luft atmen. Eine Woche später musste er nach Marcel Schmelzers Genesung den Heimsieg über den 1. FC Nürnberg (2:0) von der Tribüne aus verfolgen. Eine Wanderung zwischen extremen Gefühlswelten – und das binnen sieben Tagen.

DORTMUND

von Von Dirk Krampe

, 05.09.2011, 22:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Chris Löwe, hier im Kopfballduell mit dem Hamburger Gojko Kacar, hat gezeigt, dass er auf der linken Seite eine echte Alternative ist. Der Ex-Chemnitzer will sich weiter anbieten.

Chris Löwe, hier im Kopfballduell mit dem Hamburger Gojko Kacar, hat gezeigt, dass er auf der linken Seite eine echte Alternative ist. Der Ex-Chemnitzer will sich weiter anbieten.

Trainer Jürgen Klopp (44) bezeichnete die Entscheidung gegen Löwe damals als „erste Härtefall-Entscheidung dieser Saison. Davon wird es in Zukunft noch einige mehr geben.“ Klopps „nächstes Super-Talent“ (Bild) hat seither versucht, sich im Training weiter anzubieten, stand auch in Leverkusen nicht im Kader und hat stattdessen zwei Mal im Dortmunder Regionalliga-Team gespielt. „Das erschien mir und den Trainern sinnvoller, als wenn ich über 90 Minuten bei den Profis auf der Bank gesessen hätte.“ Insofern ist für Chris Löwe so etwas wie Alltag eingekehrt. Als er im Sommer nach Dortmund kam, blickte er neben sich in der Kabine in Gesichter, die er nur aus dem Fernseher kannte. Fast ehrfürchtig hockte er dort neben den Kehls und Weidenfellers, „es war der Eintritt in eine völlig neue Welt für mich.“

Lernen wollte Löwe, sich so viel wie möglich abschauen auch von seinem Positions-Konkurrenten Schmelzer, der ihm wie kein anderer als Vorbild dienen konnte. Weil er vorgemacht hat, wie auch Löwes Weg aussehen könnte. Und vielleicht, hoffte Löwe, werde es sich ja so ergeben, „dass ich das ein oder andere Mal zum Kader gehöre, das wäre schon ein Traum.“ In der Realität hat Chris Löwe seine Träume längst überflügelt. Klopp bescheinigte dem 22-Jährigen eine „sensationelle Vorbereitung“, er spielte vor 60 000 beim Supercup in der Veltins-Arena auf Schalke, und 80 000 Fans riefen eine Woche später seinen Namen, als er gegen den HSV in den Signal Iduna Park einlief.

Mittlerweile ist es ein Stück Normalität, mit Sebastian Kehl zu plaudern, Löwe sieht sich als vollwertiges Kadermitglied und verkündet daher selbstbewusst, dass es durchaus sein Ziel sei, „bald wieder im Kader zu stehen.“ In einer Woche beginnt für den BVB das Abenteuer Champions League, die Belastungen werden mit den englischen Wochen steigen. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass sein Trainer zumindest im Kleinen eine Art Rotationsprinzip einführt. „Die Saison“, sagt Löwe, „ist sehr lang. Wir haben die Champions League als zusätzlichen Wettbewerb, das wird eine ganz spezielle Erfahrung für uns alle. Ich hoffe darauf, dass ich weitere Chancen bekommen werde.“

Auch wenn Klopp zuletzt auf Chris Löwe verzichtete, wird er froh sein, ihn zu haben. Beide Außenverteidiger-Positionen sind im Kader nicht gerade üppig besetzt, zumal Patrick Owomoyela rechts gerade erst von einer langwierigen Verletzung zurückkehrt. Und über Lukasz Piszczek schwebt immer noch das Damokles-Schwert einer internationalen Sperre. Löwes nächste Chance könnte genauso schnell kommen wie vor vier Wochen.

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