Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer: Geisterabschied beim BVB?

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Am 34. Spieltag werden die Zuschauer in den Stadien noch mehr fehlen. Beim BVB droht besonderer Herzschmerz. Auch wenn es richtig ist, bleibt es traurig. Ein trister Blick in die Zukunft.

Dortmund

, 12.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 16. Mai 2020 hätte ein emotionaler Tag werden sollen. 34. Spieltag, Saisonfinale, ein volles Stadion. Vielleicht hätte es noch etwas zu gewinnen gegeben für Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim, vielleicht auch nicht. Vielleicht hätte es Tränen der Freude gegeben, vielleicht Tränen der Trauer, vielleicht verrückte sportliche Wendungen, vielleicht Grüße vom Rande des Wahnsinns. Vielleicht Bierduschen, vielleicht Blumensträuße, vielleicht warme Worte zum Abschied. Vielleicht all das, was 34. Spieltagen eine besondere Magie verleiht.

Geisterspiele ohne Emotionen beim BVB

Es ist längst klar, dass der 16. Mai 2020 in den Fußballstadien der Bundesliga bei Weitem nicht so emotional und magisch werden wird, wie er es hätte werden sollen. Wenn es gut läuft, wird an diesem Tag Fußball vor leeren Rängen gespielt, wenn es schlecht läuft, wird an diesem Tag gar kein Fußball gespielt. Er sei schon „sehr glücklich“, hat BVB-Boss Hans-Joachim Watzke jüngst im Interview mit „11 Freunde“ gesagt, „wenn wir im Jahr 2020 noch Spiele mit Zuschauern sehen“. Das ist beim Blick auf die aktuelle Lage in der Welt freilich bestenfalls ein winziger Randaspekt und vor allem völlig richtig so, aber traurig bleibt es trotzdem für die vielen Fußballherzen in diesem Land – und beim BVB droht besonderer Herzschmerz.

Vier Spielerverträge laufen bei Borussia Dortmund im Sommer aus. Leihspieler Achraf Hakimi muss, Stand jetzt, zurück zu seinem Heimatverein Real Madrid. Mario Götze wird seinen auslaufenden Vertrag wohl nicht verlängern und den BVB zum zweiten Mal in seiner Karriere verlassen. Reserve-Torhüter Eric Oelschlägel, der mal einen prominenten Auftritt im DFB-Pokal gegen Werder Bremen hatte, ansonsten aber in erster Linie in der U23 auffiel, muss sich einen neuen Verein suchen. Und Lukasz Piszczek weiß noch nicht, ob er über den Sommer hinaus für Borussia Dortmund Fußball spielen darf. Er würde es gerne noch ein Jahr tun, aber noch ist keine finale Entscheidung darüber gefallen, ob der Vizekapitän noch einmal ein neues Vertragsangebot vom BVB erhält.

BVB-Spieler gehen, ohne die Massen zu sehen

Alleine Piszczeks Abschied, wenn es denn im Sommer so kommen sollte, hätte unter „normalen“ Umständen, also vor dem Coronavirus, für mehr als nur viele feuchte Augenpaare im Signal Iduna Park gesorgt. Zehn Jahre Borussia Dortmund, immer ehrlicher Fußball, zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege, ein Champions-League-Finale: So etwas vergessen einem die Leute in Dortmund nicht, im positiven Sinne – und die Vorstellung einer Piszczek-Verabschiedung, vom Piszczu, in einem leeren Stadion ist – bei allem Verständnis für die Notwendigkeit von Geisterspielen – eine, die ein schwarzgelbes Fußballherz nur sehr schwer ertragen kann.

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Als sei das nicht genug, könnte es noch schwerer werden für alle Dortmunder Fußballromantiker. Marcel Schmelzer, seit 15 Jahren beim BVB und dienstältester Borusse, hat zwar noch ein Jahr Vertrag in Dortmund, kündigte im Winter allerdings in einem „Kicker“-Interview an, dass er „gerne ins Ausland wechseln, noch mal etwas Exotisches machen“ würde, sofern sich in der Rückrunde „nichts an meiner Situation in Dortmund“ geändert haben sollte. Einfach nur seinen bis 2021 datierten Vertrag abzusitzen, entspreche nicht seinem Verständnis von Fußball.

Kein Abschied für Schmelzer?

Bislang kommt Schmelzer nur auf einen einzigen Kurzeinsatz seit der Winterpause, viel geändert hat sich an seiner sportlichen Situation nicht. Im Achtelfinal-Hinspiel gegen Paris Saint-Germain wurde er beim Stand von 2:1 kurz vor Schluss für Jadon Sancho eingewechselt. Es halten „Marcel Schmelzer“-Sprechchöre durchs Stadion – und es wurde deutlich, dass sich zumindest die Stimmung bei den Fans geändert hat. Der Anhang honoriert, wie sehr sich der ehemalige Kapitän, der Schmelle, trotz seiner gesunkenen sportlichen Bedeutung in den Dienst der Mannschaft stellt. Das war in der jüngeren Vergangenheit nicht immer so. Jetzt ist die Wertschätzung da.

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Noch ist nicht endgültig klar, welche Spieler Borussia Dortmund im Sommer wirklich verlassen werden, aber es droht, das wird immer offensichtlicher, ein trister Abschied für Piszczek, Schmelzer, Götze und Co. Und sicher ist bereits jetzt: Der letzte Spieltag der Saison 2019/2020 wird, wann auch immer er ausgetragen werden kann, traurige Momente bereithalten – und in Dortmund werden über 80.000 Menschen fehlen, die hätten trösten können. Keine Ganzkörpergänsehaut, keine Tränen, kein „wir sind alle Dortmunder Jungs“. Das wird es noch schlimmer machen, auch wenn der Kopf sagt, dass es richtig und das einzig Vernünftige ist.

Zum Glück hat irgendwann mal jemand das Abschiedsspiel erfunden – oder man wartet halt noch ein Jahr.

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